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Börse Ökostrom-Aktien mit Überlebenschancen

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Wind: Ende der Flaute?

Eine Familie spaziert an einer Windenergieanlage vorbei Quelle: dpa

Anders als in der Solarbranche ist bei den Windturbinenbauern die Marktbereinigung schon fortgeschritten. Großkonzerne wie General Electric (USA), Siemens, ABB (Schweiz), Alstom (Frankreich) sind bereits im Markt aktiv. Zwar ist der Umsatzanteil der Windturbinen auf Konzernebene noch im einstelligen Prozentbereich, steigt aber schnell. „Auch in der Windbranche wird noch der eine oder andere finanzschwache Anbieter ausscheiden“, sagt Analyst Zank, „im Markt herrschen Überangebot, Preisverfall und hoher Finanzbedarf.“

Denn die Branche durchläuft einen grundlegenden Wandel, und der kostet Geld. Zwar ist die Windtechnik der Fotovoltaik mindestens fünf Jahre voraus: Sie muss kaum mehr subventioniert werden; von Windanlagen produzierter Strom ist kaum teurer als der aus Kohle, Erdöl oder Gas. Doch die neuen Turbinen werden immer größer und erfordern jahrelange, kostspielige Entwicklung. Hatte die erste Generation noch eine Leistungsfähigkeit von 1,0 bis 2,5 Megawatt, muss die aktuelle schon 5,0 Megawatt leisten. Je größer die Turbine, desto geringer der Landverbrauch im Verhältnis zur gewonnenen Strommenge und desto kleiner die restlichen Kosten im Verhältnis zu den Erträgen.

Vorteil für Großunternehmen

Einige Turbinenbauer wie Repower und Siemens experimentieren bereits mit Zehn-Megawatt-Anlagen – eine Technik, deren Entwicklung und Umsetzung kleinere Anbieter überfordern wird. Hinzu kommt, dass die meisten neuen Großprojekte auf dem offenen Meer entstehen, die Offshore-Projekte aber sind extrem teuer, müssen meist mithilfe von Großkonzernen wie E.On oder Shell, auf jeden Fall aber durch Konsortien aus bis zu 25 Banken finanziert werden. Und die geben eher Alstom oder Siemens als einem Mittelständler Geld.

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Standort erkennen

    Vestas und Gamesa etwa, zwei der Profiteure der ersten Ausbauphase in Deutschland, Spanien und Italien, haben massive Überkapazitäten aufgebaut; nur leider nicht in den zukunftsträchtigen Feldern Fünf-Megawatt- und Offshore-Turbinen. Vestas müsste massiv investieren, um dort konkurrenzfähig zu werden. Gamesa leidet unter der Kürzung von Staatsgeldern in Spanien, ist dafür aber stark in den Wachstumsmärkten Lateinamerikas, etwa Kolumbien, Mexiko und Brasilien.

    Ein Mann fährt mit dem Fahrrad an Windturbinen vorbei Quelle: dpa

    Richtige Turbinen

    Nordex leidet zwar noch an den Folgen eines Managementwechsels und früherer Fehlentscheidungen, das Unternehmen hat zudem international nur noch einen geringen Marktanteil; dafür hat Nordex mit der Familie Klatten einen potenten Großinvestor im Rücken und schlägt sich wacker beim Besetzen einiger lukrativer Marktnischen, etwa in Pakistan und Südafrika. Nordex dürfte zumindest überleben; für Anleger scheint aus Chance/Risiko-Sicht die Anleihe sogar noch etwas attraktiver als die Aktie.

    Repower hat die richtigen Turbinen im Programm, gehört inzwischen aber der indischen Suzlon. Die Muttergesellschaft leidet unter dem schleppenden Netzausbau in Asien. Die chinesischen Hersteller wie Goldwind, Sinovel und Darwind leiden ebenfalls unter Überkapazitäten im chinesischen Markt und unter dem schleppenden Ausbau der Stromnetze, welcher in China die Windenergie noch viel mehr behindert als in Europa – das chinesische Stromnetz ist auch ohne Energiewende schon veraltet und viel zu klein.

    Langfristig interessant

    Dennoch dürften die Asiaten langfristig für Anleger interessant sein, weil sich die chinesische Regierung in ihrem neuen Fünfjahresplan den weiteren Ausbau der Erneuerbaren auf die Fahnen geschrieben hat und die eigenen Hersteller mit staatlich verordneten Billigkrediten päppelt. Zudem drängen die Chinesen, deren technischer Rückstand schrumpft, mit Dumpingpreisen ins internationale Geschäft – genauso wie im Solargeschäft.

    Solarworld-Gründer Frank Asbeck unterstellt den Chinesen gar eine perfide Strategie: Sie wollten ihre eigenen Unternehmen weiter mit Krediten vollstopfen, bis diese „früher oder später überschuldet an die staatseigenen Banken fallen, die daraus im Staatsauftrag einen großen chinesischen Weltmarktführer formen“, sagt Asbeck. Dabei sollten noch möglichst viele westliche Hersteller über Kampfpreise in die Pleite geschickt werden. „Ein industriepolitischer Feldzug“, sei das, so Asbeck, „mit der Solartechnik hätten die Chinesen dann eine der wichtigsten Zukunftstechnologien allein in der Hand.“

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