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Börse Frankfurt Dax steht vor schwachem Handelsauftakt

Die schwindende Furcht vor einem bewaffneten Konflikt zwischen den USA und Nordkorea lässt an der Börse wieder Platz für andere Themen. Zum Handelsauftakt dürfte der deutsche Leitindex aber im Minus starten.

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Die US-Innenpolitik unter Präsident Donald Trump belasten den deutschen Leitindex. Quelle: AP

Frankfurt Ist wieder Skepsis ist wieder angesagt? Nicht nur der chaotische Regierungsstil Donald Trumps verunsichert Investoren. Auch vonseiten der Konjunktur könnten gedämpftere Signale kommen. Der US-Aktienmarkt gilt als überhitzt, von der Hoffnung der Anleger auf US-Präsident Trump ist kaum noch etwas geblieben. Auch der europäische Markt gilt trotz jüngster Korrektur nicht als billig. Und mit dem September steht ein klassisch schwacher Börsenmonat bevor. Schon die nächsten Konjunkturdaten könnten wieder etwas schwächer ausfallen. Der Schock über neuerliche Terroranschläge mit offenbar islamistischem Hintergrund, diesmal in Spanien und in Finnland, hat die Kurse am Freitag bereits auf Talfahrt geschickt.

Der Dax schloss am Freitag 0,3 Prozent schwächer bei 12 165 Punkten. Von seinem Tagestief am Morgen bei 12 080 Zählern konnte er sich damit aber wieder absetzen und fuhr letztlich noch ein Wochenplus von rund 1,3 Prozent ein. Der Terroranschlag in Barcelona sorgte zwar für Entsetzen, hatte Händlern zufolge aber kaum Auswirkungen auf die Aktienkurse. Vor dem Börsenstart notiert der deutsche Leitindex bei 12.153 Punkten - zwölf weniger als beim Handelsschluss am Freitag.

Sorgen um die Pläne von US-Präsident Donald Trump zur Ankurbelung der Wirtschaft haben die Wall Street zum Wochenausklang ins Minus gezogen. Zwar erhielt der Markt Auftrieb durch den Abgang des umstrittenen rechten Chefstrategen Steve Bannon, der von Trump entlassen wurde. Dies reichte jedoch nur für eine vorübergehende Erholung.

Der Dow-Jones-Index fiel um 0,4 Prozent auf 21.675 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab um 0,2 Prozent auf 2426 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,1 Prozent auf 6217 Zähler. Auf Wochensicht verloren die drei wichtigsten Indizes alle mehr als einen halben Prozentpunkt.

Sorgen über die US-Politik haben am Montag die japanische Aktienbörse belastet. Viele Investoren zweifeln offenbar, ob Präsident Donald Trump wie versprochen das Wirtschaftswachstum ankurbeln kann. Für weitere Nervosität sorgten am Montag gemeinsame Militärübungen der USA und Südkorea, die Nordkorea scharf kritisiert hat. Der Nikkei mit den 225 Standardwerten gab im Mittagshandel um 0,4 Prozent auf 19.384 Punkte nach. Der breiter aufgestellte Topix sank um 0,2 Prozent auf 1593 Stellen.

„Die Überhitzung an den US-Märkten ist eine ernst zu nehmende Hypothek“, mahnt Markus Reinwand, Analyst der Helaba. Auch hiesige Aktien hält er trotz der Korrektur in den Sommermonaten noch nicht für hinreichend attraktiv bewertet. US-Aktien aus dem breiten Index S&P 500 lägen trotz Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate deutlich über ihrem langfristigen Mittelwert, sagt Reinwand. Hinzu kommt, dass „die US-Börseneuphorie rund um Präsident Trump weiter verblassen dürfte“, wie Christian Kahler, Analyst der DZ Bank betont.

Doch auch auf Europa schauen Strategen kritisch. Aktien aus der Euro-Zone seien US-Titeln zwar deutlich vorzuziehen, aber Anleger sollten ihr Pulver vorerst trocken halten", meint Reinwand von der Helaba. Eine Fortsetzung der Kursrückgänge wäre nicht nur gesund, sondern passte auch in das saisonale Muster.

Auch DZ Banker Kahler erkennt ein anhaltendes Risiko für zunehmende Kursschwankungen - massive Engagements drängen sich auf aktuellem Kursniveau nicht auf“. Denn in der eher nachrichtenarmen Zeit nach dem nahenden Ende der Quartalsberichtsaison rechnet der Analyst nicht damit, dass Anleger Ausreißer nach oben verpassen“. Nach den Bundestagswahlen kann er sich aber vorstellen, dass ausländische Anleger wieder stärker in Europa einsteigen.

Doch es gibt nicht nur negative Stimmen. Für die kommenden Monate sei ein solides Wirtschaftswachstum zu erwarten, sagte Ulrike Jäger, Chef-Anlagestrategin beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Dies sollte sich positiv in der Gewinnentwicklung der Unternehmen niederschlagen. Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg und Goldberg verweist auf einen weiteren Aspekt: Mit durchschnittlich 5,3 Prozent sei die Quote der Barbestände in den Depots europäischer Investoren so hoch wie zuletzt im März 2003. Fließe dieses Geld in den Aktienmarkt, hätten Dax & Co. noch Luft nach oben.

In den kommenden Tagen dürfte vor allem eine Fülle von Konjunkturdaten Börsianer auf Trab halten. Besonders spannend dabei ist die Veröffentlichung des Ifo-Indexes für August am Freitag. Der wichtigste Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland kletterte in den vergangenen drei Monaten immer weiter in Rekordhöhe. Über die Stimmung der Börsenprofis gibt am Dienstag der ZEW-Index Auskunft. Am Tag darauf folgen die deutschen und europäischen Einkaufsmanager-Indizes.

In den USA stehen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter (Freitag) auf dem Terminplan. Zwar zeichne sich hier ein Minus von sieben Prozent ab, weil der Vormonatswert durch Flugzeugbestellungen auf der Pariser Luftfahrtschau aufgebläht worden sei, erläuterte Weil. Der Trend wäre aber trotzdem weiter leicht nach oben gerichtet.

Daneben fiebern Anleger dem alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming entgegen. Sie erhoffen sich davon Hinweise auf die künftige Geldpolitik. Mario Draghi wird sie aber wohl enttäuschen. Einem Insider zufolge will der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Aussagen zur erwarteten Drosselung der vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe machen, um der Diskussion in seinem Haus nicht vorzugreifen. Derzeit pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte.

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