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Börsen nachbauen Wie Anleger von Indexfonds profitieren können

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Womöglich massive Beeinträchtigungen

Weltweit haben Investoren 2,1 Billionen Euro in Indexfonds angelegt. Die zunehmend gewichtigere Rolle der nach starren Regeln investierenden Fonds beeinträchtigt womöglich massiv das Funktionieren der Finanzmärkte. Manager von ETFs machen sich keine Gedanken, wie gut einzelne Aktien sind. Börsen können aber nur effizient Kapital verteilen, wenn Anleger sich ein eigenes Urteil bilden, welche Wertpapiere ein Investment lohnen und welche nicht. „ETFs tragen ein gewisses zerstörerisches Element in sich“, sagt Tobias Basse, Analyst bei der Nord/LB in Hannover.

Ohne Check

Aktive Investoren sollten sorgfältig die aktuelle Geschäftslage und die künftigen Entwicklungschancen der Gesellschaften analysieren, denen sie ihr gutes Geld anvertrauen. Kein Anleger ist jedoch allwissend, jeder hat spezielle Kenntnisse und Erfahrungen. Im Zusammenspiel der Investoren werden die verfügbaren Informationen am effizientesten verarbeitet – so lautet ein Credo der Kapitalmarkttheorie.

An diesem Prozess aber sind die passiven Indexfonds nicht beteiligt. Niemand prüft, wie gut Aktien sind – es reicht, dass sie im Index sind. „Indexfonds tragen nicht zur effizienten Verarbeitung von Informationen über Aktien bei. Sie sind Trittbrettfahrer, die kostenlos die Vorleistung der aktiven Investoren in Anspruch nehmen“, sagt Basse von der Nord/LB. Dies war alles kein Problem, solange Indexfonds eine kleine Minderheit unter den Anlegern bildeten. Doch der Markt der ETFs wächst weiter.

Und sie sind nicht die einzigen Investoren, die zu bequem sind, sich eine eigene Meinung zu bilden. „Auch die aktiv gemanagten Fonds orientieren sich vielfach an Indizes wie dem Dax“, sagt Christian Jasperneite, Chief Investment Officer bei der Hamburger Privatbank Warburg. Bis zu 70 Prozent der institutionellen Investoren richten ihre Anlageentscheidungen offenbar weitgehend an Börsenindizes aus. Dies lässt sich daran ablesen, dass die Wertentwicklung von Dax-Fonds meist nur geringfügig vom Leitindex abweicht; der sogenannte Tracking Error beträgt häufig nur zwei bis drei Prozent. „Wenn nur noch passive Anleger in den Dax investieren würden, könnten die Aktienmärkte nicht mehr richtig funktionieren“, räumt Andreas Pohlmann ein, der bei der DekaBank für das Geschäft mit ETFs verantwortlich ist.

Unerwünschte Mitfahrer

Fatal ist, dass nicht nur Indexfonds die Börsen aushebeln. Zu den Trittbrettfahrern, die sich auf die aktiven Anleger im Dax stützen, gehören zu großen Teilen auch die Dark Pools – nicht regulierte Handelsplattformen, auf die ein immer größerer Teil des Aktienhandels abwandert. Bei Dax-Werten entfällt heute rund die Hälfte des Handelsvolumens auf intransparente Deals jenseits der Börsen. In diesem Dunkelreich orientieren sich Akteure an den Aktienkursen, die sich auf Xetra bilden. „Auch die Dark Pools sind in bestimmter Weise Free Rider“, sagt Analyst Basse.

Wenn die Börsen aber immer schlechter funktionieren, dann bekommen Investoren Oberwasser, die ihr Portfolio selbst zusammenstellen. Gerade weil die Effizienz an den Börsen bislang so hoch war, gelang es aktiv gemanagten Fonds selten, besser zu sein als die Märkte. Doch dies könnte sich jetzt gründlich ändern. „Je stärker die Effizienz an den Märkten schrumpft, desto größer werden die Chancen von aktiven Investoren, eine bessere Wertentwicklung zu erzielen als Indexfonds“, sagt Analyst Basse von der Nord/LB.

Womöglich ist bei der Geldanlage deshalb ein neues Denken angesagt: Investments in Indexfonds reduzieren und das Geld stattdessen in aktiv gemanagte Fonds stecken. Eine Abweichung (Tracking Error) gegenüber dem Dax von mehr als drei Prozent signalisiert, dass der Manager autonom handelt – auch wenn er längst nicht so viel anzulegen hat wie Larry Fink.

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