WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Börse Frankfurt Fed-Entscheid sorgt für Kursgewinne

Die US-Notenbank will die Geldflut langsam eindämmen. Diese Ankündigung treibt die Kurse an den Aktienmärkten weltweit wieder hoch. Auch den Dax beflügelt die Nachricht. Verlierer der Fed-Ankündigung sind Gold-Anleger.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Feierstimmung am deutschen Aktienmarkt. Die US-Notenbank hat Klarheit geschaffen. Quelle: dpa

Die US-Notenbank beschert den Aktienmärkten kurz vor Jahresschluss noch einen weiteren Schub. Schon die US-Börsen hatten mit Erleichterung auf die Ankündigung reagiert, dass die Geldflut eingedämmt werden soll. Die Wall Street beendete den Handel auf Rekordständen. Später schloss der Aktienmarkt in Tokio auf dem höchsten Niveau seit sechs Jahren. Und auch beim Dax zeigt die Kurve nach oben. Am späten Vormittag klettert er um 1,37 Prozent auf 9307 Punkte.
Auch die zweite Reihe legt zu: Der MDax steigt um 0,83 Prozent auf 16.286 Punkte nach oben, der TecDax gewinnt 1,06 Prozent auf 1155 Zähler. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone legt 1,46 Prozent zu. „Für die Finanzmärkte ist entscheidend, dass die Katze aus dem Sack ist“, sagte Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank.

Das sagen Ökonomen zur Fed-Entscheidung


Die Fed gab am Mittwochabend den seit langem erwarteten Startschuss zur Rückführung ihrer massiven Wertpapierkäufe. Marktbeobachter äußerten sich erfreut, dass nun nach monatelangen Spekulationen endlich Klarheit herrsche. Der Euro stieg zunächst deutlich über 1,37 Dollar, fiel dann aber wieder unter diese Marke.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft kaufte die Fed bislang jeden Monat Wertpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf - was auch die Aktienmärkte immer weiter nach oben getrieben hat. Ab Januar sollen es nur noch 75 Milliarden Dollar sein, wie der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke auf seiner letzten großen Pressekonferenz mitteilte.

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS


Viele Börsianer hatten damit gerechnet, dass erst Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen Anfang kommenden Jahres eine Drosselung ankündigen wird. Allerdings deuteten zuletzt starke Konjunkturdaten darauf hin, dass die Fed ihr Tempo anziehen könnte. Auf die Klarheit reagierte die Akteure mit Käufen - zuerst in Amerika, später dann in Fernost und Europa.
Stützend auf die Märkte wirkte sich auch aus, dass der US-Senat den Haushaltskompromiss gebilligt hat. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit der USA dürfte für die kommenden zwei Jahre gebannt sein - und auch der die Wirtschaft lähmende Dauerstreit zwischen den Parteien. Das Repräsentantenhaus hatte bereits für den Entwurf von Demokraten und Republikanern gestimmt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%