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Börsentipps Welche Analysten ihr Geld wert sind

Ein guter Analyst bringt Investoren bares Geld. Das Problem ist nur: Die guten Experten sind nicht leicht zu finden. Eine Analyse des Handelsblatts zeigt, welcher Experte auf Dauer echten Mehrwert liefert.

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Die allerwenigsten Wertpapierspezialisten tauchen regelmäßig in den Ranglisten auf. Quelle: dpa

Frankfurt Nur wenige Analysten machen auf Dauer gute Arbeit. Andererseits: Wer auf die wenigen guten Experten hört, der kann damit bares Geld verdienen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Starmine. Das US-Analysehaus, das zum weltgrößten Finanzdatenlieferanten Thomson Reuters gehört, hat für den „Analysten-Award 2013“ ermittelt, welcher Experte den Anlegern im vergangenen Jahr den meisten Mehrwert gebracht hat. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

„Einschätzungen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und die Notenbankpolitik beherrschten die Arbeit der Analysten“, sagt Raj Shah, Chef von Starmine. Richtig lag nur, wer rechtzeitig im Frühjahr seine Empfehlungen auf fallende Kurse anpassen konnte. Im Sommer galt es dann, das Versprechen der Euroland-Regierungen für Verluste klammer Banken Europas zu haften und die Zusage des EZB-Präsidenten Mario Draghi, „alles Erforderliche“ für den Euro zu tun, rasch als Kursturbo für die Börsen zu erkennen. „Gewonnen hat, wer schnell differenzierte“, sagt Shah. Treffgenaue Gewinnschätzungen waren in diesem Umfeld ebenfalls besonders herausfordernd.

Zu den Aktientipps, die den höchsten Gewinn einbrachten, gehörte beispielsweise die Kaufempfehlung des Industrie-Analysten Sebastian Ubert von der UBS für den Roboterhersteller Kuka aus dem MDax, bevor sich der Aktienkurs fast verdoppelte. Auch der Tipp der Telekom-Spezialistin Heike Pauls von der Commerzbank für den Mobilfunkanbieter Drillisch aus dem TecDax hätte für einen Vermögenszuwachs von 70 Prozent gesorgt. Umgekehrt hätte die Warnung des IT-Spezialisten Harald Schnitzer der DZ Bank vor dem Maschinenbauer Singulus aus dem Prime Standard Anleger vor einem Verlust von 77 Prozent bewahrt.

Starmine bewertet seit mehr als zwölf Jahren die Qualität von Aktienempfehlungen und Gewinnschätzungen. Um die Besten herauszufiltern, haben die Experten 1537 Analysten von 175 Wertpapierhäusern untersucht, die insgesamt 584 deutsche Aktien beobachten. Nur rund 15 Prozent der Analysten konnten sich für die Awards qualifizieren.

Die allerwenigsten Wertpapierspezialisten tauchen regelmäßig in den Ranglisten auf, gerade mal drei Prozent. „Es ist schwer stets besser als die Konkurrenz zu sein, besonders bei Aktien, über die man leicht Informationen bekommt“, sagt Shah.


Die Gewinner des Jahres

Einer dieser Ausnahme-Analysten ist Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, der bislang die meisten Auszeichnungen von Starmine erhalten hat und in diesem Jahr gleich drei Preise bekommt. Pieper hat sowohl über alle Sektoren hinweg die besten Aktienempfehlungen abgegeben wie auch im Sektor Auto und Industrie . Der Automobil-Spezialist gilt als einer der „erfahrensten seiner Branche, der seine Industrie von Grund auf kennt und einschätzen kann“, lobt Shah. Generell hat die Qualität der Analystenarbeit seiner Einschätzung nach zugenommen: Etwa ein Zehntel mehr Analysten als im Jahr zuvor gaben etwa passende Empfehlungen ab.
Unter den Siegerhäusern gaben die globalen Broker in Durchschnitt etwas bessere Empfehlungen ab als die lokalen Wertpapierhäuser. Drei Viertel der Analysten internationaler Häuser gaben passende Tipps ab, während dies nur 69 Prozent der Spezialisten lokaler Anbieter schafften.


Globale Anbieter konzentrieren sich dabei vor allem auf die 30 Standardaktien aus dem Dax und einige größere Werte aus dem MDax. Dagegen stellten lokale Anbieter ihre Expertise bei mittelgroßen und kleineren Werte und ihre lokale Präsenz heraus, wie Shah betont. Das erklärt den großen Anteil lokaler Anbieter unter den Prämierten, wird für den Award doch der gesamte deutsche Aktienmarkt betrachtet.
So nennt Stefan Bielmeier, Leiter Research bei der DZ Bank, denn auch neben „guter Sektoreinschätzung“ und „profunder Kenntnis von Unternehmen“ die Nähe zu Unternehmen als Erfolgsfaktoren für die Arbeit der Analysten. Die DZ Bank ist mit elf Auszeichnungen der beste Broker für 2013. Für Bielmeier sind „die seit Jahren starken Kursschwankungen die eigentlichen Herausforderungen“ für seine Sparte. Shah lobt Nischenexpertise und ein gut verzahntes Research des Hauses. Dies werde immer wichtiger, zumal große Investoren Risiken für die Firmengewinne besser verstehen wollten als etwa in ökonomisch stabileren Zeiten. Eine der Herausforderungen für die DZ-Bank-Analysten dürfte sein, dies mit einer um rund ein Drittel kleineren Mannschaft zu stemmen: Die Zahl der Analysten wurde aus Kostengründen von 27 auf 18 reduziert. Mehr als 100 Aktien werden aber weiterhin „in voller Tiefe“ analysiert, wie Bielmeier betont. „Einige Sektoren werden wir weniger tief covern“, sagt er und nennt als Beispiel den Immobilienbereich.


Konkurrenzkampf wird härter

Zweitbester Broker ist die Commerzbank mit neun Auszeichnungen vor HSBC mit acht Preisen. Analysten beider Häuser hätten sehr genau unterschieden zwischen gut und schlecht laufenden Aktien, sagt Starmine-Mann Shah. Dafür sei 2012 ein starkes volkswirtschaftliches Research nötig gewesen. So stellt Commerzbank-Aktienresearch-Chef Dolleschal denn auch heraus, dass sich seine 30 Analysten für insgesamt 150 deutsche Aktien besonders eng mit den Ökonomen der Bank abstimmten, seit die Märkte extrem durch volkswirtschaftliche und politische Ereignisse getrieben seien. HSBC-Aktienresearch-Chef Thomas Teetz betont dagegen, dass seine 20 Analysten für insgesamt 130 deutsche Aktien besonders vom globalen Netzwerk des Hauses profitierten. Die Analysten der Commerzbank fielen vor allem auf mit relativ genauen Aktienempfehlungen. Die rund Experten von HSBC wurden gleichermaßen für passende Aktienempfehlungen und Gewinnschätzungen prämiert.

Der Konkurrenzkampf unter den Analysten wird auch aus einem anderen Grund härter: Immer weniger Banken leisten sich ein eigenes Aktienresearch, das bekanntlich quersubventioniert wird durch Einnahmen im Aktienhandel. Grund: Die Umsätze im Handel sind deutlich gesunken und konzentrieren sich immer stärker bei globalen Brokern.
Allein in Deutschland haben rund zehn Wertpapierhäuser in den vergangenen zwei Jahren ihr Aktienresearch massiv zusammengestrichen oder sogar ganz aufgegeben, darunter finden sich bekannte Namen wie die Bayern LB, die BHF-Bank, die LBBW, Sal. Oppenheim, die Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank, die WestLB.
Und wer am Markt bleibt, steht im harten Konkurrenzkampf um den verbleibenden Umsatz. Den Großteil der Einnahmen aus dem Aktienhandel kassieren globale Broker, den Rest müssen sich die lokalen Anbieter teilen. Nur wer es schafft, einer der Top-Nischenanbieter zu sein, könne profitabel sein“, sagt Christoph Dolleschal, Leiter Aktienresearch der Commerzbank, der eben dies für sein Haus beansprucht. „Und auf Dauer ernährt der (deutsche) Markt eben nur noch drei bis vier Researchhäuser, nicht mehr zehn.“ Die lang erwartete Marktbereinigung sei in vollem Gang.

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