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Börse Ökostrom-Aktien mit Überlebenschancen

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Nicht so düstere Zukunft

Philipp Rösler Quelle: dapd

Die Aktien der Überlebenden der Krise dürften sich aber im Nachhinein als lukrative Investments herausstellen. Langfristig wird die Technik sich durchsetzen. Weltweit sinken, dank höherer Wirkungsgrade und fallender Modulpreise, die Gestehungskosten für Wind- und Solarstrom. Die steigenden Preise für Kohle, Gas und Öl tragen ebenfalls dazu bei, dass Solarstrom immer attraktiver wird.

Grid Parity, das ist aus Sicht der Abnehmer die Kostengleichheit mit dem restlichen Strommix im Netz (Kohle, Gas, Atom, Wind, Wasserkraft), wird schneller erreicht werden als noch vor wenigen Jahren erhofft; im Sonnengürtel der Erde, von Brasilien über Nordafrika und Arabien bis Indien, ist sie teilweise bald Realität. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Energiearten dürfte der Nachfrage nach Solarmodulen einen enormen Schub geben. „Man darf Grid Parity zwar nicht überschätzen; selbst in den Schwellenländern boomt die Solarindustrie zunächst mal nur dort, wo die staatlichen Subventionen am höchsten sind“, sagt Hummel, „langfristig wird sie aber der Solarenergie zu einem höheren Anteil am Strommix verhelfen.“

Indien und China investieren

Während Finanzierungsprobleme und politischer Gegenwind die Solarenergie in Europa bremsen und in den kommenden Jahren bestenfalls eine Stagnation des Neuzubaus zu erwarten ist, drücken viele Länder außerhalb Europas beim Ausbau auf die Tube. So will laut Sarasin-Studien Japan von 2010 bis 2015 im Schnitt jährlich 30 Prozent Solarkapazitäten zubauen, die USA 61 Prozent und China 58; Spitzenreiter ist Indien, das seine Solarstromkapazität bis 2015 pro Jahr im Schnitt um 101 Prozent steigern wird. Global wird die Solarenergie um 20 Prozent pro Jahr wachsen.

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    „Die Fotovoltaik straft mit ihrer rasanten technischen Entwicklung ihre Kritiker immer wieder Lügen“, sagt Sarasin-Analyst Matthias Fawer, „sie hat in den vergangenen Jahren die mit Abstand steilste Kostensenkungskurve aller Energieformen hingelegt.“ Noch vor 15 Jahren galt sie als nicht massentauglich, vor fünf Jahren dachte man, sie müsse noch 30 Jahre lang subventioniert werden, jetzt wird über Grid Parity in vielen Ländern ab 2014 nachgedacht.

    Wer kann profitieren?

    Die Frage aus Anlegersicht ist jedoch, wer davon noch profitieren kann. Nicht alle Hersteller werden bis dahin durchhalten. Neben Solon sind auch drei US-Hersteller – Evergreen Solar, Solyndra und Spectrawatt – sowie einige Dutzend nicht börsennotierte chinesische Produzenten 2011 pleitegegangen. Weitere Opfer sind unvermeidlich. In den Kursen mancher Anleihen spiegelt sich das deutlich wider. Einige Hersteller haben 2010 und 2011 Anleihen begeben, um sich je mit mehreren Hundert Millionen Euro Fremdkapital zu versorgen. Die Zinskupons von sechs Prozent und mehr pro Jahr schienen Anlegern attraktiv; sie griffen zu und trieben die Kurse der Anleihen zeitweise auf 105 Prozent. Nun sind sie eingebrochen. Ein Schuldschein von Solarworld mit einer Laufzeit bis 2017 etwa notierte zwischenzeitlich bei nur noch 50 Prozent des Ausgabekurses. Anfang Januar trieben plötzlich Gerüchte, der Stromversorger RWE erwäge eine Übernahme Solarworlds, den Kurs nach oben. Beide Seiten dementierten das Übernahmegerücht prompt; dennoch geht die Rally der Solarworld-Anleihe und -Aktie bisher unvermindert weiter. Die Wandelanleihen von Q-Cells hingegen haben sich geviertelt. Viele Marktteilnehmer fürchten, dass die Firmen die Zinsen nicht mehr bis zum Ende der Laufzeit zahlen können, und haben die Bonds verkauft.

    Sarasin-Banker Fawer hat Kriterien aufgelistet, die über Leben und Tod der Hersteller entscheiden werden. Neben einer langfristig tragfähigen Technologie sind

    • finanzielle Substanz
    • Zugang zu Fremd- und Eigenkapital
    • globaler Vertrieb und
    • Fähigkeit zur Großmengen-Produktion dabei essenziell. „Kurzfristig geht es für viele nur darum, dass sie sich genügend Geld verschaffen können, sei es Eigen- oder Fremdkapital zu akzeptablen Zinsen“, sagt Analyst Zank. Weil Banken knausern und Investoren zögern, geht vielen Unternehmen schlicht das Geld aus.
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