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Börse Frankfurt Sorgenkinder plötzlich an der Dax-Spitze

Die Zinsentscheidung der US-Notenbank gibt dem Dax einen spürbaren Schub. Die Anleger zeigen sich gut gelaunt – alle 30 Titel notierten auch am Nachmittag im Plus. Nun richtet sich der Blick der Investoren auf die EZB.

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Quelle: dpa

Sichtlich erleichtert reagieren die Anleger am Donnerstag auf die unverändert lockere Geldpolitik in den USA. Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed, den Leitzins weiter auf niedrigem Niveau zu halten, sorgt für einen spürbaren Kaufrausch.

Alle 30 Dax-Werte notierten fast den gesamten Handelsverlauf im Plus. Der Leitindex verzeichnete bereits am Nachmittag einen Zuwachs von rund 2,2 Prozent auf 10.668 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte ebenfalls 2,5 Prozent zu auf 3055 Zähler, der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen zwei Prozent auf 21.664 Punkte. Der TecDax rückte um 1,5 Prozent auf 1800 Punkte vor.

An die Dax-Spitze setzten sich die Sorgenkinder der vergangenen Monate: Die Versorger Eon und RWE sowie die Deutsche Bank kratzten am späten Nachmittag weiter an der Vier-Prozent-Marke. Zehn der 30 Werte notierten mindestens drei Prozent höher als noch am Vortag. Bayer gab im Handelsverlauf einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

ls Tempo-Beschleuniger kamen die Kursgewinne von der Wall Street hinzu, die nach dem Fed-Entscheid deutlich zugelegt hatte. Der Leitindex Dow Jones schloss knapp ein Prozent höher, während der Dollar zum Euro leicht nachgab. Die wichtigen Börsen in Japan konnten wegen eines Feiertags keine Signale Richtung Europa senden, der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte jedoch 1,3 Prozent zu.

Die Vorzeichen stehen gut, dass der Dax sein Plus über den gesamten Handelstag halten kann. Bereits am Vortag – als schon die japanische Notenbank eine Fortsetzung ihrer lockeren Geldpolitik angekündigt hatte – zeigte der Dax eine gute Performance. Die ordentlichen Gewinne konnte er allerdings nicht über die Ziellinie retten – er schloss letztlich auf seinem Tagestief.

Dax startet nach Fed-Zinsentscheidung im Plus

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Europäische Zentralbank. Sie werden die Aussagen des EZB-Chefs Mario Draghi und der Direktorin Sabine Lautenschläger bei der Jahreskonferenz des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken auf mögliche Signale für eine weitere Lockerung der Geldpolitik abklopfen. Das Stimmungsbarometer der europäischen Verbraucher werden sie unter diesem Gesichtspunkt ebenfalls genau unter die Lupe nehmen.

Für Aufsehen sorgte Südzucker: Die im MDax notierten Aktien des Zucker-Produzenten stiegen nach einer optimistischeren Gewinnziele zunächst auf ein Drei-Jahres-Hoch von 25,15 Euro, rutschten dann aber zeitweise knapp fünf Prozent ins Minus. „Im Vergleich zu ihrem Tief vom Februar haben die Aktien ihren Kurs fast verdoppelt“, sagte ein Börsianer. Daher hätten einige Investoren die erwartete Prognoseanhebung für Gewinnmitnahmen genutzt. Zur Mittagszeit verzeichnete Südzucker ein Minus von anderthalb Prozent.

EdF schraubte dagegen seine Vorhersagen zurück. Außerdem benotet die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des französischen Versorgers nur noch mit „A-“ statt „A“. EDF-Aktien verloren in Paris bis zu 3,5 Prozent.

Fed hatte mit Entscheidung gerungen

Die Währungshüter in den USA hatten am Vorabend den Leitzins wie erwartet unverändert auf sehr niedrigem Niveau belassen. Damit ließ die Fed die Zinsen das sechste Mal in Folge unangetastet. Die US-Notenbanker hatten erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Dezember 2015 ihren Leitzins wieder etwas angehoben

Am Markt wird nun mit einem weiteren Zinsschritt im Dezember gerechnet – also genau ein Jahr nach der ersten Anhebung und wenn die US-Präsidentschaftswahl gelaufen ist. Fed-Chefin Yellen betonte jedoch, dass auch das wenige Tage vor der Wahl im November anberaumte nächste Fed-Treffen eine Entscheidung bringen könne. Die Beratungen der Zentralbank würden nicht von politischen Überlegungen beeinflusst.

Bei der Entscheidung sei auffällig, dass drei führende Zentralbanker für eine sofortige Anhebung votiert hätten, betonte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. „Zu ihnen gehört sogar Eric Rosengren, der immer für eine expansivere Geldpolitik eintrat. Eigentlich wäre das für den Markt ein klarer Hinweis, dass eine Zinserhöhung unmittelbar bevorsteht.“ Dass Investoren die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt im Dezember bei lediglich 60 Prozent sähen, sei ein Signal für die schwindende Glaubwürdigkeit der Fed.

Die Notenbank zeichnete in ihrem Begleittext zum Zinsentscheid ein relativ positives Bild der US-Konjunktur. Der Arbeitsmarkt habe sich kontinuierlich verbessert und auch die Wirtschaft ziehe an. Doch bei der Inflationsrate ist die Fed noch immer ein gutes Stück von der angestrebten Teuerungsrate von zwei Prozent entfernt. Dies sei beim Zinsentscheid mit ins Kalkül genommen worden, betonte Yellen. Die Notenbank sei weiter bestrebt, ihr Inflationsziel zu erreichen.

„Wir sehen uns in unserer Ansicht bestärkt, dass es noch 2016 eine Zinserhöhung geben wird“, sagt Stefan Kreuzkamp, der oberste Anlagechef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Nächstes Jahr könnten noch ein bis zwei weitere Schritte folgen.

Eine Serie schwächerer Konjunkturdaten, die maue Weltwirtschaft und die lange Zeit hartnäckig niedrige Inflation hielt die Fed dieses Jahr jedoch bislang von einer geldpolitischen Straffung ab. Die Währungshüter blicken vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben (PCE), womit Energie- und Nahrungsmittelkosten außen vor bleiben. Dieser Wert lag zuletzt mit 1,6 Prozent noch unter dem Zielwert.

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