Börsengang Die Gewinne von Twitter liegen im Dunkeln

Twitter plant den Börsengang - womöglich noch im November. Beim Börsengang könnte der Kurznachrichtendienst zehn Milliarden Dollar oder mehr wert sein. Ergiebige Gewinnquellen fehlen aber noch.

Social Media an der Börse
TwitterKurz vor dem Börsengang waren die Investoren heiß auf den Kurznachrichtendienst: Die Nachfrage nach der Aktie war so hoch, dass Twitter den Ausgabepreis von erst mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar hochschrauben konnte. Das sieben Jahre alte Unternehmen, das noch nie auch nur in die Nähe von schwarzen Zahlen gekommen ist, war damit schon vor dem Läuten der Börsenglocke in New York gut 14 Milliarden Dollar wert. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie dann sogar bei 44,90 Dollar. Twitter konnte die Investoren bislang überzeugen, dass die Wachstumsaussichten gut sind und mit dem Anziehen der Werbeerlöse auch die Gewinne folgen werden. Aber es gibt keine Garantie, dass diese Rechnung aufgeht. Und wie lange hält die Geduld der Börsianer, wenn erst einmal Quartal für Quartal weiterhin rote Zahlen in der Bilanz auftauchen sollten? Schließlich wird Twitter jetzt nicht mehr wie in den ersten Jahren im Verborgenen agieren können, sondern unter voller Transparenz. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass das Wachstum abflache und Twitter mit 230 Millionen Nutzern weltweit immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen ist. Quelle: REUTERS
Facebook soll einen Börsengang der Superlative planen Quelle: dpa
Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus Quelle: REUTERS
LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen Quelle: REUTERS
Spiele-Anbieter Zynga Quelle: dapd
US-Portal Yelp hat erste Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht Quelle: dapd
Yandex Quelle: REUTERS
Pandora Quelle: handelsblatt.com
GoogleFacebook wurde bei seinem Mega-Börsengang besonders am großen Rivalen Google gemessen, der seine Anteile 2004 auf den Markt brachte. Bei einem Ausgabekurs von 85 Dollar nahm Google rund 1,9 Milliarden Dollar ein - der bisher größte Internet-Börsengang. Der erste Kurssprung fiel mit 20 Prozent zwar vergleichsweise moderat aus - dafür steht der Kurs im September 2013 bei gut 891 Dollar, der Internet-Konzern ist damit fast 291 Milliarden Dollar wert. Quelle: REUTERS

Stilecht hat der Kurznachrichtendienst Twitter seine Börsenpläne per Kurznachricht angekündigt. Über 200 Millionen Menschen weltweit tauschen sich auf Twitter aus. Schon lange war über den Zeitpunkt des IPOs spekuliert worden. In einigen Monaten, eventuell schon im November, soll es nun so weit sein.

Geschäftszahlen hält Twitter trotzdem geheim – vorerst. Nach einer US-Sonderregel können Unternehmen mit unter einer Milliarde Dollar Umsatz ihren Prospekt erst kurz vor Börsenstart veröffentlichen. Klar ist: Es braucht viel Euphorie, um an den Geschäftserfolg zu glauben.

Wie sich Nutzerzahl und Unternehmenswert von Twitter entwickelt haben (zum Vergrößern anklicken)

Andere Internet-Unternehmen, wie Facebook und Groupon, hatten in den vergangenen Jahren ihren Börsengang verstolpert. Die Kurse rutschten ab, sind aber seit Herbst 2012 deutlich gestiegen. Von dieser neuen Zuversicht, dass sich Nutzerzuspruch irgendwann auch finanziell auszahlt, will Twitter profitieren. In vorbörslichen Finanzierungsrunden ist die Bewertung schon massiv gestiegen. Für den Börsengang wird Twitter auf 10 bis 15 Milliarden Dollar geschätzt. Immerhin stieg die Zahl aktiver Nutzer genauso stark (siehe Grafik). Trotzdem: Tragfähig ist die Bewertung nur, wenn jeder Nutzer genug Geld und Gewinn bringt. Zum IPO würde jeder Twitter-Nutzer mit etwa 50 Dollar bewertet. Ambitioniert.

Geld verdient Twitter nur durch Werbung

Bezahlen müssen Twitter-Nutzer nicht. Das Verschicken und Lesen von Nachrichten ist für Privatnutzer kostenlos. Geld verdient das Unternehmen mit Werbung, die in den Nachrichtenstrom der Nutzer eingeklinkt wird. Kostenpflichtig ist auch der unlimitierte Zugriff auf den Twitter-Datenstrom, der an lizenzierte Partner verkauft wird.

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In Zukunft wird Twitter die Kommerzialisierung forcieren müssen. Denn die geschätzten Umsatz- und Gewinnzahlen sind noch mau. Mit Werbung, der Haupteinnahmequelle, soll Twitter dieses Jahr 580 Millionen Dollar Umsatz machen. Für nächstes Jahr halten Analysten 950 Millionen Dollar für realistisch. Angeblich ist Twitter mittlerweile profitabel. 2011 blieben unter dem Strich laut Schätzungen rund 94 Millionen Dollar Verlust.

Die vielen Unwägbarkeiten haben für Anleger Vor- und Nachteile: Twitter wird in einem deutlich früheren Stadium an die Börse gehen als Facebook. Das dürfte die Euphorie bremsen und damit auch das Risiko von Kursstürzen mindern. Für langfristige Wertzuwächse muss Twitter aber erst beweisen, dass es sein Nutzerwachstum wirklich in bares Geld ummünzen kann.

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