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Börse Welche Chancen der Computerhandel Anlegern bringt

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Zwischen gut und böse

Wer das meiste Geld in Technik investiert, ist stärker als andere Händler Quelle: Thomas Fuchs

Algorithmen per se sind nichts Verwerfliches. Die Deutsche Bank etwa entwickelte einen, der für Kundenorders nach liquiden Märkten sucht. Algorithmen schießen kleinste Kauf- oder Verkaufsaufträge in die Systeme und erkunden so, ob es einen Handelspartner gibt.

So wollen Banken auch Privatkunden helfen, den besten Preis zu finden. Die Commerzbank wiederum sichert eigene Risiken aus mehr als 100 000 Produkten wie Zertifikaten per Algorithmus ab. Menschen können das nicht mehr leisten, also entscheidet der Computer.

Und: „Algo-Trader tragen zur Liquidität der Märkte bei, da sie permanent kaufen und verkaufen“, sagt die Münchner Kapitalmarktexpertin Susanne Klöß. Im letzten Jahrzehnt sanken Transaktionskosten an den Börsen um 33 Prozent – auch, weil Algo-Trader die Spanne zwischen An- und Verkaufspreisen verringerten.

Anleihemärkte im Visier

Davon profitieren auch Privatanleger. Aber: „Die Liquidität, die Algo-Trader zur Verfügung stellen, kann genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen ist“, warnt Experte Steinbach. Und Private bekommen, wenn Algo-Trader Kurse verzerren, ihre Aktien womöglich ein paar Cent teurer. Oder vereinbarte Stop-Loss-Limits, bei denen die Bank Papiere an einer zuvor festgelegten Preisschwelle automatisch verkauft, werden an schwankungsintensiven Tagen gerissen. Obwohl sich die Kurse schnell beruhigen, sind die Aktien dann aus dem Depot geflogen. „Amateure haben in dem schnellen Geschäft keine Chance, denn sie traden gegen eine Horde sehr cleverer Leute, und wenn sie das Spiel gewinnen, ist das pures Glück“, sagt Pedersen.

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    Keine Handelsstrategie aber, und mag sie noch so ausgefeilt sein, läuft ewig. „Strategien müssen angepasst und verändert werden. Mehr als drei Monate Lebensdauer sind die Ausnahme“, sagt Pedersen. Trader weichen auf weniger entwickelte Börsen aus. Indien, Brasilien und Russland seien interessant, sagt er. Schwellenländerbörsen locken Trader gezielt an, um Umsätze auf die Systeme zu ziehen.

    Weniger willkommen dürften Händler an einer anderen Front sein: „Die nächsten Schlachten sehen wir auf den Anleihemärkten“, sagt Moulange von Colt.

    Dass Europas Finanzminister begeistert sind, wenn Algo-Trader milliardenfach Staatsanleihen hin und her handeln und Kursstürze etwa bei portugiesischen Bonds verursachen, darf bezweifelt werden. Solche Aktivitäten dürften die Einführung einer Finanztransaktionssteuer beschleunigen, die EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso unlängst wieder ins Gespräch brachte. Hier werden nicht Gewinne, sondern gehandelte Umsätze besteuert, mit bis zu 0,1 Prozent. „Die Transaktionssteuer hat für Politiker einen ungeheuren Charme“, sagt ein Frankfurter Banker. Charmant für die öffentlichen Kassen, aber nicht für Trader.

    Wer an 100 Euro Umsatz zwei Cent verdienen kann, dann aber bis zu zehn Cent Steuern zahlen muss, kann seinen Laden dichtmachen. Eine an den Umsatz gekoppelte Steuer wäre das Ende des Hoch-frequenzhandels in Europa.

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