WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Börse Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

Seite 4/5

Rasantes Wachstum

Die Fortschritte sind gewaltig: 2006 brauchte die Deutsche Börse noch 21 Millisekunden für einen Roundtrip (Eingang der Order, Verarbeitung in Xetra, Bestätigung), heute sind es nur noch 0,55 Millisekunden. Zwischen London und Frankfurt liegt bereits ein Glasfaserkabel zur Datenübertragung, ein schnelleres gibt es nicht. Die Daten überwinden die 861 Kabelkilometer in 4,22 Millisekunden. „Um schneller zu werden, überlegen wir, wo wir noch ein paar Meter Kabel abschneiden können“, sagt Tony Moulange, der für den Server- und Datenleitungsanbieter Colt weltweit Algo-Händler betreut.

Geld brauchen die Händler vor allem, um ihre Rechner und Leitungen aufzurüsten. „Der Handel per se ist nicht kapitalintensiv“, sagt Fred Pedersen vom Züricher Hochfrequenzhändler Vincorex. Schon mit 1000 Euro könne er 300 Millionen an der Börse bewegen.

Wettrüsten der Banken

Die Investmentbanken betreiben jetzt schon „Ultra-Hochfrequenzhandel“. Ihre Werkzeuge, teure Hochleistungscomputer, entwickelt Evgueny Khartchenko in einem geheimen Labor bei London.

Für rund 40 Kunden, darunter „einige der Top-Investmentbanken dieser Welt“, puzzelt der Technikchef des eigensfür -Algo-Trader eingerichteten Intel -„Faster Lab“ Hard- und Softwarelösungen zu-sammen. Khartchenko baut Intel--Prozessoren ein, die noch nicht auf dem Markt sind, testet, welche Kombina-tion am schnellsten arbeitet. „In den nächsten ein bis zwei -Jahren sehe ich weitere Evolutionsschritte in der Computerleistung, aber keine Revolution.“ Chipgigant Intel beherbergt im Faster Lab die nächste Generation jener Maschinen, die sich auf den Märkten schneller gegen die Orders derjenigen durchsetzen sollen, die nicht Millionen investieren können. Alles ist abgeriegelt, wenn Khartchenko zu seinem Arbeitsplatz will, passiert er mehrere Sicherheitsschleusen. Nur wenige Intel-Mitarbeiter haben Zugang zum Labor.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Auch die Rechencenter rüsten auf: Colt schafft in London Platz für Trader, die künftig direkt aus dem Herz des Datenzentrums Preise von verschiedenen Börsen abfragen. Bislang sammelten sie Daten separat, um Preisunterschiede zu finden und daran zu verdienen. Das ändert sich: „Die Investmentbanker sitzen bald wie Spinnen in der Mitte des Netzes und sammeln Preisdaten direkt da, wo die Fäden aus allen Märkten zusammenlaufen. So können sie künftig zeitgleich Orders an verschiedene Märkte schicken und dort zuschlagen“, sagt Moulange.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%