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Börsengang von Alibaba Chinas Megakonzern greift an

Chinas Internet-Riese Alibaba will beim Börsengang mehr Geld einsammeln als je ein Unternehmen zuvor. Damit will der Konzern Amazon und Ebay überholen. Aber Geld allein wird dazu nicht reichen.

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Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

300 Millionen Kunden soll Alibaba haben. 80 Prozent aller Online-Käufe in China wickelt der Konzern ab. Der Warenumsatz ist dreimal so groß wie der von Amazon. Und dabei verdient Alibaba viel besser also als der amerikanische Online-Händler, die Auktionsplattform Ebay - und sogar also der Online-Krake Google. Vom unmittelbaren Handelsumsatz des Unternehmens von rund acht Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr bleibt fast die Hälfte. 3,6 Milliarden Dollar, als Gewinn in den Alibaba-Kassen. Die Gewinnmarge ist damit mehr als doppelt so hoch wie beim Großverdiener Apple.

Seine Gewinne bringt Alibaba jetzt im ganz großen Stil an die New Yorker Börse. Weil es Ausländern verboten ist, Anteile an einem chinesischen Unternehmen zu besitzen, überträgt Alibaba alle Gewinne an eine Gesellschaft im Steuerparadies Cayman Islands.

Diese Form, chinesisches Recht zu umgehen, haben auch andere Unternehmen aus dem Reich der Mitte schon erfolgreich praktiziert, um Aktien im Ausland verkaufen zu dürfen. Alibabas Aktien sollen ab Freitag, 19. September, an der Wall Street notieren - und zuvor bis zu 24,3 Milliarden Dollar von Investoren weltweit einsammeln. Mehr hat noch kein Unternehmen zuvor durch einen Börsengang kassiert.

Der Aufstieg von Alibaba

Damit wagt ein Quasi-Monopolist aus seinem abgeschotteten Markt im bevölkerungsreichsten Land der Erde den Sprung in das Herz des Kapitalismus. Die Vorfreude in New York auf den Rekord-IPO ist groß, die Voraussetzungen für einen erfolgreiche Börsenstory sind günstig. Alibaba wird das größte Unternehmen aus China an einer US-Börse sein.

Alibaba-Gründer Jack Ma tourt bereits um die Welt, um Käufer für die neuen Aktien zu finden. Er will mindestens 21,1 Milliarden Dollar für die Anteile. Nur wenn die Nachfrage hoch genug ist, sollen weitere Aktien nochmal 3,2 Milliarden Dollar einbringen. Deshalb bietet er zunächst 320 Millionen Aktien für einen Preis zwischen 60 und 66 Dollar das Stück an. Innerhalb dieser Preisspanne können Investoren Angebote für Aktienpakete abgeben.

Wenn die Aktien reichlich Abnehmer für 66 Dollar finden, dürfte die Mehrzuteilungsoption für weitere 48 Millionen Aktien an die Börse kommen. Am 18. September will Alibaba mitteilen, zu welchem Preis die Papiere an die Investoren ausgegeben werden.

Die wichtigsten Bereiche von Alibaba

Das alles klingt nach Goldrausch und Kursrakete. Dabei kannte noch vor ein paar Monaten hierzulande und in Übersee kaum jemand Alibaba und seinen Gründer Jack Ma - der zugleich der reichste Mann Chinas ist. Das hat einen guten Grund, denn Alibaba profitiert davon, dass westliche Internetriesen wie Amazon, Ebay, Google und Facebook in China nicht erwünscht sind, weil sie sich nicht an die dortigen Spielregeln halten wollen, etwa zur Zensur. Somit bleibt es Chinas Unternehmen selbst vorbehalten, den riesigen heimischen Markt zu bedienen - unbeeinflusst von der mächtigen Konkurrenz aus den USA.

Das hat Alibaba groß gemacht. Das Internet-Versandhaus ist seit seiner Gründung vor 15 Jahren rasant gewachsen. Über Alibaba-Portale werden heute weit mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Mit den Milliarden aus dem Börsengang will Alibaba noch viel größer werden. Die spannende Frage ist daher, wozu Jack Ma die Milliarden aus dem Aktienverkauf verwenden will und wie seine Wachstumsstrategie aussieht. Ist soviel Geld überhaupt nötig oder sinnvoll einsetzbar?

Wachstum vor allem im Inland

Das große Geschäft macht das Unternehmen bislang mit den Handelsplattformen Taobao, Tmall und Alibaba. Das besondere: Erstere richten sich gezielt an Privatleute, letztere vor allem an Unternehmen. Da sich Firmen und Verbraucher gleichermaßen bei dem Internet-Giganten tummeln, ist Alibaba größer als Amazon und eBay zusammen. Zudem verfügt die Unternehmensgruppe mit Alipay über einen eigenen Bezahldienst – ganz ähnlich Ebays Paypal.

Weil jeden Tag mehr Chinesen das Online-Shopping für sich entdecken, wächst der Markt rasant. Und bei derzeit knapp 1,4 Milliarden chinesischer Bürger, ist das Potential auf Jahre noch nicht ausgeschöpft.

Auf dem Weg zur Weltspitze
LenovoProdukte: Smartphones, PCs, Tablets Umsatz/Gewinn: 34 Mrd. $/1 Mrd. $ Marktanteile weltweit/China: 18,6 %/40 % Umsatz in China: 70 %, mit Motorola stark in den USA Markkapitalisierung: 11,4 Mrd. $ Story: setzt auf Masse und versucht, nach den PCs nun auch bei Smartphones die Nr. 1 zu werden Konkurrenz:Samsung Umsatz: 327 Mrd. Dollar Gewinn: 20 Mrd. Dollar Apple Umsatz: 178,1 Mrd. Dollar Gewinn: 38,5 Mrd. Dollar HP Umsatz: 81,7 Mrd. Dollar Gewinn: 5.1 Mrd. Dollar Umsatz und Gewinn beziehen sich, wenn nicht anders erwähnt auf 2013 Quellen: Unternehmensangaben Quelle: AP
AlibabaProdukt: Online-Handel Umsatz/Gewinn: 8 Mrd. $/3,6 Mrd. $ Position in China: Nr.1|Warenumsatz: 248 Mrd. $ Marktkapitalisierung: Schätzungen bis zu 200 Mrd. $ Story: geht demnächst an die Börse, expandiert mit seinem Flaggschiff Taobao in Südostasien, übernimmt in den USA Wettbewerber Konkurrenz:Ebay Umsatz: 16 Mrd. Dollar Gewinn: 2,8 Mrd. Dollar Amazon Umsatz: 81,7 Mrd. Dollar Gewinn: 2,8 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
QorosProdukt: Autos Umsatz/Gewinn: k. A./255 Mio. $ Verlust Marktanteile/Marktkapitalisierung: vernachlässigbar/nicht börsennotiert Position in China: erste weltmarktfähige Limousine Story: Produktion läuft an, 2015 rund 300 000 Fahrzeuge geplant, Expansion in Schwellenländer und Osteuropa, gegen Premiumhersteller Konkurrenz:Fernziel ist der Wettbewerb mit den weltweiten Premiumanbietern aus Europa, Asien und den USA. Dadurch gerät zum Beispiel VW ins Visier. Quelle: AP/dpa
UnionpayProdukt: bargeldlose Zahlung Umsatz/Gewinn(2011): 1 Mrd. $/k.A. Marktanteile: 3,5 Mrd. Kreditkarten in China Marktkapitalisierung: k. A. Position in China: Nr. 1, nur fünf Prozent Story: zweitgrößtes Bezahlnetzwerk nach Visa Auslandsumsatz Konkurrent:Visa Umsatz: 11,8 Mrd. Dollar Gewinn: 4,9 Mrd. Dollar
TencentUmsatz/ Gewinn: 10 Mrd. Dollar/ 2,5 Mrd. Dollar Produkt: Soziale Netzwerke Position in China: Messenger WeChat 400 Mio. Nutzer; Marktführer in China, 100 Millionen außerhalb Marktkapitalisierung: 150 Mrd. Story: weltweite Expansion, Übernahme von US Computerspieleherstellern Konkurrenz:Facebook Umsatz. 7,9 Mrd. Dollar Gewinn 1,5 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
XaomiProdukt: Smartphones Umsatz/Gewinn (1. Hj. 2014): 5,3 Mrd. $/k. A. Marktanteile: 14 % in China Position in China: Senkrechtstarter, 26 Mio. verkaufte Handys 1. Hj. 2014 Story: Handys kosten nur 100 $, aktiv in Südostasien, Expansion nach Russland und in andere Schwellenländer, fast nur Online-Verkäufe, hauchdünne Margen Konkurrenz:Samsung Umsatz: 327 Mrd. Dollar Gewinn: 20 Mrd. Dollar Apple Umsatz: 178,1 Mrd. Dollar Gewinn. 38,5 Mrd. Dollar Quelle: REUTERS
BaiduProdukt: Internet-Suchmaschine Umsatz/Gewinn: 5,2 Mrd. $/1,7 Mrd. $ Marktanteile: ca. 65 % in China Marktkapitalisierung: 74 Mrd. $ Position in China: Marktführer Story: Größter Auslandsmarkt Brasilien, Expansion im arabischen Raum, zensiert Inhalte in China Konkurrenz: Google Umsatz: 59,8 Mrd. Dollar Gewinn: 12,9 Mrd. Dollar Quelle: dpa

Alibaba wird es keinesfalls riskieren, seine Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt zu verlieren. Investitionen in den Ausbau und Festigung der Markposition sind unabdingbar, zumal sich die Situation zuspitzt. Erst im vergangenen Monat haben sich die großen Konkurrenten Baidu (Suchmaschine), Tencent (Online-Handel) und Dalian Wanda (Einkaufszentren) gegen Alibaba verbündet und ein eigenes E-Commerce-Unternehmen angekündigt.

Kein Wunder also, dass sich das Alibaba-Engagement bislang hauptsächlich auf den Heimatmarkt und den asiatischen Kontinent beschränkt. Im Westen ist das Unternehmen meist nur proforma und – wie im Fall des deutschen Alibaba-Portals - mit schlecht übersetzten Ablegern der asiatischen Originale vertreten. Einer der ersten größeren Schritte um auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen, stammt aus dem Juni diesen Jahres. Auf der Website „11Main“ können ausgewählte Boutiquen und Modehändler ihre Waren online verkaufen. Klingt wie eine Art Elite-Zalando für eine spezielle, kleine Käuferschicht und ist wohl eher eine Art Schaulaufen für Investoren, denn ein richtiger Angriff auf Ebay und Amazon.

Was Sie über Alibaba wissen müssen


Dass sich Alibaba direkt und mit ganzer Kraft mit den Platzhirschen auf ihren Heimatmärkten anlegt, scheint ohnehin unwahrscheinlich. Eigene Tauschbörsen und große Online-Marktplätze von Alibaba sind hier vorerst nicht zu erwarten. Ein Taobao-Ableger ist hingegen in Schwellenländern wie Indien oder Indonesien gut vorstellbar. Auch dort gewinnt das Online-Shopping an Bedeutung, der Markt wächst und ist noch nicht in fester Hand.

Zuletzt hat sich Alibaba vor allem durch Zukäufe außerhalb des klassischen E-Commerce-Sektors hervorgetan. Der Handelsriese investierte in die Weibo genannten twitterähnlichen Mikroblogs, in Clouddienste mit Online-Datenspeichern, Browser, die große Videoplattform Youku und Filmproduktionen. Mehrere hundert Millionen hat die Gruppe zudem in amerikanische Start-Ups wie den Nachrichtendienst Tango und den Fahrdienst Lyft investiert. Alibaba setzt zurzeit viel daran, seine Macht auf mehrere Säule zu stellen.

Altaktionäre füllen sich die Taschen


Mit den zusätzlichen Börsen-Milliarden sind weitere und vor allem größere Investitionen möglich, die die Alibaba-Gruppe von einem Handels-Giganten zum alles-umfassenden Online-Riesen machen würden.

Für Anleger dürfte an diesem Punkt die erste Ernüchterung bevorstehen. Denn ein großer Teil des Geldes wird Alibaba nutzen, um alte Anteilseigner für die Abgabe von Aktien zu bezahlen. Mehr als 60 Prozent der angebotenen Aktien stammen von bisherigen Aktionären. Nur knapp 40 Prozent des angebotenen Papiere spülen frisches Geld in die Alibaba-Kasse, voraussichtlich gut acht Milliarden Dollar.

Den größten Batzen unter den Alteigentümern erhält ausgerechnet eine Internet-Ikone vergangener Tage: Yahoo. 2005 hatte sich die amerikanische Suchmaschine für eine Milliarde Dollar mit 40 Prozent an Alibaba beteiligt, später seinen Anteil reduziert. Seinen verbliebenen 22,5-Prozent-Anteil will Yahoo beim Börsengang auf 16 Prozent reduzieren. Dadurch könnte die kränkelnde Internet-Ikone bestenfalls mehr als acht Milliarden Dollar einnehmen.

Gründer Jack Ma will seinen Anteil auf 7,8 Prozent reduzieren. Er könnte so 840 Millionen Dollar einnehmen. Sein Vize-Chairman Joe Tsai will nur 3,2 Prozent der Aktien behalten und sich durch den Verkauf bis zu 280 Millionen Dollar ins Portmonnee stecken. Alibabas Börsengang dient somit primär dem Reichtum der Altaktionäre. Nur der größte Eigentümer, die Investmentbank Softbank, behält mit 32 von 34 Prozent den weitaus größten Teil ihrer Aktien fürs erste.

In wen Alibaba investiert

Überhaupt dürften die neuen Aktionäre kaum oberste Priorität bei Alibaba genießen. Schon in der Vergangenheit gab er bekannt, dass an erster Stelle die Kunden, an zweiter Stelle die Mitarbeiter und erst an dritter Stelle die Investoren stehen. Durch Aktien in Form von ADS (American Deposit Shares) muss Ma auch nicht den Einfluss der stimmrechtslosen Aktionäre fürchten. Er selbst sowie ein 27-köpfiges Gremium von Vertrauten bestimmen allein über die Zukunft des Unternehmens.

Wenig überraschend ist daher das verhaltene Interesse der Anleger an Alibaba. Die Risiken dürften den Profi-Investoren durchaus bewusst sein, ihre Stimme dürfte keinen großen Einfluss auf die Geschäftspolitik haben. Und anders als bei Facebook, bei denen das Investoren-Interesse sehr groß war, ist Alibaba in den USA noch immer weitgehend unbekannt.

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Andererseits bestehen kaum Zweifel, dass Alibaba der Sprung an die Börse gelingen wird. Das Geschäft ist hochprofitabel und wächst auf dem Heimatmarkt immer noch rasant. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Geschäftsjahresende immer im März) hat sich der Nettogewinn auf zwei Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Ein Milliarde Dollar davon kam durch eine Höherbewertung von zwei Tochtergesellschaften zustande.

Anleger, die genauer wissen wollen, ob sich ein Investment in Alibaba lohnt, sollten sich mit dem Börsenprospekt beschäftigen, der inzwischen auf den Seiten der US-Börsenaufsicht SEC zugänglich ist.

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