Börse Wie Kleinanleger doppelt abgezockt werden

Gauner ziehen Anlegern, die auf dubiose Aktien reingefallen sind, noch mal Geld aus der Tasche. Wie dreist sie vorgehen, zeigt ein Selbstversuch.

Oh, wie schön ist Ecuador - In der Provinz Zamora soll Formula Resources Gold abbauen Quelle: Laif

Der Rückruf kommt 30 Sekunden, nachdem ich die SMS abgeschickt habe. Er habe da was ganz Tolles, sagt der Mann am anderen Ende der Leitung: ein Goldunternehmen, mit vier Minen, Rio Tinto werde es bald übernehmen. Dann gibt er genaue Anweisungen: „Gehen Sie in Ihr Online-Depot“, sagt er. Ich soll die Wertpapierkennnummer A1H65K eingeben. „Die Aktie liegt bei 45 Cent. Bei Stückzahl machen wir mal einfach 3.000, das sind nicht mal 1.500 Euro. Und dann beim Limit Billigst.“ Warum Billigst, also zu jedem Preis? „Damit wir direkt in den Markt kommen. Und jetzt: Ausführen.“

Ich hatte ihm zuvor per SMS geschrieben, dass ich 30.000 Euro mit hochriskanten Penny-Stocks verloren hätte. Und dass ich gehört hätte, dass die Börse einen Rettungsfonds für Anleger aufgelegt habe, damit die ihr Geld wieder bekommen.

Kuriose Börsenpannen

Ein Anleger, der viel Geld mit Betrüger-Aktien versenkt hatte, hatte mir die Nummer von Anton K. zugesteckt, eine 0162-Mobilnummer. Anton K. hatte ihn zuvor angerufen und ihm Schadensersatz versprochen.

Doch bei mir geht Herr K. tagelang nicht an sein Handy. Also bekommt er eine SMS. Jetzt klappt die Kontaktaufnahme. Der Rückruf, diesmal von einer Frankfurter Festnetznummer, kommt umgehend.

Schnell, schnell!

Übersicht zum Kursverlauf von Formula Resources (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Ein freundlicher Herr mit südosteuropäischem Akzent stellt sich als Michael B. vor, die „Vertretung von Herrn K.“. Der Retter kommt gleich zur Sache: Damit er mich in seine Kundendatei aufnehmen könne, benötige er unbedingt meinen Depotauszug. Der solle auf dem schnellsten Weg bei seiner privaten Mail-Adresse von Freenet landen. Darüber hinaus müsse ich – schnell, schnell – Aktien kaufen, sonst könne er mich nicht „in die Datei“ aufnehmen.

Ich habe vorgegeben, Geld im First Quotation Board verloren zu haben. Hier nahm die Deutsche Börse Unternehmen auf, die sonst nirgendwo notiert waren – ohne viele lästige Vorschriften und ohne bürokratischen Aufwand. Das nutzten Betrüger jahrelang aus. Sie brachten wertlose Aktien an die Börse, vor allem Energie- und Goldwerte. Hinter vielen Papieren stehen organisierte Banden, die Börsentipps über Spam-Faxe oder Telefon verbreiten und Aktien an naive Anleger abdrücken. Mehr als 300 Aktien notieren noch im Board. Bei rund einem Drittel dürfte schon manipuliert worden sein. Die Börse will das Board deshalb im Dezember endlich dichtmachen.

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