Börsengang Facebook verzockt sich

Noch nie ist ein großer Börsengang so in die Hose gegangen wie der von Facebook. Die Gründe dafür sollten Anleger von einer Investition abhalten.

Die Aktien der alten und neuen Internet-Riesen
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T-Online Bis heute das größte Internet-IPO aller Zeiten, was das Einspielergebnis betrifft: Umgerechnet 2,9 Milliarden Dollar nahm die Telekom-Tochter im April 2000 ein. 27 Euro je Aktie bezahlten Anleger. 2004 bot die Telekom 8,99 Euro als Rücknahmepreis. Ex-Aktionäre erstritten 2010 erst eine Nachzahlung über 1,38 Euro; 2011 wies sie das Bundesverfassungsgericht dann ab. Quelle: Bloomberg
Groupon Der Rabatthändler startete mit einer ambitionierten Bewertung im vergangenen Jahr an der Börse. Den Ausgabekurs haben Aktionäre der ersten Stunde seither nicht wieder gesehen. Und dabei konnte Groupon erst vor kurzem den ersten Gewinn vermelden. Aber die Zweifel am Geschäftsmodell nehmen zu. Quelle: Bloomberg
Pandora Nightmare on Wall Street: Der Kurs des Internet-Radiobetreibers Pandora hat sich schnell halbiert. Wegen Urheberrechtsprobleme hat sich Pandora auch vom deutschen Markt zurückgezogen. Quelle: Bloomberg
Yandex Die russische Suchmaschine lässt Google im Heimatmarkt keine Chance. Nach dramatischen Kursverlusten 2011 erholt sich die Aktie seit Jahresbeginn wieder, liegt aber immer noch fast die Hälfte unter dem Kurs bei Erstnotiz. Quelle: Bloomberg
YelpNoch recht frisch an der Börse, hat die Yelp-Aktie bereits einige Kurskapriolen hinter sich und liegt derzeit deutlich im Minus. Quelle: Bloomberg

600 Prozent Gewinn mit Facebook? Kein Problem. Anleger, die sich am vergangenen Freitag für 1000 Euro bis September laufende Verkaufsoptionen (Puts) auf den Börsenneuling ins Depot legten, freuen sich heute über einen Gewinn von 6000 Euro. Der Kurs von Facebook selbst ist seit seiner Emission um 20 Prozent abgestürzt, von seinem Freitag-Hoch gar um ein Drittel.

Das hat Gründe: Zunächst überreizten die Emissionsbanken die ursprüngliche Spanne von 28 bis 35 Dollar um drei Dollar, dann erhöhten sie auch noch die zu emittierende Aktienanzahl. Die rein auf Computertechnik basierende Nasdaq, an der Facebook an die Börse ging, zeigte eindrucksvoll, dass sie dem guten alten Parketthandel gnadenlos unterlegen ist: 90 Minuten dauerte es bis zur ersten Kursfeststellung. Und der lag dann auch noch erschreckend niedrig. Zumindest an den Flüsterschätzungen gemessen, die eine Kursverdopplung kolportiert hatten.

Als wäre das nicht alles schon genug, senkte auch noch ein Analyst der emissionsbegleitenden Bank Morgan Stanley die Facebook-Prognose und ehemalige Facebook-Nutzer reichten eine 15-Milliarden-Dollar-Klage gegen das Netzwerk wegen Datenmissbrauchs ein. Besonders die Prognosesenkung, die während der Roadshow ausgewählten institutionellen Investoren bekannt gemacht wurde, ist ein einmaliges Negativ-Highlight während eines Börsenganges. Das selbst die Feuerkraft von 33 Emissionshäusern, die Facebook an die Börse hievten, nicht ausreichte, um den Kurs wenigstens auf Ausgabepreis zu halten, spricht Bände. Eigentlich müsste sich der Kurs auch mal wieder berappeln.

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Aber Vorsicht Zocker: Während der Roadshow sind auch Fristen für den späteren Aktienverkauf von Altaktionären noch einmal verkürzt worden. Der große Aktienüberhang kommt also noch im Laufe des Jahres. Und überhaupt sollte man von einem Unternehmen Abstand nehmen, das zwar mit dem höchsten Börsenwert aller Zeiten an den Markt ging, das zwar 2011 immerhin vier Milliarden Dollar Umsatz machte, das aber einen Börsengang hinlegte, der an die letzten Klitschen der Hightech-Blase 1999/2000 erinnert.

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