Börse China hat den Crashknopf für den Dax

Geht es für chinesische Aktien zu stark abwärts, setzt automatisch der Handel aus. Anstatt Investoren zu schützen, stiftet dieser Notfall-Mechanismus nur weitere Unruhe - auch unter deutschen Anlegern.

Ein chinesischer Anleger beobachtet die Aktienkurse auf seinem Smartphone Quelle: dpa

Die chinesische Regierung geht mit ihrem Wunsch nach planbaren Märkten mal wieder neue Wege. Als Reaktion auf den Crash im vergangenen Jahr führten die Machthaber in Peking für den Aktienhandel an den Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen den sogenannten „Circuit-Breaker“ ein.

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Dieser Schutzschalter soll die Börsen in schwierigen Situationen beruhigen: Liegt der Aktienmarkt im Tagesverlauf fünf Prozent unter Wasser, wird der Handel für eine gewisse Zeit ausgesetzt. Geht es anschließend weiter abwärts und das Minus erreicht die Schwelle von sieben Prozent, bedeutet das automatisch das Ende des Handelstages.

Gleich am ersten Handelstag des neuen Jahres wurde der „Circuit-Breaker“ im Echtbetrieb getestet. Es lässt sich in der Rückschau schwer sagen, ob er seinen beruhigenden Zweck erfüllt hat. Denkbar ist auch, dass er maßgeblich zum Kursrutsch beigetragen hat. Psychologische Faktoren sprechen dafür.

Für einen Aktienanleger ist die Gewissheit, seine Positionen in schwierigen Börsenphasen jederzeit liquidieren zu können, sehr wichtig. Wird ihm diese Möglichkeit genommen, wird er versuchen, das Risiko in diesem Markt zu reduzieren. Das liegt an der sogenannten Kontrollillusion. Sie gibt Anlegern das Gefühl, durch vollkommen freies Handeln den maximalen Nutzen zu ziehen. Sollte dieses Gefühl verlorengehen, wird dieser Markt als weniger attraktiv wahrgenommen - einige Anleger verkaufen eventuell ihre Aktienbestände.

China-Schock zum Jahresauftakt sitzt sehr tief

Die chinesische Sieben-Prozent-Barriere könnte gar wie ein Magnet wirken. Anleger, die ohnehin mit dem Gedanken des Verkaufs spielen, könnten ihre Positionen vorsorglich liquidieren, bevor sie nicht mehr agieren können. Es wird sich also erst zeigen müssen, ob dieser Mechanismus nicht sogar zusätzliche Probleme schafft.

Das Hauptproblem des Schutzschalters aus Anlegersicht ist die mangelnde Liquidierbarkeit der Positionen im eigenen Markt. Was würde wohl ein ängstlicher Anleger mit einem großen Aktiendepot in chinesischen Werten tun, wenn er Angst vor einem Marktzusammenbruch hat? Höchstwahrscheinlich würde er auf Märkte ausweichen, wo er die Möglichkeit zum Verkauf oder zur Absicherung hätte.

Und so kommt Europa ins Spiel. Denn aufgrund der Zeitverschiebung ist die große amerikanische Börse, die auch größere Volumina absorbieren könnte, zu den Handelszeiten in Asien noch geschlossen und wenig liquide in den Instrumenten zur Absicherung. Also wird sich echter Verkaufsdruck in China eher in Richtung Europa kanalisieren, vor allem in den liquiden deutschen Aktienmarkt.

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Durch den Effekt, dass die Grenze von minus sieben Prozent magnetisch wirkt, der Verkaufsdruck aber existent bleibt, könnte in Schwächephasen aus europäischer Sicht mit der Börse China eine neue Leitbörse entstehen. Die europäischen Aktienmärkte könnten deutlich stärker unter Druck kommen als zum Beispiel die amerikanische Börse.

Im schlimmsten Falle droht eine positive Feedbackschleife, wenn starke Verluste in Europa auf Marktteilnehmer in anderen Ländern zusätzlich einschüchternd wirken. Es wird sich also erst noch zeigen müssen, ob eine künstlich geschaffene Stabilität in China nicht zu zusätzlicher Fragilität an den internationalen Finanzmärkten führt.

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