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Börsengang 333 Millionen Euro für Tele Columbus

Noch im Oktober scheiterte der Börsengang, doch diesmal klappt es: Die Tele-Columbus-Aktie wird zu zehn Euro ausgegeben und bringt dem Kabelnetzbetreiber mindestens 333 Millionen ein. Die Aktie im Check.

Das sind die Börsenkandidaten 2015
windeln.deDer Online-Händler windeln.de, der auf Baby- und Kindersachen spezialisiert ist, will offenbar noch im ersten Halbjahr 2015 an die Börse. Das berichten Insider. Die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die Bank of America Merrill Lynch seien beauftragt worden, der Firma beim Börsengang zu helfen.Das frische Kapital soll dem Unternehmen Spielraum für seine weitere Expansion verschaffen. Die Banken wollen sich nicht zu den Plänen äußern, zunächst hatte das Wirtschaftsmagazin "BILANZ" über die Börsenpläne berichtet. Windeln.de wurde 2010 gegründet und schrieb 2014 bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro einen kleinen Gewinn. Quelle: dpa
SunriseDer zweitgrößte Telekom-Anbieter der Schweiz, Sunrise, darf sich wohl über einen erfolgreichen Börsengang freuen. Die Nachfrage der Anleger war so hoch, dass das Volumen der Sunrise-Aktien sogar um 300 Millionen auf 2,3 Milliarden Franken erhöht werden konnte. Mit 68 Franken je Aktie landeten die Papiere in der Mitte der Preisspanne, kletterten aber schon am ersten Handelstag, dem 6. Februar, um über elf Prozent auf 78 Franken. Mit dem Erlös will das Schweizer Unternehmen zunächst vor allem Schulden zurückzahlen. Zudem fließt Kapital in die Kassen des Haupteigentümers, Finanzinvestor CVC. Insgesamt lieferte Sunrise damit den größten Schweizer IPO seit acht Jahren. Quelle: REUTERS
Ferratum OyiDer finnische Finanzdienstleister hat Anfang Februar den Schritt auf das Frankfurter Börsenparkett gewagt. Mit einem Kursgewinn von bis zu acht Prozent ist das Debüt gelungen. Hinter Tele Columbus feiert Ferratum bereits den zweiten Frankfurter IPO 2015. Das 2005 gegründete Unternehmen aus Helsinki vergibt Kleinkredite über 25 bis 2000 Euro, die per Handy oder Internet sofort abgeschlossen werden können. Von dem Börsengang-Volumen von brutto rund 110 Millionen Euro sollen rund 48 Millionen an Ferratum fließen. Das frische Geld will das Unternehmen in neue Produkte und die Expansion in weitere Länder stecken. Zudem soll sich Ferratum vom reinen Kreditanbieter nach und nach zu einer mobilen Bank entwickeln. Quelle: dpa
Tele ColumbusDer drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus startet seinen bereits im Herbst angekündigten Börsengang. Wie das Unternehmen mitteilte, werden 51 Millionen Aktien zu zehn Euro das Stück ausgegeben. Das gesamte Angebotsvolumen liege damit bei 510 Millionen Euro, davbon 333 bis 367 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Erster Handelstag soll der 23. Januar sein. Mit dem Geld will Tele Columbus seine Schuldenlast senken und in den Ausbau der eigenen Kabelnetze investieren. Zusätzlich zur Kapitalerhöhung werden auch Altgesellschafter Aktien verkaufen. Beteiligt an Tele Columbus sind unter anderem Londoner Finanzinvestoren. Kerngebiet des Kabelnetzbetreibers ist Ostdeutschland. Auch in einigen westdeutschen Gegenden besitzt der Anbieter Kabelnetze. Quelle: Screenshot
EtsyEtsy, eine Online-Handelsplattform für Handgemachtes, will laut einem Bericht des US-Magazins mashable noch im laufenden Quartal an die Börse. Das Ebay für Heimwerker will mit der IPO rund 300 Millionen Dollar einsammeln. Über das gut zehn Jahre alte Portal wurden vergangenes Jahr Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar gehandelt. Quelle: Screenshot
Scout24 Schon vergangenes Jahr liebäugelte die Scout24-Gruppe, zu der Immobilienscout24, AutoScout24, die Datingseite FriendScout24 und das Finanzvergleichs-Portal FinanceScout24 gehören, mit dem Börsengang. Nachdem jedoch die Papiere von Zalando und RocketInternet ins Rutschen geraten waren, wurde es still um die IPO-Pläne. Doch Anfang 2015 könnte ein Börsengang durchaus wieder ein Thema werden. Das Unternehmen ist derzeit mit gut zwei Milliarden Euro bewertet und gehört Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent) und der Deutschen Telekom (30 Prozent). Quelle: Screenshot
Axel Springer Digital ClassifiedsEbenfalls Anfang 2015 soll die Online-Anzeigenbörse Axel Springer Digital Classifieds aufs Parkett. Eigentümer sind Axel Springer SE (70 Prozent) und General Atlantic (30 Prozent), bewertet wird das Unternhmen derzeit mit rund drei Milliarden Euro. Wie groß das Volumen des Börsengangs sein soll, ist noch offen. Quelle: dapd

Tele Columbus, mit 1,7 Millionen Kunden Deutschlands drittgrößter Kabelnetzbetreiber (hinter Kabel Deutschland und Unity Media), wagt sich im zweiten Anlauf aufs Parkett. Die Berliner haben es eilig, der Handel mit den neuen Aktien soll schon am 23. Januar starten. 33,3 Millionen neue Papiere haben sie im Zuge einer Kapitalerhöhung verkauft; dazu kommen weitere bis zu 15,2 Millionen Stücke der bislang 20 Millionen aus dem Besitz der jetzigen Eigentümer.

Börsengang im Check
Tele Columbus
ISINDE000TCAG172
Erstnotiz 23.01.2015
Ausgabepreis (Preisspanne war 8 bis 12 Euro]10 Euro
Wert des Angebots¹bis zu 510 Mio. Euro¹
davon aus Kapitalerhöhung¹ bis zu 330 Mio. Euro
davon aus Verkauf der  Alteigentümer¹bis zu 180 Mio. Euro¹ 
Umsatz 2013/14/15²³206/213/223
Nettogewinn 2013/14/15²³–9/–18/–15
Kurs-Gewinn-Verhältnis  2012/14/15³keines (Verluste)
Empfehlung 

spekulativ zeichnen 

¹bei Platzierung zu 10,00 Euro, Ausgabe von 51,2 Millionen Aktien; ohne Mehrzuteilungsoption;  ²in Millionen Euro; ³2014 und 2015 geschätzt;
Quelle: Unternehmensangaben, Banken-Research, IPO-Prospekt

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Der Streubesitz läge laut Unternehmensangaben bei mehr als 50 Prozent. Insgesamt emittiert Tele Columbus 51 Millionen Aktien, der Börsenwert zum Ausgabepreis erreicht somit 510 Millionen Euro. Bei einem Zuteilungspreis von 10 Euro je Aktien kommen durch Ausgabe der neuen Aktien 333 Millionen Euro zusammen, inklusive Mehrzuteilungsoption sogar 367 Millionen Euro. Auf jeden Fall sollen gut 300 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung direkt an Tele Columbus fließen, das damit rund 200 Millionen Euro der derzeit 617 Millionen Euro Schulden ablösen will. Der Rest der IPO-Einnahmen soll in den Netzausbau fließen.

Zahl der Anbieter steigt

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Im Dezember 2009 hatte ein Konsortium aus 150 Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften das Unternehmen für nur 2,5 Millionen Euro übernommen. Das waren alte Gläubiger, die ihre Forderungen in Anteile tauschten. 2012 wollte Kabel Deutschland Tele Columbus dann für 618 Millionen Euro übernehmen, zog aber zurück, nachdem das Bundeskartellamt die Fusion kritisch gesehen hatte.

Die Branche ist für Anleger interessant, weil die Zahl der Anbieter durch Fusionen und Übernahmen stetig abnimmt, der Datentransfer aber weiter wächst. Tele Columbus könnte so auch zum Übernahmeziel werden – das Argument spricht dafür, die Aktie spekulativ zu zeichnen. Neben Kabel-TV bieten die Netzbetreiber auch Telefonie und Internet an. Statt 50 Megabit/Sekunde, wie die meisten DSL-Anbieter, schaffen sie bis zu 400 MBit, sie haben damit einen Wettbewerbsvorteil. Dafür ist das Neukundenpotenzial begrenzt: Wo in den Achtzigern und Neunzigern keine leistungsfähigen Koaxial- oder Glasfaser-TV-Kabel vergraben wurden, können Haushalte nur mit erheblichem Aufwand ans Kabelnetz. Die Aktie ist riskant: Auf absehbare Zeit fallen noch Verluste an, die Verschuldung bleibt hoch. Dividende gibt es erst mal keine.

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