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Börsenbetrug Wenn Betrüger die Aktienkurse pushen

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Kampf mit dem First Quotation Board

Das Logo der Sparkasse Quelle: dpa

Verbreitet ist auch das Kapern von Depots. So rief laut Bericht der Ermittlungsrichterin am „01.07.2009 bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, der Kreissparkasse Köln, der Sparkasse Rhein Neckar sowie der Volksbank Esslingen jeweils eine bislang unbekannte Person an und gab sich – der Wahrheit zuwider – als jeweiliger Depotinhaber aus“. Der Unbekannte kaufte Aktien, die aus den Beständen des Gauner-Netzwerks abgegeben wurden. Auf einer BaFin-Liste von Aktien, die Betrüger im Auftrag ahnungsloser Depotbesitzer orderten, taucht auch Hulbee auf.

Die Unternehmen müssen dabei nicht zwingend Teil des Betrüger-Netzwerks sein. Hulbee, immerhin, ist ein Unternehmen mit real existierendem Geschäft. Häufig verbergen sich hinter gepushten Aktien bloß Börsenmäntel, Hüllen ohne Inhalt. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma berichtet von einer zunehmenden Zahl von Fällen, „in denen mit aggressiven Methoden häufig wertlose Aktien von Schweizer Startup-Unternehmen verkauft werden. Die Unternehmen werden gar nie operativ tätig. Das eingenommene Geld wird aus der Gesellschaft abgezogen und diese schließlich liquidiert.“

Solche Hüllen für Börsennotierungen gibt es im Internet zu kaufen. Wer über Google nach „Cash Shell“ oder „Public Shell“ sucht, findet schnell die richtigen Adressen.

Verschärfte Regeln

Dubiose Berater priesen über Jahre im Internet an, wie einfach es doch sei, an der Börse Frankfurt durchzustarten. Die Vorteile der Frankfurter, heißt es etwa auf der englischsprachigen Seite von mergerlaw, seien schnelle Zulassung, eine relaxte Regulierung und vor allem keine Anforderungen an Vermögenswerte oder Mindestumsatz. Die Deutsche Börse hat diesem Treiben viel zu lange zugesehen. Schon im Sommer 2010 bescheinigte ein interner Bericht des Bundeskriminalamts dem Frankfurter Freiverkehr besonders viele Möglichkeiten der Kursmanipulation.

Im vergangenen Jahr verschärfte die Börse endlich die Regeln im First Quotation Board. Aktien wurden nur noch akzeptiert, wenn Unternehmen einen Prospekt vorlegten oder wenn ein Wirtschaftsprüfer ein Eigenkapital von mindestens 500.000 Euro bestätigte. Jede Aktie muss einen Mindestnennwert von zehn Cent haben. Hulbee machte aus 16 Aktien eine, der Nennwert der Hulbee-Papiere liegt jetzt bei 16 statt einem Schweizer Rappen.

Allein: Beim Gros der Aktien half die Verschärfung nichts. Deshalb rang sich die Börse letztlich zur Schließung durch.

Keine inhaltliche Prüfung von Unternehmen

Manipulationsfälle, sagt Michael Zollweg, Leiter der Handelsüberwachung der Deutschen Börse, hätten trotz der 2011 verschärften Regeln enorm zugenommen: „Da stehen mafiöse Netze dahinter, das ist ein systemisches Risiko für die Frankfurter Wertpapierbörse. Man kann es sich als Marktbetreiber nicht mehr leisten, in den Verruf zu kommen, mafiöse Strukturen zu unterstützen“, sagt Zollweg.

Das Board war zuletzt rasant gewachsen. Allein 2011 steigerte die Börse die Zulassungen um rund ein Drittel – knapp 200 Unternehmen gingen an den Start.

Die Börse beruft sich darauf, sie habe nur Kriterien zur Einbeziehung vorgegeben. „Eine inhaltliche Prüfung von Unternehmen können wir nicht vornehmen“, sagt Alexander Höptner, bei der Börse zuständig für den Bereich Market Services. Prüfen, ob Konzerne die Zulassungskriterien erfüllen, müssten die Antragsteller, in der Regel Börsenmakler. Besonders viele Aktien ans Board gebracht haben die Frankfurter Renell Wertpapierhandelsbank und die 886 AG aus Bad Vilbel bei Frankfurt.

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