Börsengänge im Herbst Zitterpartie für Börsenkandidaten

Es begann als gelungenes Börsendebüt, doch dann rutschte der Kurs von Scout24 unter den Ausgabepreis. Auch für die übrigen IPO-Kandidaten Covestro, Schaeffler, Xella und Co. kündigt sich ein Ritt auf der Rasierklinge an.

Internetseiten von Scout24 Quelle: dpa

Als der erste Kurs für Börsenneuling Scout24 an der Anzeigetafel prangte, herrschte zunächst Jubelstimmung: 30,75 Euro für eine Aktie des Kleinanzeigen-Portalbetreibers, immerhin 75 Cent über dem Ausgabepreis.

Schon am Abend hatte sich Ernüchterung unter den frischgebackenen Aktionären eingestellt. Das Papier fiel bis auf 28,70 Euro. Das sagt allerdings weniger etwas über die Güte des Unternehmens und seiner Aktie aus, als über die Stimmung an der Börse insgesamt.

Als die Börsenkandidaten Scout24, Bayer-Tochter Covestro, Automobilzulieferer Schaeffler, Reeder Hapag-Lloyd oder der Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy ihren Gang aufs Börsenparkett ankündigten, herrschte angesichts stabil guter Börsenlaune großer Optimismus vor. Mit der allgemein guten Stimmung sollten die Kassen der Unternehmen, Altaktionäre und Betreuerbanken Klingeln. Nun aber ist die Lage schwieriger als erwartet.

Scout24 im Börsenneulingscheck

Die Aktien von Covestro beispielsweise will Bayer nun günstiger an die Börse bringen, als zunächst geplant. Nach Agenturmeldungen soll der Ausgabepreis nun zwischen 23 und 24 Euro liegen. Ursprünglich lag die Preisspanne zu Beginn der Zeichnungsfrist zwischen 26,50 und 35,50 Euro je Aktie – am oberen Ende ist das rund ein Drittel weniger. Außerdem wurde der Termin für die geplante Erstnotiz vom 2. auf den 6. Oktober verschoben und das zu platzierende Aktienvolumen um eine Milliarde Euro verknappt. All das, damit die Abspaltung vom Chemiekonzern Bayer doch noch gelingt.

Ein wenig wie Hohn klingt es da schon, wenn die Nachrichtenagentur Reuters eine mit der Sache vertraute Person zitiert, die trotz der Änderungen sagt: "Die Nachfrage nach den Aktien ist sehr hoch und deshalb wurde die Preisspanne am oberen Ende eingeengt." Vielmehr ließe sich der abgeschwächte Börsengang auch so interpretieren: Endlich sind die Covestro-Papiere so billig, dass sie trotz Rückwärtsgang im Dax und einem durch China-Schwäche und VW-Skandal vorherrschenden Börsenpessimismus noch Abnehmer finden.

Covestro im Börsenneulingscheck

Den anderen Börsenkandidaten droht ein ähnliches Schicksal. Der ursprünglich für Montag, den 5. Oktober, geplante Börsengang des Auto- und Industriezulieferers Schaeffler verzögert sich. Zum Wochenbeginn will Schaeffler zunächst die Preisspanne für das Papier bekanntgeben sowie über den neuen Zeitplan informieren. Dabei war mal geplant, bereits an diesem Freitag die Preisspanne zu verkünden, ab kommenden Montag sollte das Unternehmen mit einer Milliardenbewertung an der Frankfurter Börse die Notierung aufnehmen.

Zumindest hält der Autozulieferer noch am Börsengang fest. Allerdings lehren die Erfahrungen der Vergangenheit, dass Börsengänge auch gern buchstäblich in letzter Sekunde noch abgesagt werden. Zu groß erscheint in so einem Fall die Gefahr, dass der Börsendebütant seine Aktien unter Wert verkauft und diese an der Börse zunächst Verluste verzeichnen. Da in der Zeichnungsphase überwiegend institutionelle Anleger die neuen Aktien kaufen, ist es heikel, diese zu enttäuschen und womöglich monatelang auf Verlusten sitzen zu lassen, bis sich der Kurs wieder über den Ausgabepreis bewegt.

Begriffe zum Börsengang

Hinzu kommt, dass der VW-Abgasbetrug den Schaeffler-Börsengang besonders belastet, weil er in seinen Auswirkungen für die Zulieferer und die Automobilindustrie insgesamt noch nicht zu überblicken ist. Investoren halten sich deshalb bei allem rund um die Autobranche weitgehend zurück. Der hoch verschuldete Wälzlagerhersteller braucht die Investorengelder vor allem um Milliardenschulden abzubauen. Die Nettoerlöse aus dem Börsengang wurden zuletzt auf rund drei Milliarden Euro geschätzt.

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Volkswagen ist der größte Kunde von Schaeffler. Laut informierten Kreisen stellten potenzielle Aktienkäufer Fragen zu den Auswirkungen des Skandals. Demzufolge erklärte das Unternehmen, seine Produkte seien nicht in den Skandal um gefälschte Abgasmesswerte bei Dieselfahrzeugen involviert. Dennoch dürfte Schaefflers Umsatz leiden, wenn VW aufgrund des Skandals weniger Fahrzeuge verkauft.

Wesentlich kleiner als bei Schaeffeler und Covestro dürfte der Börsengang von Chorus Clean Energy ausfallen. Noch bis zu diesem Freitag können Wagemutige die Aktien des Solar- und Windparkbetreibers im Wert von insgesamt bis zu 186 Millionen Euro zeichnen, pro Stück sollen sie zwischen 9,75 und 12,50 Euro kosten. Am kommenden Mittwoch soll die Erstnotiz gelingen. Mal sehen, was das Unternehmen nach Ende der Zeichnungsfrist bekanntgibt: Vergünstigung, Verschiebung oder Absage des Börsengangs? Dass er glatt und wie geplant verläuft, wäre hingegen eine echte Überraschung.

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