Börsengänge in Europa Anleger sind heiß auf Aktien

Die Mini-Zinsen machen Aktien für Anleger attraktiv. Davon profitieren Unternehmen, die es auch in Europa wieder verstärkt an die Börsen zieht. Das dürfte nach einer Studie auch 2015 so bleiben.

Die größten Börsengänge in Deutschland
Platz 10: Norma Group AGDer Maschinen- und Werkzeugbauer hat sich rund um Rohr- und Leitungsverbindungen einen Namen gemacht. Obwohl das zunächst nach Nische klingt, waren Investoren beim Börsengang am 7. April 2011 bereit, 336 Millionen Euro für die neuen Aktien locker zu machen. An der Börse ist Norma mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: Presse
Platz 9: GSW Immobilien AGIn den Jahren seit 2009 wagten gleich mehrere große Wohnungsgesellschaften den Sprung an die Börse. Die GSW Immobilien AG überzeugte Anleger und bekam für ihre Aktien-Neuemission 467 Millionen Euro. An der Börse ist GSW zwei Milliarden Euro wert. Quelle: REUTERS
Platz 8: Kion Group AGDer Gabelstablerhersteller Kion ist eine Abspaltung der Linde-Gruppe und ging am 26. Juni 2013 an die Börse. Investoren gaben dem Unternehmen für die neuen Aktien 475 Millionen Euro. Die Börse bewertet Kion zur Zeit mit 2,9 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Platz 7: Talanx AGMit Talanx gelang am 1. Oktober 2012 einem der größten deutschen Versicherer der Börsengang in Frankfurt. Zu Talanx gehören unter anderem die Versicherer Ergo und Victoria. Zum Börsengang erhielt Talanx frisches Kapital in Höhe von 517 Millionen Euro. An der Börse ist der Konzern derzeit 6,6 Milliarden Euro wert. Quelle: dpa
Platz 6: Zalando SEEinen so großen Börsengang aus dem Internetbereich hat Deutschland seit Jahren nicht gesehen. Der Online-Modehändler nutzte die Gunst der Stunde nach dem Rekordbörsengang des chinesischen Internetgiganten Alibaba, um an der der Börse 526 Millionen Euro für seine neuen Aktien aus Kapitalerhöhung einzusammeln. Kommt es zur Ausübung der Mehrzuteilungsoption sind es sogar 605 Millionen Euro - was Zalando Platz 5 einbrächte. An der Börse wird das erst 2008 gegründete Unternehmen aus dem Stand mit 5,35 Milliarden Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: REUTERS
Platz 5: Deutsche Annington ImmobilienWohnimmobilien sind in Deutschland gefragt wie seit Jahren nicht. Das gilt auch für Aktien von Wohnungsgesellschaften. Die Deutsche Annington Immobilien ging am 9. Juli 2013 vergleichsweise spät an die Börse und konnte dafür 575 Millionen Euro bei Investoren locker machen. An der Börse ist das Unternehmen mit 5,5 Milliarden Euro bewertet. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: dpa
Platz 4: Brenntag AGChemiehändler Brenntag wagte am 29. März 2010 den Sprung an die Börse und kassierte für seine Aktien 748 Millionen Euro. Heute ist das Unternehmen an der Börse gut sechs Milliarden Euro wert. Quelle: Thomson Reuters, Stand: 01.10.2014 Quelle: Presse

Europas Börsen sind für Neueinsteiger wieder attraktiv: Nach einer am Montag in Frankfurt veröffentlichten Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) wagten von Januar bis November europaweit 344 Unternehmen den Schritt aufs Parkett. Der Gesamtwert der Börsengänge betrage 48,8 Milliarden Euro und liege damit um 84 Prozent über Vorjahr. In Deutschland sorgten vor allem die Neuemissionen von Zalando und Rocket Internet für gute Stimmung.

Einschließlich Dezember rechneten die PwC-Experten mit IPOs im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro, sagte PwC-Kapitalmarktexperte Christoph Gruss: „Damit verzeichnen die europäischen Börsen 2014 die stärksten IPO-Aktivitäten seit 2007. Unternehmen nutzten die gute Stimmung an den Aktienmärkten, um ihren Börsengang in die Tat umzusetzen.“

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Auch weltweit bleibt der Markt für Börsengänge auf Wachstumskurs: Nach einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) wagten in diesem Jahr rund um den Globus 1206 Unternehmen (+35 Prozent) den Sprung aufs Parkett. Sie erlösten dabei 257 Milliarden US-Dollar (207 Mrd Euro) - 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der mit weiten Abstand größte IPO war demnach die chinesische Handelsplattform Alibaba mit einem Volumen von 25 Milliarden US-Dollar.

In Europa wagten im zweiten Halbjahr in Folge der Krise in Russland und der Ukraine zwar weniger Unternehmen den Schritt an den Aktienmarkt als zu Jahresbeginn. Für Deutschland galt dies jedoch nicht: Mit den Börsengängen von Zalando und Rocket Internet war das vierte Quartal wesentlich erfolgreicher als die anderen drei Quartale zusammen. Das liegt vor allem an Rocket Internet: Die Berliner, die sich an Start-ups beteiligen, zeichnen 2014 mit einem Gesamtwert von 1,4 Milliarden Euro für den viertgrößten Börsengang in Europa verantwortlich.

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Für 2015 rechnet PwC wieder mit IPO-Aktivitäten auf dem Niveau von 2014: „Die Rahmenbedingungen sind auch im kommenden Jahr gut. Die Nachfrage nach lukrativen Unternehmen bleibt in einem durch niedrige Zinsen gekennzeichneten Umfeld hoch, in dem Investoren händeringend nach attraktiven Anlagemöglichkeiten suchen“, betonte Gruss.

Außerdem hätten zuletzt einige Unternehmen angesichts des unsicheren Umfelds ihre geplanten Börsengänge verschoben.

Auch die EY-Experten sind zuversichtlich: Die positive Kursperformance von Börsengängen in Europa mit derzeit im Durchschnitt plus 17,3 Prozent spreche dafür, dass 2015 ein ähnlich starkes IPO-Jahr für Europa und Deutschland werde wie 2014, sagte EY-Experte Martin Steinbach: „Zumal die Pipeline an Börsenkandidaten nach wie vor gut gefüllt ist.“

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