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Börse Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

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Mehr ist weniger

Die SEC glaubt, ein Crash könne jederzeit wieder auftreten, und macht nun international Druck, den Handel zu regulieren. Bart Chilton, US-Terminbörsenaufseher, sprach unlängst in Brüssel bei einem Treffen mit europäischen Aufsehern von Hochfrequenzhändlern als „aggressiven Cheetah-Affen“, denen man gemeinsam mit Europa das Handwerk legen müsse.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier präsentierte bereits im Dezember Vorschläge zu einer Finanzrichtlinie (Mifid), die auch eine Regulierung des Hochfrequenzhandels vorsieht. Barnier denkt laut darüber nach, Mindesthaltezeiten für in Hochgeschwindigkeit georderte Positionen einzuführen, und fordert die Trader auf, Algorithmen offenzulegen. Die britische Aufsicht FSA aber mauert. Die Vorschläge seien nicht praktikabel, monieren hochrangige Mitarbeiter.

Neue Märkte erobern

So hängt die Richtlinie in den Gremien. Eigentlich sollte ein abgestimmter Entwurf im Mai vorliegen, nun ist von Oktober die Rede. Insider vermuten weitere Verzögerung. „Da ist derzeit kein Dampf drauf“, heißt es in Berliner Kreisen. Schuld sei, wie so oft, die europäische Gemengelage: Auf der einen Seite steht London, das seine Finanzindustrie nicht schwächen, auf der anderen Seite Paris, das eine starke Regulierung durchsetzen will. Deutschland sitzt abwartend in der Mitte. Es droht ein langes Tauziehen, das den Händlern Zeit gibt, an neuen Strategien zu arbeiten, die künftige Kontrollen umgehen.

„Vonseiten der Finanzindustrie fehlt ein klares Bekenntnis, dass hier etwas passieren muss“, sagt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel, der den Bereich Finanzmärkte verantwortet. Als ersten Schritt fordert Nagel einen freiwilligen Verhaltenskodex für Hochfrequenzhändler und fügt hinzu: „Da muss jetzt etwas geschehen. Die Regulierer werden auf nationaler und internationaler Ebene die Finanzindustrie in die Pflicht nehmen. Europa sollte dabei mit einer Stimme sprechen.“

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Standort erkennen

    Europa sollte sich beeilen, denn die Szene expandiert. „Wir rechnen immer damit, dass wir überrollt werden“, sagt ein europäischer Aufseher. Allerdings: Weil immer mehr ein Stück vom Kuchen haben wollen, sind „die leichten Tage vorbei, das Geschäft ist weniger profitabel. Mittlerweile überleben nur noch die Besten“, sagt ein Hochfrequenzhändler aus London.

    „Die Top-Liga der Trader investiert binnen drei Jahren 50 Millionen Euro in Technik und Programmierer. Das Geld spielen die Goldmänner und Deutschbanker dieser Welt binnen eines Jahres locker wieder rein“, sagt Harald Murgas, der für IBM großen Handelshäusern Algo-Software liefert. Wer gewinnen will, muss immer mehr Geld in die Hand nehmen. „Es kommt ein Punkt, an dem die zusätzlichen Kosten für viele Marktteilnehmer den zusätzlichen Nutzen nicht mehr decken – die ökonomische Grenze greift im Technologierennen der Algo-Trader viel früher als die physikalische Grenze, die theoretisch in der Lichtgeschwindigkeit liegt“, sagt Betriebswirtschafts-Professor Peter Gomber von der Universität Frankfurt, der Xetra mitentwickelte.

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