Börsenkommentar

Achtung vor Segmentwechseln

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Wechselt ein Unternehmen in ein niedrigeres Börsensegment, bedeutet das für Anleger nichts Gutes.

Zehn Crashaktien für Zocker
Das Schild einer Commerzbank-Filiale mit Logo hängt unweit der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Das solara<uto Solarauto "Solarworld GT" Quelle: dapd
Ein Werksmitarbeiter arbeitet in Wiesloch beim Heidelberger Druckmaschinenhersteller Quelle: dapd
Die Außenansicht eines Nokia-Ladens Quelle: dpa
in Mitarbeiter eines Praktiker Baumarktes steh vor einem Regal Quelle: dapd
Passanten vor einer UniCredit-Filiale in Rom Quelle: dapd
Das Logo der Firma Alcatel-Lucent Quelle: dapd
Das Hauptquartier von Telecom Italia Quelle: AP
Bernhard Burgener vor dem neuen Firmenlogo Quelle: dpa
Das Logo des Pay-TV-Senders Sky Quelle: dpa

Die Amerikaner machen ernst: Der US-Maschinenbauer Terex verfrachtet den Kranbauer Demag, einst Teil von Mannesmann und bis zur Übernahme durch Terex ein stolzer Wert im MDax, in ein unreguliertes Börsensegment, den Entry Standard. Börse ist nicht gleich Börse, in Frankfurt werden Aktien in vier Märkten gehandelt: Prime Standard, General Standard, Entry Standard und Open Market. Je weiter es nach unten geht, desto weniger Informationen bekommen Anleger, und desto weniger Rechte haben sie.

Die Tipps der Fondsmanager

Prime und General Standard sind gesetzlich reguliert, ab Entry Standard gelten nur privatrechtliche Börsenregeln, wie einst am Neuen Markt. Das heißt: Ad-hoc-Mitteilungen über kursbewegende Ereignisse sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aufkäufer müssen sich erst melden, wenn sie mehr als 25 Prozent der Aktien beisammen haben – nicht ab drei Prozent, wie im regulierten Markt. Vorstände müssen nicht anzeigen, wenn sie Aktien verkauft haben, und Aktionäre haben, wenn ihr Unternehmen aufgekauft wird, kein Recht auf ein Übernahmeangebot. Zudem muss der Vorstand sich nicht neutral verhalten, sondern darf mit Großaktionären kungeln.

Unterm Strich gilt: Ab Entry Standard beginnt der Wilde Westen. Für junge Unternehmen, die hier erst mal Börse lernen sollen, bevor sie in höhere Segmente aufsteigen, ist das in Ordnung. Gefahr im Verzug ist aber, wenn ein etabliertes Unternehmen die regulierte Zone verlässt. Zuletzt haben dies zum Beispiel Schiffsfondsinitiator HCI Capital, Puppenhersteller Zapf Creation („Baby Born“) und das Einbecker Brauhaus getan. Ihnen hilft, dass das Bundesverfassungsgericht gerade verkündet hat, ein Wechsel eines Unternehmens in einen unregulierten Markt sei auch ohne Entschädigung der Aktionäre in Ordnung. Seither häufen sich die Fälle, in denen Unternehmen sich davonmachen.

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Demag steigt ab

Demag ist im Juli schon vom Prime in den General Standard geschickt worden. Demnächst soll der Konzern, der an der Börse gut eine Milliarde Euro wert ist, sich mit einem Haufen Kleinunternehmen im Entry Standard tummeln. Begründet wird der Wechsel, wie immer, mit den Kosten, die all die gesetzlichen Pflichten verursachten. Glaubwürdig ist das nicht: Die Düsseldorfer haben allein zwischen April und Juni netto 69 Millionen Euro verdient, die paar Hunderttausend Euro, die ein Listing im geregelten Handel mehr kostet, wären da locker drin. Naheliegender ist die Vermutung, dass Terex die Rest-Aktionäre von Informationen abschneiden und langfristig vergraulen will. Terex hält 82 Prozent der Demag-Aktien, hätte aber wohl gerne alle. Zehn Prozent besitzt der Hedgefonds Elliott, der auf eine hohe Abfindung spekuliert. Ist Demag erst mal abgestiegen, könnte sich Terex mit Elliott auf eine Abfindung einigen, ohne diese auch Privataktionären zahlen zu müssen. Alle Aktionäre gleich behandeln muss ein Unternehmen nur in einem regulierten Markt. Nicht aber im Entry Standard.

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