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Börse VW und MAN: Vorzugsaktien bevorzugt

Volkswagen will den Lkw-Hersteller MAN schlucken, Aktionäre können Stamm- und Vorzugsaktien tauschen. Warum stimmrechtlose Vorzugsaktien jetzt besser sind als ihr Ruf.

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Ein Arbeiter reinigt einen Lkw Quelle: dpa

Man kann VW-Oberboss Ferdinand Piëch vieles nachsagen, nur eines nicht: dass er keine Geduld habe. Fünf Jahre belauerte er Lkw-Bauer MAN voller Übernahmegelüste, wie die Katze vor dem Mauseloch – diese Woche biss er zu. VW will die Fusion von MAN und Scania, wo VW Großaktionär ist, vorantreiben. Piëch hat die Schwelle von 30 Prozent der MAN-Aktien überschritten, so dass er den MAN-Aktionären nun ein Übernahmeangebot machen muss. Die haben von den lange schwelenden Gerüchten um die Übernahme gut gelebt: Seit VW 2006 Großaktionär bei MAN wurde, hat die Aktie 40 Prozent zugelegt – trotz Finanzkrisen-Crashs.

In aller Ruhe Stücke sammeln

Wer 2008 mutig abgeltungsteuerfrei einstieg, liegt sogar 70 Prozent im Plus. Dass der Kurs der Dax-Papiere kurzfristig weiter abhebt, ist aber unwahrscheinlich: Piëch bietet nur den Durchschnittskurs der letzten drei Monate, wie es das Gesetz vorsieht. Da das Angebot mit 95 Euro unter dem Börsenkurs liegt, werden es nicht viele annehmen. VW kann über die Börse in aller Ruhe Stücke einsammeln, ohne den Kurs zu sehr anzuheizen und ein höheres Angebot machen zu müssen.

Völlig uninteressant erscheinen MAN-Vorzüge – ja richtig, die gab’s auch noch. MAN-Vz. scheinen geradezu typisch für die als Anachronismus verschriene Aktiengattung: Während die Stämme den Dax zieren und dank VW-Übernahme-Geplänkel längst abhoben, hinken die Vorzüge weit hinterher. Piëch braucht sie wegen des fehlenden Stimmrechts nicht, bietet den Vorzugsaktionären denn auch nur 60 Euro – 40 Prozent weniger als für die Stämme. Doch für Anleger, die bereit sind, ein paar Jahre bei der Stange zu bleiben, ist die Vorzugsaktie viel interessanter als die stimmberechtigte Stammaktie.

WirtschaftsWoche-Redakteur Stefan Hajek Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Die Chancen überwiegen die Risiken: Zunächst bekommen Anleger den gleichen Anteil am MAN-Konzern 40 Prozent billiger als mit der Stammaktie; die Dividendenrendite liegt bei 3,6 Prozent, 1,3 Prozentpunkte höher als die der Stämme. Nach unten ist der Kurs durch das VW-Übernahmeangebot abgesichert. Aber nach oben kann was gehen: Von unten aus gesehen – aus Sicht der Vorzugsaktionäre also –, beträgt das Aufholpotenzial auf die Stämme mehr als 50 Prozent. Hinzu kommt, dass man gerade bei Ferdinand Piëch nie weiß, was er im Schilde führt. Nicht wenige Kenner der Branche glauben, dass er seinen Anteil an MAN entgegen anders lautenden Beteuerungen doch irgendwann erheblich ausbauen will.

Vorzugsweise Aufholjagd

Die Stämme wären dann nicht interessanter als die Vorzüge: Kein Investor würde für ein Stimmrecht in einer Firma, in der es einen klaren Mehrheitsaktionär gibt, eine hohe Prämie zahlen; die Kurse würden sich angleichen. Die Börsenhistorie jedenfalls ist voll von Vorzugsaktien, die im Zuge von Übernahmeschlachten doch noch ihren Rückstand auf die Stämme wettmachten – obwohl sie zunächst gering geschätzt wurden, weil sie wegen des fehlenden Stimmrechts angeblich niemand brauche: Wella, WMF, Dyckerhoff – und VW selbst.

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