Börsengang abgesagt Deutsche Annington: Flop mit Ansage

Für die Deutsche Annington ist der Traum von der Börse vorerst vorbei, zu wenig Investoren interessierten sich für die Aktie. Auch die WirtschaftsWoche riet schon früh von der Zeichnung des Papiers ab.

Ein Schild der Immobilienfirma Deutsche Annington vor der Firmenzentrale. Das Immobilienunternehmen geht jetzt doch an die Börse. Quelle: dpa

Schluss, aus, vorbei: Für das Immobilienunternehmen Deutsche Annington ist der Traum vom Tanz auf dem Börsenparkett vorerst zum Alptraum geworden. Der größte private Wohnungsvermieter in Deutschland und der Mehrheitseigentümer Terra Firma sagten den Börsengang am Dienstagabend ab. Eigentlich war die Erstnotiz für Mittwoch geplant. Ob und wann es einen neuen Anlauf geben soll, ließ das Unternehmen offen. "Fürs erste ist Annington aber verbrannt", sagte ein Banker.

Am Dienstagmorgen, wenige Stunden vor dem Ende der Zeichnungsfrist, hatten Finanzkreisen zufolge erst für rund 80 Prozent der Aktien Kaufaufträge innerhalb der angestrebten Preisspanne von 18 bis 21 Euro vorgelegen, wie die Insider sagten. Doch für einen erfolgreichen Börsengang ist eine mehrfache Überzeichnung nötig, damit die begleitenden Banken auswählen können.

Das Unternehmen selber rechtfertigt seinen Fehlversuch mit den "anhaltend ungünstigen Marktentwicklungen". Den Börsen fehlten zuletzt die Impulse, die mögliche Zinswende und Turbulenzen an den asiatischen Börsen lasteten in den vergangenen Wochen auf den Kursen. Wer allerdings allein das nicht optimale Marktumfeld für das Scheitern verantwortlich macht, macht es sich möglicherweise zu leicht.

Bereits zu Beginn der Zeichnungsfrist in der zweiten Junihälfte hatte die WirtschaftsWoche in einem Börsenkommentar auf die deutlichen Schönheitsfehler der Aktie verwiesen und insbesondere Privatanlegern von einem frühen Kauf der Aktie abgeraten. Angesichts der gerade einmal durchschnittlichen Kennzahlen des Unternehmens war der Preis offenbar zu hoch gegriffen. Beispielsweise liegt der Substanzwert der Gesellschaft (Net Asset Value) bei 4,3 Milliarden Euro. Zieht man allerdings die Steuervorteile ab, die das Unternehmen bei Wohnungsverkäufen in Zukunft nutzen will (latente Steuern), rutscht der Substanzwert weit unter den angepeilten Börsenwert. Wäre bei der Preisspanne von 18 bis 21 Euro alles nach Plan verlaufen, hätte der Konzern 4,3 bis 4,7 Milliarden Euro auf die Waage gebracht.

In den letzten Tagen vor Ende der Zeichnungsfrist wurde deutlich, dass auch die internationalen Investoren den geforderten Preis zu hoch fanden. Selbst eine Reduzierung des Emissionsvolumens von mehr als einer Milliarde auf 650 Millionen Euro konnte den Börsengang nicht mehr retten, wie beteiligte Banker sagten. Das Konsortium um die US-Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley hatte verzweifelt versucht, die Aktien in letzter Minute noch an den Mann zu bringen - vergeblich. Die großen deutschen Fondshäuser winkten bei der Aktie reihenweise ab, wie aus Finanzkreisen verlautete. "Der faire Preis würde nach unserer Einschätzung bei 16,38 Euro liegen", hieß es von einer Gesellschaft. "Eine Verlängerung der Zeichnungsfrist bringt gar nichts", sagte ein Beteiligter im Vorfeld. "Zu 17 Euro ließen sich die Aktien platzieren, aber ich weiß nicht, ob Terra Firma sich darauf einlässt." Eine Senkung des Ausgabepreises war allerdings von Terra Firma ausgeschlossen worden. Zu Jahresbeginn hatte der Annington-Rivale LEG Immobilien bei seinem Börsengang zwar alle Aktien untergebracht, doch haben deren Zeichner auf dem Papier seither fast zehn Prozent ihres Engagements verloren.

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