Börsen auf Rekordjagd Wie Anleger den letzten Bullenritt ausnutzen

Dank der erneuten Zinssenkung ist die Rekordjagd an den Börsen nicht am Ende, auch wenn sich die Warnzeichen mehren. Was die Kurse noch treiben wird, welche Strategie die beste für die kommenden Monate ist.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone erneut gesenkt - und das billige Geld treibt die Bullenmärkte an den Börsen auf immer neue Höhen. Quelle: Daniel Stolle für WirtschaftsWoche

Der Schock bei Anlegern müsste tief sitzen, eigentlich: 480 der 600 im breiten Aktienindex Stoxx Europe 600 gelisteten Unternehmen haben in den vergangenen Tagen ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Und die waren wenig überzeugend. Laut Berechnungen von Thomson Reuters StarMine hat etwa die Hälfte der Unternehmen ihre Gewinnprognosen verfehlt. Noch schlimmer: Fast zwei Drittel haben weniger umgesetzt, als Analysten erwartet hatten. Als erste Therapie auf Basis dieser Auswertung empfahl Finanzmarktexperte Mike Harris vom Brokerhaus TJM Partners am vergangenen Dienstag, europäische Aktien eher abzustoßen – oder zumindest keine neuen Papiere hinzuzukaufen.

Anleger zeigten sich wenig beeindruckt. Auch in der vergangenen Woche hielt sich der Dax über der Marke von 9000 Punkten, auf Rekordhöhen. Inklusive der im Dax enthaltenen Dividenden hat der deutsche Leitindex seit März 2009 knapp 150 Prozent gewonnen. Mit den richtigen Papieren konnten Anleger ihren Einsatz gar vervierfachen (siehe Kurztextgalerie). Doch nach einem Plus von 1700 Prozent etwa mit Infineon, einer Versechsfachung von Dax-Schwergewicht VW und 333 Prozent plus mit Henkel stellt sich die Frage, wie lange die Hausse wohl noch hält. Wie weit kann der Dax noch steigen, bevor Investoren eine Blase und damit wachsende Rückschlaggefahren befürchten müssen? Können Anleger, die bisher nicht dabei waren, jetzt noch guten Gewissens Aktien kaufen?

Welche Aktien im Dax im Hausse-Modus sind

Um dies einzuschätzen, sollten sich Investoren mit der generellen Bewertung des Marktes auseinandersetzen. Sind Aktien, nach allem, was zu ermitteln ist, noch fair bewertet oder eher schon zu teuer? Und jeder Investor sollte beobachten, was sich in Washington bei der US-Notenbank Federal Reserve tut, bei der Bank of Japan in Tokio und natürlich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Denn dort, in den Konferenzsälen der Zentralbanken, wird in erster Linie entschieden, ob Dax und Co. noch Luft nach oben haben.

Immer deutlicher zeigt sich, dass vor allem die von den Notenbanken geschaffene Liquidität die Kurse treibt. „Aktienkäufer marschieren zwar nicht direkt zur Zentralbank, um sich dort die Taschen mit frischem Geld zu füllen“, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt des Fondshauses Assenagon. Doch gebe es „zahlreiche Indizien dafür, dass der aktuelle Börsenboom von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken zumindest unterstützt wird“.

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