Börse Frankfurt Dax schließt mehr als zweieinhalb Prozent im Minus

Der jüngsten Erholungsrally geht endgültig die Luft aus. Auch der deutsche Leitindex verlor am Mittwoch zwischenzeitlich fast 300 Punkte. Manche Experten glauben: Vor einer Trendwende müsse der Markt „richtig günstig“ werden.

Die größten Skandale und Pleiten im Börsenjahr 2015
Politische Einflussnahme an den Finanzmärkten prägte das Börsenjahr 2015 – und löste Kurskapriolen zu Lasten der Anleger aus. Etwa im Sommer: Mit einer Hinhaltetaktik versuchte die neugewählte griechische Regierung von Alexis Tsipras, ihre Verhandlungsposition gegenüber der EU um neue Hilfskredite zu stärken. Leidtragende waren die Besitzer griechischer Staatsanleihen und die Sparer. Quelle: Schwarzbuch Börse, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Quelle: dpa
Auf dem Höhepunkt der Verwerfungen schlossen die griechischen Banken vorübergehend und der Handel mit griechischen Wertpapieren war bis Anfang August ausgesetzt. Als der Handel wieder erlaubt war, stiegen Staatsanleihen des Krisenstaats auf neue Jahreshochs. Der griechische Aktienmarkt hingegen brach weiter ein und erreichte Ende August den tiefsten Stand seit Mitte 2012. Quelle: dpa
Doch nicht nur in Griechenland, auch in China bekamen Börsianer die Kraft staatlicher Einflussnahme zu spüren: So war der Schanghai Index der Aktien aus der ersten Reihe von Mitte 2014 bis Mitte 2015 zunächst um 150 Prozent gestiegen, unter anderem weil Chinas Führung über einen Staatsfonds sehr viel Geld in den Aktienmarkt gepumpt hatte. Die Blase platzte dann jedoch, als die Zentralbank die extrem lockeren Regeln für Wertpapierkredite verschärfte und Sparer darüber hinaus einen Rückzug der staatlichen Stützungskäufe fürchteten. Quelle: REUTERS
Von Mitte Juni an verlor der Schanghai-A-Index in nur drei Wochen ein Drittel an Wert. Der Versuch, über staatliche Verordnungen die Börsenkurse zu stabilisieren, schlug zunächst fehl. Es folgte eine zweite Ausverkaufswelle. Peking setzte daraufhin zwischendurch rund zwei Drittel aller Aktien vom Handel aus. „Die mangelnde Transparenz der chinesischen Politik hinsichtlich des wahren Zustands der heimischen Wirtschaft wird im Börsenjahr 2016 zu den größten Unsicherheitsfaktoren zählen“, heißt es im Schwarzbuch. Quelle: dpa
Anders als im Vorjahr haben einige einzelne Dax-Werte an der Börse ordentlich Wert vernichtet. So etwa die Versorger. Nach der politisch gewollten Abkehr von der Atomenergie ringen alle großen Energieunternehmen in Deutschland um eine neue Strategie. 2015 hagelte es Rekordverluste, vor allem für Eon und RWE. Quelle: dpa
Für die größten Vermögensverluste für Anleger sorgte jedoch Volkswagen mit dem Eingeständnis, die Abgaswerte seiner Dieselmotoren manipuliert zu haben. Am 21. September verlor der Wolfsburger Autokonzern ein Drittel seines Börsenwerts. Der Sippenhaft-Effekt verursachte auch zweistellige Kurseinbrüche bei den anderen Autokonzernen im Dax sowie den zahlreichen Zulieferern in MDax und SDax. Vorstandschef Martin Winterkorn musste seinen Hut nehmen. Quelle: dpa
Und es wird teuer für VW: Analysten beziffern die Gesamtkosten aus drohenden Gerichtsverfahren auf 30 bis 45 Milliarden Euro. „Noch offen ist dabei eine vermutete Schadensersatzpflicht gegenüber Anlegern, da Volkswagen aus Sicht vieler Anwälte und der SdK den Kapitalmarkt möglicherweise zu spät über die Manipulationen informierte“, heißt es im Schwarzbuch. Quelle: dpa
Massiver finanzieller Schaden droht auch den Gläubigern der Hypo Alpe Adria. Die Beinahe-Pleite der Kärntner Landesbank während der Finanzkrise ging als größter Finanzskandal Österreichs in die Geschichte ein. Um die drohende Insolvenz abzuwenden, hatte die Regierung in Wien das Finanzinstitut im Dezember 2009 verstaatlicht und 2014 endgültig zerschlagen. Jetzt kämpfen die Gläubiger mit rechtlichen Schritten gegen ihre Enteignung durch fragwürdige gesetzliche Maßnahmen. Quelle: REUTERS
Auch im Segment der Mittelstandsanleihen gab es 2015 neue Ausfälle, Beispiel ATU. Obwohl die Rückzahlung einer Anleihe 2014 fällig war, wurde sie ohne Begründung aus den Anlegerdepots ausgebucht. Später erfuhren die Privatanleger dann, dass die ihnen zustehenden Rechte nach englischem Recht ausgehebelt und sie ungefragt um eine Insolvenzquote gebracht wurden. Quelle: dpa
Wie Aktionären ein Investment madig gemacht werden kann, beschreibt das Schwarzbuch am Fall Celesio: Nachdem eine Abfindung der Streubesitzaktionäre nur auf geringen Anklang stieß, begann der neue Großaktionär, der US-Pharmakonzern McKesson, mit seiner Zermürbungstaktik. Zunächst wurden die IR-Aktivitäten heruntergefahren. Am 11. März 2015 wurde ein Delisting-Beschluss gefasst, seit Oktober ist die Aktie nur noch im Freiverkehr handelbar. Fallen Aktienkurse und Handelsvolumina sind die schlimme Folge für die verbliebenen Privatanleger. Quelle: dpa

Weiter fallende Ölpreise haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch mit nach unten gezogen. Der Dax knüpfte an seine Vortagesverluste an und schloss um 2,64 Prozent auf 9167 Punkte nach. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 2,34 Prozent auf 18.610 Punkte ein und der Technologiewerte-Index TecDax gab um 5,13 Prozent auf 1536 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 2,33 Prozent auf 2820 Punkte.

Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba verwies auf die weiterhin hohe Korrelation des Aktienmarktes mit den Ölpreisen. Deren zwischenzeitliche Erholung hatte zuletzt auch dem Dax Rückenwind verliehen: Das Börsenbarometer war zum Wochenauftakt fast bis auf 9600 Punkte geklettert und hatte sich damit binnen anderthalb Wochen um knapp 900 Punkte erholt. „Der Markt sucht immer noch nach Orientierung und reagiert von Tag zu Tag auf den Ölpreis“, sagte Scott Brown, Chefvolkswirt bei Raymond James. Das sei zwar nicht gut, zeige aber die Nervosität der Investoren.

Mittlerweile habe die Hoffnung auf eine Begrenzung der hohen Öl-Fördermenge aber einen Dämpfer bekommen, erklärten Händler die fallenden Preise. So will sich das wichtige Förderland Iran offenbar nicht an einer von Russland und Saudi-Arabien angestrebten Begrenzung beteiligen. Und Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi hatte gestern einen baldigen Rückgang der Öl-Fördermengen ausgeschlossen. „Wir setzen nicht auf Kürzungen, weil das Vertrauen dafür fehlt“, sagte er.

Laut den Experten von Goldman Sachs müsste der Markt für eine nachhaltige Trendwende ohnehin erst „richtig günstig“ werden. Bis dahin müssten die Anleger mit Schwankungen leben.

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