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Börse Frankfurt Der Dax fällt unter 6.000 Punkte

Vorbörslich setzt das deutsche Marktbarometer seine rasante Talfahrt fort. Der Dax dürfte auf Sicht ein Spielball der Politik bleiben. Der Ölpreis fällt deutlich und liegt so tief wie seit Anfang 2011 nicht mehr.

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Der Dax am Freitag: Da lag er noch über 6.000 Punkten. Quelle: Reuters

Frankfurt Der Dax stürzt weiter ab. Vorbörslich liegt das Marktbarometer deutlich unter 6.000 Punkten. Die schönen Gewinne dieses Jahres sind damit weg. Am Freitag war der Index um fast 3,5 Prozent auf 6 050 Punkte.

Die Vorgaben aus Asien sind schlecht. Der Nikkei-Index fällt am Morgen auf ein Jahrestief und liegt nur noch wenige hundert Punkte entfernt von seinen historischen Tiefständen aus den Jahren 2009 und 2003.

Dass der Dax noch vor zwei Monaten über der Marke von 7 000 Punkten lag, erscheint heute angesichts der verheerenden Probleme in vielen Ländern Südeuropas fast wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Trotz der Verluste sind die aktuellen Kurse vielen Experten noch nicht günstig genug: "Angesichts der Risiken ist es zu früh, um schon wieder Aktien zu kaufen", sagt Joost van Leenders von BNP Paribas Investment Partners. Er verwies auf den krisengeschüttelten spanischen Bankensektor mit dem Sorgenkind Bankia, das mehr Geld braucht, als selbst Pessimisten befürchtet hatten.

Zeitweise stieg die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen am Freitag bis auf 6,58 Prozent, 0,13 Prozentpunkte mehr als am Donnerstag. Auch Italien geriet in den Sog. Dort stieg die Rendite wieder nahe an die Marke von sechs Prozent. Als allerdings am Freitag nachmittag die schlechten Daten aus den USA kamen, gaben die Renditen auch in Spanien und Italien nach und schlossen unter Vortagsniveau.

Die Flucht der Anleger in sichere Häfen drückte die Rendite zehnjähriger Bundespapiere auf 1,17 Prozent. Auch die zehnjährigen US-Anleihen markierten wegen der Konjunktursorgen ein Rendite-Rekordtief bei 1,45 Prozent.

Für den Aktienmarkt bedeuten diese nach wie vor politischen Börsen wenig Hoffnung auf Besserung. "Auf kürzere Sicht sollten die Aktienmärkte in der Euro-Zone in schwierigem Fahrwasser bleiben", heißt es im Wochenausblick der Landesbank Berlin. Daran können die gelisteten Unternehmen auch selbst wenig tun. Die Hauptversammlungen gerade der großen Konzern aus dem Dax sind allesamt vorbei, ebenfalls die Quartalszahlen. Die nächsten kommen hier erst in anderthalb Monaten. Da aus den Unternehmen sonst ebenfalls wenig Überraschendes wie Übernahmen oder Personalrochaden kommt, gleichen deren Aktienkurse im Moment einem Spielball der Politik.

Besonderes Augenmerk gilt deshalb am Mittwoch der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Hier rechnen die Experten zwar nicht mit einer Zinssenkung, erwarten aber in der Rede von Präsident Mario Draghi konkrete Vorschläge, wie man gegen die prekäre Lage in Südeuropa vorgehen will. Seine Worte werden auch entscheidend dafür sein, wie es mit dem Euro weitergehen wird. Dessen Kurs ist seit Ende April massiv gefallen. 1,2349 Dollar mussten nur noch für einen Euro gezahlt werden, einen Monat vorher waren es noch 1,32 Dollar. Schlechtere Arbeitslosendaten als erwartet gab es am Freitag aus der Euro-Zone und den USA. Zu leiden hatte darunter nur der Euro.

Der Ölpreis fällt ebenfalls seit Woche. Ein Fass der Sorte Brent kostet am Morgen nur noch gut 97 Dollar. So tief notierte Öl seit mehr als einem Jahr nicht mehr.


Die Woche an den Märkten

Anleger warten auf die EZB-Sitzung am Mittwoch

Montag

Die Woche beginnt mit den Erzeugerpreisen in der Euro-Zone im April. Aus den USA kommen am Nachmittag die Industrieaufträge ebenfalls für April. Quartalszahlen kommen von American Semiconductor und Hooker Furniture. Der Biosprithersteller Verbio lädt zur Hauptversammlung.

Dienstag

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie bestimmen das Geschick an den Märkten. Daneben kommen der Einkaufsmanagerindex aus dem Euro-Raum sowie die dortigen Einzelhandelsumsätze. Quartalszahlen liefern American Woodmark und Fuelcell Energy. Zum Aktionärstreffen geladen haben die Postbank, Rücker und Tognum.

Mittwoch

Die Zahlen aus dem produzierenden Gewerbe in Deutschland stehen im Mittelpunkt. Am frühen Nachmittag gibt die EZB ihre Zinsentscheidung bekannt. Aus den USA kommen die Produktivität ohne den Agrarsektor und die Lohnstückkosten

Donnerstag

Die Deutsche Börse hat am Feiertag Fronleichnam zwar geöffnet, interessant ist das eher für Anleger aus Nord- und Ostdeutschland, die ihn nicht begehen. Im Fokus steht der Zinsentscheid der Bank of England.

Freitag

Japans Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal, Deutschlands Handelsbilanzsaldo im April und die britischen Erzeugerpreise im Mai bestimmen den Handel. Hauptversammlungen finden bei Geratherm, Teles und VTG statt. Wegen des Brückentags in vielen Teilen Deutschlands werden die Börsenumsätze gering ausfallen.

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