WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Börse für Einsteiger – Teil 1 Warum Vermögensaufbau mit Aktien?

Aktien haben für Privatanleger beim Vermögensaufbau trotz der Verlustrisiken viele Vorteile und Chancen. Quelle: Illustration

Vor Aktien schrecken viele Deutsche zurück. Wer aber sein Vermögen langfristig vermehren möchte, kommt kaum darum herum. Warum Angst vor dem Investieren unnötig ist – und wie es geht, zeigen wir in unserer neuen Serie.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Viele Sparer in Deutschland machen aus Angst einen großen Bogen um die Börse. Das muss nicht sein, denn Börsengeschäfte sind gar nicht so kompliziert und bieten in Zeiten von Nullzinsen die besten Renditechancen. Karl Balz, Experte in der Anlegerschutz- und Investmentfirmen-Gruppe der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, legt selbst seit 20 Jahren an der Börse an und kennt die Irrtümer und Fallstricke. In seinem Börsen-1x1 für Privatanleger erklärt er leicht verständlich, was Sparer bei ihren ersten Schritten an der Börse wissen müssen und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Sein Anlegerleitfaden erscheint in acht Teilen auf wiwo.de - und ist für Abonnenten hier auch vollständig als Dossier abrufbar.

Was will ich mit dem Anleger-Guide erreichen?

Diese Serie soll keine wissenschaftliche Ausarbeitung, sondern ein Leitfaden für den langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien, Anleihen und Wertpapierfonds sein. (Hier als Dossier herunterladen) Ich richte mich an den relativ unerfahrenen Anleger, der sich bislang vor allem auf den Rat seines Anlageberaters verlassen hat. Ziel ist es, Dir durch ein paar einfache Erkenntnisse Geld zu sparen und so Deinen Investmenterfolg zu steigern. Die Darstellungen und Erklärungen verzichten bewusst auf Fachjargon und sollen auch für den Laien leicht verständlich sein.

Die Grundsatzentscheidung, ob Du überhaupt und welchen Teil Deines Vermögens Du in Wertpapiere investieren willst, sollte bereits erfolgt sein. Ich werde Dir nicht sagen, wie viel von Deinem Vermögen Du in Aktien, Anleihen oder andere Anlageklassen investieren sollst. Das hängt viel zu sehr von Deinen individuellen Verhältnissen und Anlagezielen ab. Verraten will ich allerdings, dass sich in der Vergangenheit mit Aktien die besten Anlageerfolge erzielen ließen.

Nicht behandelt werden in dieser Serie Investitionen in:

Eigenheime
Ob es sich lohnt und ob der Kauf eines Eigenheims eine gute Investition und gute Altersvorsorge ist, ist Glaubensfrage. Ich habe viele italienische und englische Kollegen, die diese Frage klar bejahen würden. Für einen Italiener oder Engländer gehört das Wohnen in den eigenen vier Wänden einfach zum guten Ton.

Zuzugeben ist, dass aufgrund der stark gestiegenen Immobilienpreise auch in Deutschland viele Eigentümer von Wohnungen und Häusern in vielen Regionen recht ordentliche Gewinne erzielt haben. Das insbesondere, wenn die Immobilie nicht ausschließlich mit eigenem Geld, sondern auch mit Bankdarlehen finanziert wurde.

Beispiel Kreditfinanzierter Kauf einer Wohnung

Anschaffungspreis: 300.000 Euro
Eigenes Geld: 150.000 Euro
Bankdarlehen: 150.000 Euro
Wertanstieg seit Erwerb: 150.000 Euro

Wenn man die Zinszahlungen, die sich augenblicklich auf historisch niedrigem Niveau befinden, außer Acht lässt, hat der Wohnungskäufer in diesem Beispiel 100 Prozent Gewinn auf sein eigenes eingesetztes Geld erzielt, obwohl die Wohnung im Wert nur um 50 Prozent gestiegen ist. Das ist der Effekt von Fremdfinanzierung oder Leverage, wie es in der Fachwelt heißt.

Trotzdem bin ich kein Fan von Immobilien (nicht von eigengenutzten und noch weniger von Vermietungsobjekten). Erstens machen sie viel Arbeit. Zweitens möchte ich keine Schulden haben, ohne die ein Immobilienerwerb aber nur selten möglich ist. Drittens möchte ich mich nicht geografisch binden. Viertens scheue ich die hohen Erwerbskosten. Makler- und Notarkosten, Grunderwerbssteuer und andere mit dem Immobilienkauf zusammenhängende Kosten können sich leicht auf 15 Prozent des Wertes der Immobilie belaufen, sodass man am Tag 1 erst einmal ordentlich unter Wasser ist und sein Vermögen mit Blick auf diese Anlage erst einmal um 15 Prozent geschmälert hat.

Auf der Plus-Seite steht, dass Immobilien in Deutschland steuerlich privilegiert sind. Zehn Jahre nach dem Erwerb können Gewinne bei der Veräußerung steuerfrei eingestrichen werden, was bei Kapitalanlagen nicht der Fall ist.

Ich selbst habe in meinem Leben jedenfalls noch keine Immobilie erworben.

Letztlich bleibt es dabei: Das Thema Eigenheim ist emotional besetzt, und ich habe weder die Erfahrung noch den Mut, jemandem bei diesem Thema einen Rat zu erteilen.

Versicherungsprodukte

Kranken- und Haftpflichtversicherung sind Pflicht. Alles andere ist optional und hängt von den eigenen Lebensumständen ab. Wenn ich gut verdiene, kein Vermögen, dafür aber vier kleine Kinder habe, empfiehlt sich eine Lebensversicherung, die meine Hinterbliebenen im Todesfall absichert. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung mag im Einzelfall sinnvoll (wenngleich auch nicht billig) sein. Auch hier kann ich keine allgemeingültigen Ratschläge erteilen. Ich selber habe nur eine Kranken- und eine Haftpflichtversicherung.

Abraten möchte ich von Versicherungen, die nicht zur Absicherung bestimmter Risiken, sondern als Vermögensanlage eingegangen werden. Fondssparen im Versicherungsmantel und dergleichen ist vor allem eins: teuer. Das Gleiche gilt für Lebensversicherungen, die nicht mehr steuerlich privilegiert sind und die in der Niedrigzinsphase kaum noch Erträge abwerfen.

Riester

Die Riester-Rente ist letztlich gescheitert. Im Niedrigzinsumfeld hat sie sich nicht bewährt, hier kann sie nicht funktionieren. Einzig wegen der staatlichen Förderung mag sie sich für manche in der Vergangenheit gelohnt haben.

Eines der Kernprobleme der Riester-Rente ist die Kapitalgarantie, die Anbieter von Gesetzes wegen aussprechen müssen. Die Garantie besagt, dass am Ende des Riester-Sparens mindestens das von Dir eingezahlte Geld für die Auszahlung zur Verfügung stehen muss. Das bringt Dir in Anbetracht des Kaufkraftverlusts (Inflation) aber letztlich wenig. Angenommen, Du hast 50.000 Euro über die Jahre eingezahlt und bekommst diese in 30 Jahren zurück, dann sind diese selbst bei der derzeit niedrigen Inflation dann deutlich weniger wert. Verloren hast Du also eh.

Warum vor allem Aktien?

Für die Anbieter hat die Garantiezusage aber zur Folge, dass sie – zumindest je mehr sich Dein Riester-Vertrag der Auszahlungsphase nähert – sehr risikolos anlegen müssen. Das heißt, dass sie vor allem in sichere Anleihen von zahlungskräftigen Schuldnern investieren müssen. Das wiederum bedeutet, dass die Anbieter für Dich in der derzeitigen Niedrigzinsphase keinen Ertrag erwirtschaften können. Wer nur in Bundesanleihen und Unternehmen bester Qualität investiert, verdient mit Anleihen zurzeit keine Zinsen.

Hinzu kommt, dass die Anbieter für Riester-Produkte in der Regel recht heftige Gebühren nehmen, die Deinen Spar- und Investmenterfolg weiter schmälern.

Falls Du schon einen Riester-Vertrag hast, kannst Du ihn weiterlaufen lassen. Einen neuen Riester-Vertrag würde ich derzeit nicht eingehen. Warte lieber erst einmal ab, was bei den Reformbestrebungen der Riester-Rente herauskommt. Im Koalitionsvertrag steht, dass Riester in dieser Legislaturperiode reformiert werden soll.

Vermögenswirksame Leistungen
Wer die Anforderungen für Vermögenswirksame Leistungen erfüllt, sollte diese annehmen. Denn bei den Vermögenswirksamen Leistungen handelt es sich um ein Geschenk Deines Arbeitgebers. Auch hier solltest Du aber darauf achten, dass die Anlage, die Du wählst (beispielsweise ein Aktienfonds), nicht zu hohe Kosten verursacht. Denn die schlagen – insbesondere bei langfristiger Betrachtung – kräftig zu Buche.

Zertifikate
Zertifikate (1:1 Delta, Knock-out, Bonus und wie sie nicht alle heißen) sind zwar Wertpapiere (genau genommen Anleihen) und fallen als solche grundsätzlich in die Thematik dieser Serie.

Zertifikate sind meines Erachtens aber überflüssig wie ein Kropf. Kein Mensch und schon gar kein langfristig orientierter Anleger braucht sie. Im Gegenteil, sie sind teuer (und werden Dir deshalb gerne von Deinem Bankberater angeboten, der damit gut verdient), kaum zu verstehen (wo genau muss der Dax jetzt stehen, damit ich wie viel verdiene?) und aus meiner Sicht schlichtweg keine seriöse Geldanlage. Hinzu kommt das Ausfallrisiko des Emittenten, also des Geldhauses, das das Zertifikat emittiert und das nicht die Bank sein muss, die Dir das Zertifikat verkauft. Denk nur an (oder google mal) Lehman-Zertifikate in der Finanzkrise und behalte im Hinterkopf, dass Zertifikate Anleihen sind. Du leihst also jemandem Geld und bekommst es nur zurück, wenn der Anbieter noch zahlungsfähig ist. Am besten wäre es allerdings, wenn Du Zertifikate ein für alle Mal vergisst und jedem, der Dir eines verkaufen will, sofort eine kategorische Absage erteilst (freundlich – der arme Bankberater steht unter Verkaufsdruck!).

Auswahl einzelner Aktien

Es geht schließlich auch nicht um die Kunst der Auswahl einzelner Aktien (das sogenannte Stock Picking) oder Anleihen. Dafür ist eine Expertise erforderlich, die die meisten Privatanleger nicht haben und auch nicht erwerben werden. Hinzu kommt, dass das Stock Picking oft genug schief geht und es nur wenigen Menschen gelingt, dauerhaft und wiederholt die richtigen Titel auszuwählen. Selbst Profis liegen regelmäßig daneben.


Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


Abgasskandal

Peinliche Panne für Daimlers Großkanzlei


Wegen fehlender Finanzberichte

Wirecard: Bundesamt für Justiz leitet Ordnungsgeldverfahren ein


Nach Shortseller-Attacke

Wolfgang Grenkes schwacher Verteidigungsversuch


Mehr WiWo-Artikel finden Sie hier



Worum geht es dann?

Mir geht es darum, Dir ein paar einfache Erkenntnisse zu vermitteln und mit auf den Weg zu geben, die Dir helfen, Dein Geld sinnvoll anzulegen und zu vermehren. Mein Ziel ist es, dass Du am Ende Deines Investmentlebens mehr Geld hast, als Du hättest, wenn Du diesen Beitrag nicht gelesen hättest. Dabei geht es mir um Erkenntnisse und Tipps, die sich nahezu zwingend positiv auf Deinen Investmenterfolg auswirken werden. Kein Mensch (jedenfalls nicht ich) kann sagen, ob Daimler, BMW oder Tesla in zehn Jahren in der Rückschau die bessere Anlage war. Ebenso weiß keiner, ob sich China oder Indien besser entwickeln und bessere Investmenterträge abwerfen wird. Dass Du am Ende aber deutlich (!) mehr Geld hast, wenn Du (i) günstige Anlageprodukte teuren vorziehst und (ii) ein wenig auf die steuerlichen Konsequenzen Deiner Anlageentscheidungen achtest, ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Es geht also um Dinge, die Du leicht und ohne großes Finanzwissen zu Deinen Gunsten beeinflussen kannst.

Mehr zum Thema
Teil 2 unserer Serie für Börseneinsteiger befasst sich mit einem elementaren Mechanismus der Vermögensanlage: dem Zinsenzinseffekt - und seinem gefährlichsten Gegenspieler. Was Anleger über die Wirkung von Renditen und Gebühren wissen sollten.
Alle Lektionen des Anlegerleitfadens können Abonnenten ohne Zusatzkosten gebündelt als Dossier abrufen. Hier geht es zum Börsen-1x1 für Privatanleger.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%