Börsengänge Zu wenig für den Appetit der Investoren

Der Anlagedruck bei Investoren ist hoch, doch der Markt für Börsengänge in Deutschland bleibt weit hinter der Nachfrage zurück. Was auf Anleger, die nach neuen Investmentchancen suchen, zukommt.

Aus Sicht vieler Manager und Alteigentümer besteht derzeit kaum Bedarf, ihre Unternehmen für den Kapitalmarkt zu öffnen. Quelle: dpa

Das Jahr 2016 war eine Durststrecke für alle, die auf Börsengänge solider neuer Unternehmen warteten. Im laufenden Jahr wird sich die düstere Lage am deutschen IPO-Markt dagegen etwas aufhellen, wie die Kapitalmarktexperten der Schweizer Großbank UBS erwarten. Doch mit dem aufgrund der rekordniedrigen Kapitalmarktzinsen äußerst hohen Anlagedruck bei den europäischen und deutschen Investoren kann die Börse nicht mithalten.

Die Tops und Flops seit dem Allzeithoch 2015

Wenn vielversprechende Unternehmen an den Markt kommen, werden die Anteile den Investmentbanken förmlich aus der Hand gerissen, wie sich kürzlich beim fulminanten Börsendebut des Schweizer Apothekenbetreibers Galenica Sante zeigte.

Die meisten Unternehmen jedoch sitzen laut UBS auf hohen eigenen Geldreserven und verdienen gut. Mit Großinvestitionen wie zuvor zum Beispiel in China sind zudem fast alle Branchen vorsichtiger geworden. Daher besteht aus Sicht vieler Manager und Alteigentümer derzeit kaum Bedarf, ihre Unternehmen für den Kapitalmarkt zu öffnen. Ausnahmen bestehen allenfalls in der kapitalintensiven Immobilienbranche.

Der UBS-Experte für Börsengänge, Armin Heuberger, erwartet für 2017 in Deutschland fünf bis zehn Börsengänge. Die UBS zählt hier Transaktionen mit einem Volumen ab 100 Millionen Euro. Das wäre spürbar mehr als im schwachen Vorjahr, jedoch viel weniger, als Investoren sich angesichts der aktuellen Kapitalmarktsituation wohl wünschen würden.

Welche deutschen Unternehmen hegen überhaupt Börsenambitionen? Die beiden bereits im Dax notierten Schwergewichte Siemens und Deutsche Bank wollen gewichtige Teile ihres Geschäfts separat an die Börse bringen. Beim Technologiekonzern Siemens betrifft das die Gesundheitssparte im geschätzten Volumen von rund vier Milliarden Euro und beim Finanzriesen Deutsche Bank könnte die Vermögensverwaltung für geschätzt zwei Milliarden Euro über die Börse an Investoren gehen. Börsenpläne werden auch dem Prothesenspezialisten Otto Bock nachgesagt (zwei Milliarden Euro), der Klinikkette Asklepios (eine Milliarde Euro) sowie dem Internetunternehmen Delivery Hero (750 Millionen Euro). An diesem Montag wurde zudem bekannt, dass der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic im Sommer seine Aktien an die Frankfurter Börse bringen will (1,8 Milliarden Euro).

Weitere Börsenaspiranten mit möglichen Bewertungen jeweils im 500-Millionen-Euro-Bereich sind Hello Fresh, Ceram Tech, Aenova und die Restaurantkette Vapiano.

Losgehen könnte die IPO-Saison in Deutschland ab Ende Mai. IPO-Experte Heuberger sieht dieses Zeitfenster als günstig, wenn der Kapitalmarkt die Wahlen in Frankreich und Großbritannien verdaut hat und die Geschäftszahlen der IPO-Kandidaten für das erste Quartal 2017 noch frisch sind.

Nach der Sommerpause könnte sich ein weiteres Zeitfenster für IPO-Gelegenheiten öffnen. Laut Heuberger dürften die Bundestagswahlen die Märkte soweit vorhersehbar nämlich nicht so sehr in Aufregung versetzen wie etwa die Abspaltung Großbritanniens von der Europäischen Union.

Dennoch ist es mit Blick auf die Börse sinnvoll, die Bundestagswahl und ihre Auswirkungen für Anleger genau zu beoabachten. Taktisch klug wäre in dieser Situation, einen Börsengang vor der Wahl anzukündigen und die Zeichnungsphase mit der Preisbildung auf die Zeit nach dem Wahlsonntag zu legen. Auf diese Weise könnten IPO-Kandidaten laut Heuberger auf unerwartete Entwicklungen nach der Wahl reagieren.

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