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Börse Die besten Börsenchancen für Privatanleger

Aktien sind wieder gefragt – und dürften langfristig gute Perspektiven haben. Warum Privatanleger wieder an der Börse investieren sollten und welche Papiere zu bevorzugen sind.

Langfristig könnten Anleger wieder gut mit Aktien fahren. Sie bieten perspektivisch mehr Chancen und eingebauten Inflationsschutz Quelle: Marcel Stahn

Deutsche Anleger setzen wieder verstärkt auf Aktien: Die Gesamtzahl der Besitzer von Aktien und Fondsanteilen stieg hierzulande im ersten Halbjahr auf knapp 10,2 Millionen. Das hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ermittelt. Das ist immerhin eine Zunahme von 1,5 Millionen gegenüber Ende 2011 – ein Plus von 15,7 Prozent. Einen stärkeren Zuwachs hatte es bislang nur im Jahr 2000 gegeben, als sogar 3,6 Millionen neue Anleger an der Börse investierten. Damals lockten sie der Internetboom und populäre Aktien wie das Papier der Deutschen Telekom an. Seinerzeit zählte Deutschland 13 Millionen Aktionäre. Nun bewegen wir uns wieder auf dem Niveau von 2007.

Die Gründe für die vermehrte Rückkehr der Privatanleger an die Börse liegen heute jedoch anders. Angesichts einer nach wie vor hohen Nervosität an den Aktienmärkten mag der Anstieg zunächst überraschen. Die Ursachen sind jedoch nüchtern betrachtet wenig spektakulär: Weil Minizinsen auf konservative Anlageformen wie Festgeld oder Bundesanleihe es für Anleger zunehmend schwerer machen, eine attraktive Rendite einzufahren und teilweise nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, sind Alternativen gefragt. Parallel wächst in der Euro-Krise die Angst vor einem deutlichen Anstieg der Inflation durch die große Geldflut der Notenbanken. Die Konsequenz: Anleger investieren ihr Geld lieber in Sachwerte wie Immobilien, Oldtimer, Kunst – oder eben die Aktie. Die Unternehmensanteile werden als Sachwert geschätzt, erklärte Franz-Josef Leven, Direktor des DAI. Zudem böten sie im aktuellen Kapitalmarktumfeld als praktisch einzige Anlageform die Aussicht auf eine attraktive Rendite durch Kursgewinne und Dividenden. Weil in den stetig schwankenden Börsenkursen die Inflation in aller Regel eingepreist ist, sind sie zudem geschützt vor schleichender Geldentwertung.

Trotz des jüngsten Aufwärtstrends glauben die Experten vom DAI allerdings noch nicht an eine dauerhafte Stabilisierung der Aktionärszahlen. Dafür müsse die Zahl der Aktienanleger auch in anderen Kapitalmarktphasen unverändert hoch bleiben beziehungsweise weiter steigen, erklärte Leven.

Von einer wiederentdeckten oder wieder aufgeflammten Liebe der Deutschen zur lange Zeit verhassten Anlageform Aktie zu sprechen, wäre ohnehin zu einfach.

Zum einen zogen die Deutschen trotz gestiegener Zahl der Aktionäre netto im ersten Halbjahr 5,2 Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Aktienfonds waren damit erneut die großen Verlierer unter allen Fonds-Arten.

Und, wie das DAI schon selbst vermutet, handelt es sich bei den Neu- und Wieder-Aktionären vielfach um Krisenflüchtlinge, die Aktien als geringstes Übel kaufen, nicht etwa aus Überzeugung.

Verlustrisiken sind minimierbar

Zehn Crashaktien für Zocker
Das Schild einer Commerzbank-Filiale mit Logo hängt unweit der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Das solara<uto Solarauto "Solarworld GT" Quelle: dapd
Ein Werksmitarbeiter arbeitet in Wiesloch beim Heidelberger Druckmaschinenhersteller Quelle: dapd
Die Außenansicht eines Nokia-Ladens Quelle: dpa
in Mitarbeiter eines Praktiker Baumarktes steh vor einem Regal Quelle: dapd
Passanten vor einer UniCredit-Filiale in Rom Quelle: dapd
Das Logo der Firma Alcatel-Lucent Quelle: dapd

Dank Euro-Krise und weltweiter Niedrigzinsen auf Tages-, Festgeld und mittlerweile auch fast alle Unternehmensanleihen, die nicht einmal die Inflation ausgleichen, flüchtet eben so mancher in Aktien, vorzugsweise in Titel, die eine regelmäßige Dividende abwerfen.

Doch die Neu- und Wiedereinsteiger haben durchaus auch gute Argumente auf ihrer Seite. Es ist keineswegs auszuschließen, dass die heutigen Kurse sich auf lange Sicht als günstig erweisen. Krisenzeiten haben sich im Nachhinein schon oft als die bei weitem besten Zeiten zum Kauf von Aktien erwiesen.

Denn Aktien werden als liquide handelbare Anlageform von vielen Anlegern als Erstes aus den Depots geworfen, wenn diese in vermeintlich sicherere Anlageformen umschichten wollen oder schlicht Geld brauchen, etwa Fonds oder Hedgefonds, deren Kunden die Anteile zurückgegeben haben. Dabei wird, so das Kalkül, oft Qualität mit verkauft, die längerfristig denkende Anleger dann oft günstig einsammeln können.

Allerdings erfordert diese Vorgehensweise Geduld: Gerade in schweren Finanzkrisen, die sich zu Schuldenkrisen ausweiten, ist es unmöglich, das nahende Krisen-Ende seriös zu prognostizieren. Solange die Krisen andauern, unterliegen die Aktienkurse weiterhin starken Schwankungen.

Auf Krisenfestigkeit verlassen

Anleger können das Verlustrisiko aber minimieren, indem sie auf Unternehmen setzen, die ihre Krisenfestigkeit schon bewiesen haben und deren Geschäftsmodell möglichst weltweit funktioniert.

So liegen Anleger, die in ein von der WirtschaftsWoche vor genau einem Jahr empfohlenen Anlagevorschlag in Form der Aktien von 18 Weltkonzernen wie VW, dem Brauerei-Riesen AmBev, Apple, Amazon, K+S und dem Tabakkonzern BAT (WirtschaftsWoche 26.9.2011) gefolgt sind, um 31 Prozent im Plus. Drei der 18 empfohlenen Aktien (K+S, Agnico Eagle und Silver Wheaton) haben den Anlegern Verluste beschert; elf Werte liegen teilweise deutlich im Plus, vier weitere sind Nahe an ihrem Kursniveau vom September 2011. Allerdings kommen Anleger zusammen mit den seit Empfehlung bezahlten Dividenden auf eine Gesamtrendite von 34,8 Prozent. Das ist deutlich mehr, als der Gesamtmarkt zu bieten hatte: Der Dax 30 mit den 30 größten deutschen Standardwerten liegt im gleichen Zeitraum rund 16 Prozent im Plus.

Etwas mehr Durchhaltevermögen und Mut zum Risiko sollte mitbringen, wer jetzt nach besonders ausgebombten Titeln Ausschau hält. So verloren Anleger mit einem anderen in der .WirtschaftsWoche empfohlenen Crash-Aktien-Depot (WirtschaftsWoche vom 7.10.2011) aus damals bereits besonders stark verprügelten Aktien im Schnitt weitere 25 Prozent. Viele der damaligen Probleme haben sich sogar verschärft, etwa bei den empfohlenen Solarwerten Solarworld und SMA. Lediglich die drei Blue Chips Cisco, Siemens und Schneider Electric liegen leicht im Plus.

Langfristig spricht noch mehr für Aktien

Sollten etwa die Zentralbanken ihre Politik des billigen Geldes fortsetzen und die Banken mit Liquidität fluten sowie die Staatsschulden über den Kauf von Staatsanleihen monetarisieren, hätte das höchstwahrscheinlich mit einiger zeitlicher Verzögerung zwei Folgen: Zum einen würde ein Rückfall in eine Rezession (oder womöglich Schlimmeres) damit verhindert, zum anderen würden Aktien als Sachwerte von einer dann höchstwahrscheinlich anziehenden Inflation profitieren, so lange diese nicht ausufert.

Die schicken 50

Die meistgehandelten Aktien Deutschlands
Platz 10: LufthansaNach einem leichten Kurs-Hoch von elf Euro im Februar, sackte die Lufthansa Aktie im Juni auf den seit 2009 nicht mehr erreichten Tiefstand von acht Euro ab. Derzeit ist der Lufthansa-Kurs ist im leichten Aufwärtstrend und pendelt sich auf einem Wert von 9,60 Euro pro Stück ein.  ISIN: DE0008232125 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012: 614 Millionen Gehandeltes Volumen: 20 Milliarden Euro Quelle: dapd
Platz 9: SAPDie Aktie des Softwaregiganten befindet sich langfristig auf einem stetigen Aufstieg und konnte den Wert innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppeln. Von kleinen Sprüngen nach oben und unten abgesehen, wird das Wertpapier gerade für ordentliche 47,66 Euro gehandelt und ist somit die teuerste Aktie unseres Rankings. ISIN:DE0007164600 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012: 663 Millionen Gehandeltes Volumen: 16 Milliarden Euro Quelle: dpa
Platz 8: RWEDie Energiewende macht RWE nach wie vor zu schaffen. Die Aktie des Energieversorgers befinden sich zwar gerade wieder auf einem leicht steigenden Kurs, doch mit einem Wert von momentan 33,33 Euro je Aktie ist an den absoluten Spitzenwert von 99 im Jahr 2008 gerade nicht zu denken. ISIN:DE0007037129 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012:722 Millionen Gehandeltes Volumen: 11 Milliarden Euro Quelle: dapd
Platz 7: DaimlerDer Automobilhersteller landet momentan wieder auf demselben Kurswert, mit dem er zu Jahresbeginn gestartet ist: bei soliden 35 Euro pro Aktie. Die Frage ist nur, ob Daimler das bisherige Jahreshoch von 48 noch einmal toppen kann. ISIN:DE0007100000 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012: 986 Millionen Gehandeltes Volumen: 20 Milliarden Euro Quelle: dapd
Platz 6: Deutsche PostDie Post-Aktie liegt gerade bei einem unspektakulären Kurs von 14 Euro. Abgesehen von kurzfristigen Kurs-Ausreißern hat sich der Wert in den vergangenen Jahren von den 14 Euro kaum wegbewegt. ISIN:DE0005552004 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012:1.049 Millionen Gehandeltes Volumen: 30 Milliarden Euro Quelle: dapd
Platz 5: InfineonDie Aktie des Halbleiterherstellers ist mit fünf Euro pro Stück gerade fast schon ein Zocker-Schnäppchen. Auch wenn es 2009 mit einem unglaublichen Kurs-Tiefstwert von 0,36 schon mal düsterer ausgesehen hat. ISIN:DE0006231004 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012:1.120 Millionen Gehandeltes Volumen: 7 Milliarden Euro Quelle: dpa
Platz 4: Deutsche BankDas bisherige Jahreshoch der Deutschen Bank-Aktie lag im April bei einem soliden Kurs von 39 Euro. Inzwischen geht es wieder langsam bergab: 26,20 Euro pro Stück ist der aktuelle Wert - damit nähert sich der Kurs wieder verdächtig dem Tiefstand der letzten zehn Jahre von 21 Euro an. ISIN:DE0005140008 Gehandelte Stücke im ersten Halbjahr 2012:1.378 Millionen Gehandeltes Volumen: 16 Milliarden Euro Quelle: dpa

Historische Studien zeigen, dass sich Aktien bei Inflationsraten zwischen drei und acht Prozent am „wohlsten fühlen“: Steigen neben den Preisen auch die Löhne und Gehälter, kommt eine so genannte Lohn-Preis-Spirale in Gang, wobei dann die Umsätze der Unternehmen und zu einem gewissen Teil auch die Gewinne rein nominal schon gar nicht anders können, als bei sonst gleichen Bedingungen zu steigen. Allerdings zeigen zum Beispiel die Erfahrungen aus den 1970er Jahren, dass bei Lohn-Preis-Spiralen längst nicht alle Unternehmen auf der Gewinnerseite zu finden sind. Unternehmen, deren Gewinnmargen beispielsweise von günstigen Rohstoffkosten abhängen und die höhere Einkaufspreise nicht oder nur teilweise auf ihre eigenen Preise überwälzen können, zählen zu den Verlierern.

Gefragt sind vielmehr Unternehmen mit Preissetzungsmacht. Die entsteht entweder, weil die Firma etwas Unverzichtbares herstellt, das auch nicht durch Billigware ersetzt werden kann, etwa Energie oder Lebensmittel. Oder dadurch, dass weltweit die Mehrzahl der Konsumenten trotz oder gerade wegen steigender Preise bereit ist, für die Produkte des Unternehmens einen Aufschlag zu bezahlen. Sei es wegen der technischen Überlegenheit, der besseren Qualität oder auch nur der Marke.

Unternehmen mit Preissetzungsmacht

In den 1970ern sprach man im Zusammenhang mit den damals führenden 50 Weltkonzernen gerne von den Nifty Fifty, den „schicken 50“. Dazu zählten Unternehmen wie Xerox, Avon, Polaroid, IBM oder Coca-Cola, die von den allgemein steigenden Preisen überproportional profitieren konnten. Obwohl die 70er wegen der damals stark steigenden Energiekosten und der allgemein eher schwachen Konjunktur en gros kein gutes Aktienjahrzehnt waren, konnten die meisten der Nifty-50-Unternehmen ihre Gewinne und Aktienkurse erheblich steigern.

„Es liegt nahe, sich bei der Aussicht auf allgemein steigende Preise über Aktien am Produktivkapital von Unternehmen zu beteiligen, zumal an solchen, die schon bewiesen haben, dass ihre Geschäftsmodelle auch in schwierigen konjunkturellen Phasen gut funktionieren“, sagt der Aktienstratege der Genfer Bank Pictet, Alfred Roelli.

Liquide Aktien

Aktien für Zocker

„Aktien sind zudem der einzige liquide gehandelte Sachwert, außer Gold“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. Bisher zeigte sich die Flucht in Sachwerte aber in erster Linie am Immobilienmarkt. Dort schossen die Preise für Häuser und Wohnungen vor allem in den Ballungsräumen seit 2009 zweistellig in die Höhe. Folge: Wer nicht selbst nutzen, sondern vermieten will, kann zurzeit aufgrund der hohen Kaufpreise kaum noch eine Mietrendite erzielen, die die Inflation ausgleicht. Zudem haben Immobilien, wie der Name schon sagt, einen weiteren, im Ernstfall gravierenden, Nachteil: Sie sind für jedermann sichtbar und für die Steuerbehörden leicht greifbar.

Taugt Gold als Krisenwährung?
1980Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung. Goldpreis am Ende des Jahres:589,8 US-Dollar 392,4 Euro 119.823,1 Yen 246,7 Pfund 1.047,8 Schweizer Franken Quelle: ap
1997Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Tigerstaaten von 1997-1998 (Asienkrise) ließ einen Großteil Asiens in eine Rezession verfallen. Gründe für die Krise waren exzessive Kreditaufnahme und maßlose Investitionen der Tigerstaaten. Die asiatischen Banken nahmen Kredite in US-Dollar auf und vergaben Kredite in inländischen Währungen. Das ging aber nur so lange gut, so lange der Dollar gegenüber dem Yen und anderen asiatischen Währungen schwach war. Als der Dollar ab 1995 anfing aufzuwerten, hatten die asiatischen Institute Probleme ihre Schulden zurückzuzahlen. Als die Gläubiger dies witterten zogen, sie ihr Kapital im großen Stil aus Asien ab, was wiederum die asiatischen Währungen schwächte. Eine sich selbst verstärkende Kapitalflucht ließ die Wirtschaft der Tigerstaaten einknicken. Goldpreis am Ende des Jahres:290,2 US-Dollar 266,1 Euro 37.733Yen 176,4 Pfund 423,3 Schweizer Franken Quelle: ap
1998Wirtschaftliche Probleme kamen in Russland bereits nach der Asienkrise 1997 auf. Doch als dann 1998 massiv Kapital, unter anderem auch von asiatischen Investoren, abgezogen wurde, brach die Wirtschaft Russlands endgültig ein. Der Rubel geriet massiv unter Druck und Unternehmen konnten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, weil sie für die Waren kein Geld mehr bekamen. Der Großteil der Bürger konnte keine Steuern mehr zahlen. Folge: Russland wurde zahlungsunfähig. In den USA erholt sich dagegen die Wirtschaft und die Inflation des US-Dollars lässt nach. Dies drückte in den vorangegangenen Jahren den Goldpreis deutlich nach unten. Goldpreis am Ende des Jahres:287,8 US-Dollar 245,1 Euro 32.463,8 Yen 173,0 Pfund 395,3 Schweizer Franken Quelle: Reuters
1999Gordon Brown verkaufte von 1999 bis 2002 systematisch einen Großteil der Goldbestände Großbritanniens - und das obwohl der Goldpreis bei einem 20-Jahres-Tief lag. Zu der Zeit war er noch Schatzkanzler. Als er später Premierminister wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: er erntete viel Kritik wegen der Goldverkäufe. Doch eine Schädigungsabsicht konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Großbritannien sind durch die Auktionen, verglichen mit dem heutigen Goldpreis, mehr als sieben Milliarden Dollar entgangen -der Goldpreis hat sich seit dem vervierfacht Brown wird deshalb vorgeworfen Großbritannien bewusst geschädigt zu haben. Zumal er die Verkäufe im Vorfeld ankündigte, was den Preis bereits vor der Auktion fallen ließ und ihm eine schlechte Verhandlungsposition einräumte. Es gibt Gerüchte, dass Brown vor der Einführung des Euro mithelfen wollte den Goldpreis zu drücken. Diese These konnte aber bisher niemand beweisen. Insgesamt verkaufte Gordon Brown 395 von 715 Tonnen. Die Zeit wird in England als „Gordon Bottom“ bezeichnet. Bis heute ist dieses Kapitel nicht endgültig durchleuchtet - die Motivation Browns bleibt damit ein Rätsel. Goldpreis am Ende des Jahres:290,3 US-Dollar 289,6 Euro 29.708 Yen 180,1 Pfund 464,6 Schweizer Franken Quelle: dapd
2000Im März des neuen Jahrtausends platzte die Dotcom-Blase. Anleger waren die Jahre zuvor nahezu versessen in Aktien von Internetunternehmen. Firmen mit nur einem PC und einem Büro hatten plötzlich einen höheren Börsenwert, als Firmen mit ganzen Lagerhallen, die materielle Güter produzierten. Grund war die Annahme, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei: die New Economy. Man dachte, dass Produktion und Material weniger wert würden und Ideen das Gut der Zukunft seien. Aktien von Internet-Start-Ups waren deshalb teurer, als die von Traditionsunternehmen. Doch der Irrtum flog auf, als die ersten Internetfirmen Insolvenz anmeldeten und Anleger scharenweise aus Internetaktien flüchteten und die Blase zum platzen brachten. Der Goldpreis fiel in den Neunzigerjahren stetig. Vor allem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung (auch dank der New Economy) der USA von 1994 bis 2001. Anleger misstrauten Aktien nach der Dotcom-Blase und begannen in ein altbewährtes Gut zu investieren: Gold. Der Goldpreis wird seitdem rapide steigen. Goldpreis am Ende des Jahres:274,5 US-Dollar 292,3 Euro 31.342 Yen 183,7 Pfund 444,7 Schweizer Franken Quelle: ap
2001Am 11. September 2001 stürzten wegen eines Terroranschlags die Zwillingstürme des World-Trade-Centers ein. Die westliche Welt wurde grundlegend erschüttert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen zerstört. Die wachsende Unsicherheit schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seit 2001 nur noch eine Richtung kannte: aufwärts. Für den ständig ansteigenden Goldpreis ist auch die Geldpolitik der USA verantwortlich, die mit ihrer Politik des billigen Geldes seit 2000 die Finanzmärkte mit Geld überflutete. Grund war der Versuch das Leistungsbilanzdefizit durch eine Entwertung des Dollars zu reduzieren. Folge des billigen Geldes war, dass Finanzinstitute exzessiv (Immobilien-)Kredite vergaben und diese Privatschulden schließlich an Investoren weiterverkauften - die perfekte Blase wuchs und wuchs, bis sie schließlich 2007 platzte. Goldpreis am Ende des Jahres:276,5 US-Dollar 310,5 Euro 36.238 Yen 190 Pfund 459,1 Schweizer Franken Quelle: dpa
2008Am 15.September 2008 beantragte die US-Bank Lehman Brothers das Insolvenzverfahren. Da die US-Regierung vorher bereits drei großen Banken geholfen hatte, tat sie dies bei Lehman nicht mehr. Die Pleite blieb nicht ohne Folgen: Banken fingen an sich gegenseitig kein Geld mehr zu leihen, Anleger zogen ihr Geld von Banken ab. Die Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise begann, spitzte sich daraufhin weiter zu. Goldpreis am Ende des Jahres:869,8 US-Dollar 625,7 Euro 78.842 Yen 604,9 Pfund 925,7 Schweizer Franken Quelle: dapd

Auch ohne Extremszenarien, die in Richtung Enteignung gehen, oder am Rande der Legalität operierenden „Steueroptimierern“ das Wort reden zu wollen, wird umgehend klar, was das bedeutet: Wer ein erhebliches Immobilienvermögen besitzt, muss damit rechnen, dass dieses Begehrlichkeiten weckt. Zwar gibt es in Deutschland (noch) keine Zweit-Immobilien oder Reichensteuer nach französischem Vorbild, aber erste, teils drastische Erhöhungen der Grundsteuer, Grunderwerbssteuer und kommunalen Abgaben weisen die Richtung für die kommenden Jahre. Hinzu kommen die hohen Nebenkosten von zehn bis zwölf Prozent beim Erwerb.

Auch Aktiengewinne werden selbstverständlich besteuert, doch lassen sie sich , anders als Immobilien, jederzeit liquide veräußern, sollte der Anleger für sich zu der Überzeugung gelangen, das Engagement lohne nicht mehr.

Dividenden vielfach besser als Anleiherenditen

Der einzige weltweit ähnlich liquide gehandelte Sachwert ist Gold. Die Aktie hat gegenüber Gold jedoch einen Vorteil: Sie wirft im günstigen Fall eine Dividendenrendite ab, die erheblich über der aktuellen Inflationsrate liegt. „Die Aktie ist die einzige Anlageklasse, die Inflationsschutz mit attraktiven laufenden Erträgen und gleichzeitig viel Flexibilität bietet, sie gehört daher in jedes Depot“ folgert Flossbach.

Hinzu kommt, dass bei den meisten (gesunden und krisenfesten) Unternehmen die Dividendenrendite jene der mit den Bonds derselben Unternehmen erzielbaren Rendite mittlerweile um ein Vielfaches übersteigt. Zunächst ist es durchaus logisch, dass Aktien höher rentieren als Anleihen, denn die Dividende hat eine ungleich höhere Ausfall-Wahrscheinlichkeit.

Doch zum Teil liegen die hohen Dividendenrenditen eben auch an den stark gefallenen Aktienkursen. Viele Unternehmen erzeugen genügend Cash, um einen Teil davon an ihre Anleger auszuschütten. Zugleich nimmt ihnen der Kapitalmarkt die Anleihen auch zu relativ niedrigen Zinsen ab, sodass die Renditen der Unternehmensanleihen bis auf weiteres gering bleiben.

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