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Börse Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

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Gefährliche Computerspiele

Superschnelle Computer schnappen Anlegern die Aktien weg Quelle: Thomas Fuchs

Ökonomen der US-Universität Yale fanden heraus, dass Kursausschläge mit steigendem Anteil des Hochfrequenzhandels stärker wurden. „Stark ist der Zusammenhang in Zeiten hoher Marktunsicherheit“, schreiben sie. Neue Informationen würden überbewertet. Der Handel, so das Fazit, kann in einem nervösen Marktumfeld die Finanzmarktstabilität gefährden.

Wohin die Reise geht, zeigen die USA: Bis zu 70 Prozent des täglich gehandelten Aktienvolumens bringen Algo-Trader, in Europa sind es je nach Schätzung 40 bis 50 Prozent. Den Löwenanteil des Volumens setzen Hochfrequenzhändler um. Schätzungen über Gewinne im Handel mit hoher Geschwindigkeit gehen bis zu 20 Milliarden Dollar pro Jahr.

Ratlose Regulatoren

Profis lassen ihre Superrechner gegeneinander antreten. Algorithmen suchen auch nach großen Orders anderer Algo-Trader und versuchen, diese zum eigenen Vorteil zu nutzen. „Sind meine Algorithmen nicht gut, werden ich sofort von anderen Algorithmen ausgebeutet“, sagt ein junger Programmierer aus London.

Mithilfe von bei Börsen teuer eingekauften Daten analysieren die Programme Handelsmuster: Kauft alle 100 Millisekunden jemand 50 BMW-Aktien? Dann könnte er eine große Order in viele kleine aufgeteilt haben und weiter kaufen, der Preis müsste also steigen. Der Londoner Berater Bob Giffords kennt seine Pappenheimer: „Jeder Trader weiß von den Spielchen der anderen, beobachtet sie und versucht, den anderen, eine Lektion zu erteilen.“

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    Giffords sieht die Gefahr: „Die Modelle sind nicht für alle Situationen an den Märkten programmiert. Selbst ursprünglich gut gemeinte Algorithmen können durch Fehler oder unerwartete Marktbedingungen toxisch werden und ungeplante Trades ausführen.“ Algorithmen kämen in eine Schleife, wiederholten sich immer und immer wieder und seien nicht mehr zu kontrollieren. „Algo-Trader sind sehr risikoscheu, solche Situationen wollen sie vermeiden, weil sie dann viel Geld verlieren können“, sagt Berater Giffords.

    Kontrollverlust

    Was Kontrollverlust bedeutet, zeigte der Flash Crash vom 6. Mai 2010. Der Leitindex Dow Jones verlor an der Wall Street binnen Minuten neun Prozent. Aktien sausten 90 Prozent und mehr in den Keller, so Papiere des Beratungsunternehmens Accenture. 862 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. Ausgelöst hat das laut US-Aufsicht SEC ein Investor mit einer Verkaufsorder, die über einen fehlerhaften Algorithmus massiven Verkaufsdruck erzeugte. Die schnellen Händler zogen daraufhin mit „aggressiven Verkäufen“ nach und verstärkten den Absturz. Dass eine Order solche Wellen schlagen könne, zeige, wie „fragmentiert und zerbrechlich“ der Markt sei, so die US-Aufseher in einem 100-Seiten-Bericht.

    Die Börsen installieren Notbremsen. „Schwankt ein Preis zu schnell und zu sehr, stoppt der Handel für mindestens zwei Minuten“, sagt Michael Krogmann, bei der Deutschen Börse verantwortlich für das Handelssystem Xetra. Die US-Börsen stoppen jetzt den Handel, wenn der Kurs mehr als zehn Prozent fällt oder steigt. Das allein, so SEC-Chefin Mary Schapiro, reiche jedoch nicht, um dem Hochfrequenzhandel beizukommen.

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