Börse Frankfurt Deutsche-Bank-Aktie rutscht unter 10-Euro-Marke

Die Lage von Deutschlands größter Bank beunruhigt die Finanzmärkte. Zum Handelsstart brachen die Papiere um mehr als acht Prozent ein und zogen den Dax nach unten.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel Quelle: AP
Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998. Quelle: dpa Picture-Alliance
Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London. Quelle: REUTERS
Die Folgen der Immobilienkrise Quelle: dpa
Schwaches KerngeschäftNach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt. Quelle: dpa
Riskante Finanzierung Quelle: dpa
Wenig Reserven Quelle: dpa

Die erneute Talfahrt der Deutschen Bank hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag in Unruhe versetzt. Der Dax fiel zur Eröffnung um 1,73 Prozent auf 10.225,92 Punkte. Die Titel der Deutschen Bank brachen sogar um rund acht Prozent ein und notierten unter der psychologisch wichtigen Marke von zehn Euro auf 9,99 Euro. In ihrem Sog büßte der Index für die Banken der Euro-Zone 3,5 Prozent ein.

Die Verunsicherung der Anleger über die Zukunft der Deutschen Bank spiegelt sich am Markt für Credit Default Swaps (CDS) wider. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets von Anleihen des Geldhauses gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 21.000 auf 255.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit am Freitag mit.

Die Sorge hat die Märkte erfasst, dass wichtige Geschäftspartner das Vertrauen in die Deutsche Bank verlieren könnten. Das Gespenst einer Bankenkrise geht um, was auf die gesamten Märkte abstrahlt. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat die Mitarbeiter des Instituts dazu aufgerufen, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren. "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", schrieb Cryan in einem Brief an die rund 100.000 Beschäftigten, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag.

Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwächen wollten. "Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst." Die Deutsche Bank verfüge über ein starkes Fundament, erklärte Cryan. "Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau im Plan." Die Markt- und Kreditrisiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute."

Mit Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Euro haben die Bank "einen überaus komfortablen Puffer." Berichte, dass einige Hedgefonds-Kunden das Institut verlassen hätten, sorgten zu Unrecht für Unruhe. Insgesamt habe die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden.

"Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen", schrieb Cryan.

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach etwa zehn Hedgefonds Positionen bei der Deutschen Bank aufgelöst haben, hatte die aktuellen Turbulenzen ausgelöst. Dazu zählten der 34 Milliarden Dollar schwere Fonds Millennium Partners, Rokos Capital Management (vier Milliarden Dollar) und Papula Investments (14 Milliarden Dollar), schreibt der Finanzinformationsdienst mit Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Fonds hätten Derivatepositionen bei der Bank aufgelöst, nachdem in den vergangenen Tagen die Aktie der Bank heftig unter Druck geraten war und eine Diskussion über mögliche Staatshilfe für das Institut entbrannt war – die Bank und die Bundesregierung dementierten, dass es solche Überlegungen gäbe.

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