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Börse Ökostrom-Aktien mit Überlebenschancen

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Mehr Privatkunden sollen begeistert werden

Solarworld wirbt mit Lukas Podolski Quelle: Pressebild

Solon ist das bisher prominenteste Opfer der Branche. Es werden weitere Insolvenzen folgen. Denn die Umsätze und Gewinnmargen sind fast in allen Unternehmen der Branche unter Druck. Mit der Fußballwerbung greifen sie nach dem letzten Strohhalm: Mehr Privatkunden sollen für Solaranlagen begeistert werden. Die zahlungskräftigen Großabnehmer wie Solarparks und geschlossene Fonds halten sich zurück; zu sehr verunsichert sie die anhaltende politische Debatte über weitere Subventionskürzungen. Noch-Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) drängt auf eine stärkere Kürzung; Stand heute soll die Einspeisevergütung für Solarstrom um 15 Prozent von 2011 auf 2012 sinken.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist gegen noch schnellere Kürzungen, er fürchtet, dass der Export- und Zukunftsbranche sonst kurz vor dem globalen Durchbruch das Wasser abgegraben wird. Wie auch immer der Streit ausgeht, „die politische Unsicherheit verschreckt Großanleger, vor allem Risikokapitalgeber und Finanzinvestoren, die sich massenhaft aus der Branche verabschieden und anderen High-Tech-Bereichen zuwenden“, sagt der Solarmarktforscher Wolfgang Hummel.

Banken halten sich bedeckt

Zudem halten sich in der aktuellen Schuldenkrise die Banken bedeckt, wenn Großprojekte wie Offshore-Wind- oder Solargroßparks finanziert werden sollen. Auch Fonds wollen raus aus der Branche, „viele schichten radikal um in andere Technologieaktien, etwa Software; der Abgabedruck bei den Wind- und Solarwerten ist nach wie vor enorm“, beobachtet Sebastian Zank von Silvia Quandt Research.

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    Ihr größtes Problem hat sich die Branche selbst geschaffen: enorme Überkapazitäten. Angelockt durch die hohen Subventionen in vielen Staaten haben die Modulhersteller in den vergangenen Jahren in neue Fabriken investiert. Laut Studien der Bank Sarasin stehen dadurch weltweit einer Nachfrage nach 21 Gigawatt Leistung Produktionskapazitäten von 50 Gigawatt gegenüber. Die Fabriken sind im Schnitt nur zu rund 50 Prozent ausgelastet, heißt es in der Studie. Bis zu 40 Prozent des Bedarfs von 2012 liegen zudem bereits fertig in Vertriebskanälen der Hersteller.

    Überkapazitäten treiben Kosten

    Die Überkapazitäten binden Kapital und treiben die Kosten – ein Phänomen, das aus der eng verwandten Chipbranche mit ihren riesigen Fabriken bekannt ist. Folge: Die Solarmodulpreise kollabieren; 2009 fiel der Durchschnittspreis in Europa um 35, in Asien um 45 Prozent; 2010 gingen die Preise um 15 Prozent zurück, 2011 beschleunigte sich der Verfall auf 37 Prozent. Der Preisrutsch schmälert nicht nur die Umsätze, er zwingt Hersteller und Verarbeiter auch zu hohen Abschreibungen auf den Wert ihrer Lagerbestände. Im dritten Quartal rutschten viele in die roten Zahlen; sogar Solarworld, das sich als Marken- und Technologieführer sieht, musste erstmals einen Quartalsverlust ausweisen.

    Wo sich so viele negative Nachrichten häufen, sind die Aasgeier der Börse nicht weit: Spekulanten wie Hedgefonds wetten auf fallende Kurse, indem sie sich die Solar- und Windaktien bei Fonds ausborgen und sofort auf den Markt werfen, was den Preisverfall verschärft; später kaufen sie sie billig zurück und streichen die Differenz als Gewinn ein. Bei manchen Solarfirmen seien bis zu 45 Prozent der handelbaren Aktien an Hedgefonds verliehen, haben die Marktforscher von Data Explorers aus London ausgerechnet. Eine enorme Menge; im Durchschnitt aller Branchen sind nur 1,5 Prozent der deutschen Aktien an Shortseller verliehen. Bei Q-Cells waren im November und Oktober zeitweise 43 Prozent des Streubesitzes im Besitz der Leerverkäufer, bei First Solar 22, bei Solarworld 14 und beim Wechselrichter-Bauer SMA rund zehn Prozent.

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