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Börse Frankfurt Dax verteidigt seine Gewinne

Nach dem satten Plus von gestern gönnen sich die Börsen heute eine kleine Pause. Von Ermüdungserscheinungen kann aber nicht die Rede sein. Denn langfristig gesehen verzeichnen Dax & Co. satte Aufschläge.

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Bei den Händlern an der Börse Frankfurt ist die Stimmung gut. Quelle: dapd

Düsseldorf Positive Unternehmenszahlen und relativ erfreuliche Wirtschaftsdaten lassen Anleger verstärkt auf Aktien setzen. Die ganz großen Sprünge macht der Dax momentan allerdings nicht. Aber nach einem Anstieg von 1,6 Prozent am Vortag kommt der deutsche Branchenindex heute immerhin noch auf ein Plus von 0,1 Prozent auf 7.380 Punkte und kann somit seine Gewinne halten. Langfristig gesehen konnte der Dax seit Anfang Januar satte 25 Prozent zulegen.

Auch die zweite Reihe verzeichnet auf lange Sicht kapitale Aufschläge. Zwar kam der MDax heute nur auf ein Plus von 0,3 Prozent, doch mit einem Kurs von 11.508 Zählern erreichte der Index der Mid Caps einen neuen Rekordstand. Der Vorteil des MDax ist der ausgeprägte Schutz von den Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa. Das liegt vor allem am starken Engagement des deutschen Mittelstandes in den Schwellenländern und den USA.

Der kleinere SDax zeigte sich ebenfalls in rekordverdächtigen Höhenregionen. Den Punktestand von 5.131 erreichte der Index zuletzt Anfang Mai. Seit Jahresanfang kommen beide Indizes jeweils auf ein Plus von knapp 29 und 16 Prozent. Der Technologieindex TecDax verlor heute 0,1 Prozent auf 826 Punkte, notiert aber im Vergleich zum Jahresanfangsstand knapp 20 Prozent fester.

Die Börsen waren in den vergangenen Tagen den asiatischen Aktienmärkten gefolgt, die aktuell satte Gewinne verzeichnen. Auch die Gewinne von US-Unternehmen wie beispielsweise Goldman Sachs und Coca-Cola sorgten für gute Stimmung. Zudem hoffen die Börsianer darauf, dass Europas Politiker nach einer in Brüssel anstehenden Sitzung mit guten Nachrichten in der Schuldenkrise aufwarten. Seit Wochenanfang mehren sich nämlich die Indizien, dass Spanien baldmöglichst unter den Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen möchte. Diese Spekulationen sorgten neben einem Aufwärtstrend bei den Börsen auch für eine steigende Bewertung des Euros. Im Vergleich zum Greenback stieg die europäische Gemeinschaftswährung um 0,3 Prozent auf 1,3094 Dollar.

Beim Run auf Aktien sind vor allem auch Großinvestoren ganz vorne dabei, die dank der generösen Geldpolitik der Notenbanken über anhaltend hohe Liquidität verfügen. Hinzu kommt, dass Anleihen wegen der niedrigen Renditen und der auf längere Sicht bestehenden Gefahr steigender Zinsen wenig Reiz ausüben.

Neben dem wachsenden Interesse an Aktien steigen zeitgleich fast unbemerkt auch die Investitionen in Gold. Heute lag der Preis für eine Feinunze Gold bei 1.751 US-Dollar. Allein in den letzten drei Monaten stieg der Goldpreis um fast zehn Prozent, was als ein Indiz für eine erhöhte Risikoaversion der Investoren gedeutet werden kann.

Zu den Gewinnern am Aktienmarkt zählten am Vortag insbesondere Banken, die eine positive Ertragsentwicklung meldeten, nachdem sie von Regierungen und Notenbanken über Jahre hinweg Unterstützung erfahren haben. Heute zogen die Finanztitel wieder an, wenn auch mit gebremster Geschwindigkeit. Die Commerzbank verteuerte sich am Morgen um 1,1 Prozent und die Deutsche Bank legte 0,3 Prozent zu.


Cree-Zahlen schieben Aixtron an

Der europäische Technologie-Subindex wies heute ein Minus von 0,4 Prozent auf. Gestern verzeichnete er noch einen Aufschlag von satten 1,5 Prozent. Verantwortlich hierfür war der Einstieg von Japans Softbank beim Konkurrenten SprintNextel, der bei vielen Aktionären Fantasien freisetzte, von denen dann weitere Technologiewerte profitieren konnten.

In Deutschland machten am Mittwochmorgen vor allem die Papiere von Aixtron eine gute Figur. Die im TecDax gelisteten Papiere bekamen Rückenwind von den etwas besser als erwarteten Quartalszahlen des US-Konkurrenten Cree. Am Morgen lagen die Aixtron-Aktien rund 3,2 Prozent im Plus und damit an der Spitze des Technologieindex. Cree seien nachbörslich um acht Prozent gestiegen, das helfe auch Aixtron, sagte ein Händler.

Im MDax hatten Analystenstimmen heute besonderes Gewicht. Der Anlagebauer Kuka wurde durch Analysten der HSBC von "neutral" auf "underweight" heruntergestuft, worauf die Aktien 2,8 Prozent ins Minus fielen. Die Experten der Großbank gehen davon aus, dass die nachlassende Nachfrage der Kunden aus der Automobilindustrie im kommenden Jahr die Geschäfte von Kuka belasten könnte.

Aufwind hingegen bekamen die Aktien des MDax-Neulings Metro. Hier stuften die Analysten von Kepler das Papier von "reduce" auf "hold" herauf. Im Anschluss an die Bewertung schoben sich die Metro-Aktien 3,4 Prozent ins Plus auf 21,10 Euro, womit sie sich die Spitze im MDax sicherten.

"Die Situation wird so schlecht beurteilt wie seit August 2009 nicht mehr"

Die Aufmerksamkeit der Anleger galt dem ZEW-Indikator für Anlegervertrauen. Die Erwartungskomponente stieg zwar von minus 18,2 auf minus 11,5 - blieb jedoch im negativen Bereich. Vom ZEW befragte Finanzexperten blieben also meist weiter skeptisch. Auch die aktuelle Lage wurde erneut schwächer beurteilt. "In der Euro-Zone wird die gesamtwirtschaftliche Situation so schlecht beurteilt wie seit August 2009 nicht mehr", ziehen Analysten der NordLB ihr Fazit.

Offensichtlich zweifeln auch immer mehr Unternehmensführer an der Beständigkeit der derzeit stabilen wirtschaftlichen Lage. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge sind die Aktienrückkäufe europäischer Unternehmen, die als Frühindikator volkswirtschaftlicher Entwicklungen gelten, auf den tiefsten Stand seit rund drei Jahren gefallen. Die Zuversicht europäischer Vorstandschefs sei damit mittlerweile so niedrig wie zuletzt zu Zeiten der Finanzkrise, hieß es.

Dies ist nicht zuletzt auch deshalb bemerkenswert, weil zahlreiche Unternehmen in Europa nach wie vor über rekordhohe Barreserven verfügen. Diese könnten allerdings verstärkt für die Übernahme von Konkurrenten eingesetzt werden. Und deshalb setzen Börsenoptimisten in diesem Kontext auf eine anhaltende Fantasie aus Fusionen und Übernahmen.

Heute wartet die Börse gespannt auf die britische Arbeitslosenquote und die US-Wohnungsbauzahlen. Von Unternehmensseite werden wieder zahlreiche Quartalszahlen bekannt gegeben, beispielsweise von American Express, ASML, Bank of America, BHP, Billiton, Danone, Diageo, Ebay und PepsiCo.

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