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Börse Welche Aktien von der Energiewende profitieren

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Anteile der Aktien Quelle: Thomson Reuters, EEX, TBF, Eurostat

Das zweite große Hindernis, das dem Wachstum der Erneuerbaren im Wege steht, ist die industrielle Geografie der meisten Industrie- und Schwellenländer: Wind- und Sonnenstrom entstehen meist nicht dort, wo sie verbraucht werden.So liegen die Zentren der stromhungrigen Industrie Deutschlands (Chemie, Auto und Maschinenbau) vor allem im Süden. Windstrom fällt aber fast nur im Norden an; die größten Produzenten sind Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Mit dem verstärkten Ausbau der sogenannten Offshoretechnik, dem Verlagern der Windkraftwerke auf das offene Meer, wird dieses Missverhältnis noch zementiert.

"Unser Stromnetz ist historisch gewachsen und im Wesentlichen konzentrisch um die großen Kraftwerke angeordnet, um den Strom an die Verbraucher zu verteilen; für das Durchleiten größerer Strommengen von Nord- nach Süd ist es nicht gebaut", so Hermann Wagenhäuser, Vorstand der E.On Bayern und dort zuständig für die Netze. Schätzungen zufolge müssen bis zu 3600 Kilometer neue Hochspannungstrassen gebaut werden, wenn das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der Erneuerbaren am deutschen Strommix bis 2020 zu verdoppeln, erreicht werden soll.

Gigantische Investitionen

Auch ohne den zu erwartenden Ausbau der Erneuerbaren wären bereits hohe Investitionen in die Leitungen nötig. "Das Netz ist weltweit, außer in Teilen Chinas, veraltet und an der Kapazitätsgrenze", sagt Dreide. Er verweist auf die Stromausfälle in heißen US-Sommern, wenn die Netze unter dem Spitzenbedarf der Klimaanlagen regelmäßig zusammenbrechen, oder auf umgeknickte RWE-Masten im Münsterland im Winter 2005. "Jahrzehntelang haben die Versorger weltweit lieber üppige Dividenden ausgeschüttet als in Infrastruktur investiert", so Dreide.

Das könnte sich ändern. In den kommenden 30 Jahren sollen nach Schätzungen unabhängiger Institute allein in Nordamerika umgerechnet 450 Milliarden Euro in Stromnetze investiert werden, in Europa 390 Milliarden Euro. Dreide hält in seinem Fonds größere Positionen an den Kabelherstellern Nexans, Prysmian und General Cable. Zu den größten Profiteuren eines weltweiten Netzausbaus gehört neben Siemens der schwedisch-schweizerische Konzern ABB, der unter anderem Umspannwerke und Transformatoren herstellt.

Denn sie sind ebenso veraltet und zu klein wie die Trassen. Laut US-Energiebehörde sind die Trafo-Bestände der USA im Schnitt 40 Jahre alt und hoffnungslos überfordert; ihre Ausfallrate steigt seit Jahren, in Europa und Japan ist die Situation kaum besser; die meisten Trafos wurden zuletzt in den Siebzigern erneuert. Sollen die Netze nicht nur dem heutigen Bedarf angepasst, sondern auch zukunftsfähig werden, "müssen sie einen Teil der Aufgabe übernehmen, die hohe Volatilität der Erneuerbaren auszugleichen", sagt Plinke von Sarasin.

Technisch ist die Lösung vorhanden: sogenannte Smart Grids, zu Deutsch: intelligente Netze. Vereinfacht gesagt optimieren Smart Grids den Stromverbrauch, indem sie Erzeuger, Speicher, Schaltstellen und Verbraucher miteinander verbinden.

Sie ermitteln mit intelligenten Zählern und Messverfahren Bedarfsspitzen (zum Beispiel Vormittage in der Woche) und Angebotshochs (etwa windreiche Tage) und leiten den Strom entsprechend um. Dadurch kann Grundlaststrom eingespart werden, der bis dato ausschließlich aus Kohle-, Öl- und Atomkraftwerken stammt. Kohle- und Atommeiler können nicht einfach hoch- und heruntergefahren werden.

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