BörsenWoche Wie geht es im Dax weiter?

Krieg und Geopolitik, Inflation und Zins, sowie eingetrübte Konjunkturausblicke werden die Kurserholung im Dax auf eine harte Probe stellen. Quelle: Imago

Der Dax stabilisiert sich zum Wochenauftakt weiter – aber die Grundrisiken bleiben bestehen. Was Anleger jetzt beachten sollten. Ein Kommentar.

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Während der Krieg in der Ukraine täglich verheerender wird, kehrt im Dax vorerst Ruhe ein. Nach dem fulminanten Anstieg um 16 Prozent innerhalb von zwei Wochen beendete das wichtigste deutsche Börsenbarometer die vergangene Woche nahezu unverändert. Damit liegt der Index wieder auf dem Niveau zu Kriegsbeginn.

Die sinkende Volatilität spiegelt die Unsicherheit der Anleger wider. Welche Richtung der Dax einschlagen wird, ist freilich kaum zu sagen. Die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage machen allerdings wenig Hoffnung auf einen weiteren dynamischen Anstieg in naher Zukunft. Denn das Geschäft der deutschen Unternehmen wird gleich dreifach belastet: Krieg und geopolitische Unsicherheiten, rasant steigende Inflation und die damit einhergehende Zinspolitik der Notenbanken, sowie zerrüttete Lieferketten trüben die Aussichten ein.

Das deutsche Exportmodell steht unter Druck: Die ohnehin durch die Pandemie angeschlagenen Lieferketten werden durch den Krieg in der Ukraine weiter belastet. Besonders hart trifft das etwa die Automobilindustrie und ihre Zulieferer, denen nun neben Chips auch Kabelbäume fehlen. Hinzu kommt, dass die Konjunktur im wichtigen Absatzmarkt China durch eine neue Covid-Welle, Probleme im Immobiliensektor und ein eingetrübtes Konsumklima abkippen könnte. Die chinesische Regierung aber auch der internationale Währungsfonds (IWF) rechnen mit dem schwächsten Wachstum seit 30 Jahren. Viele deutsche Unternehmen würden das spüren.

Ins Kontor produzierender Unternehmen schlagen auch die hohen Energiepreise. Öl und Gas haben sich seit Kriegsbeginn rasant verteuert, ein Embargo als Sanktion gegen Russland steht weiterhin im Raum, könnte die Preise erneut spürbar befeuern – und die Versorgung ohne Importe aus Russland ist derzeit nicht zuverlässig gesichert.

Wohin diese Gemengelage führen kann, zeigen die aktuellen Konjunkturprognosen. Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland jüngst um bis zu 40 Prozent reduziert. Und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) meldet im aktuellen Finanzmarktreport den stärksten Rückgang der Konjunkturerwartungen seit Beginn der Umfrage vor gut 30 Jahren.

Die Aussichten sind somit eher düster, eine weitere Eskalation des Krieges im aktuellen Kurs nicht eingepreist. Die jüngste Erholung dürfte vielmehr eine technische Reaktion auf den dynamischen Ausverkauf gewesen sein als die langfristig positive Wende. Dafür spricht auch die Charttechnik: Zum derzeitigen Stand um 14.400 Punkte notiert der Dax weiterhin deutlich unter dem mittelfristigen Trend, der bei 15.250 Punkten verläuft und der 200 Tagelinie, die bei 15450 Punkten liegt.

Die Abwärtsbewegung ist damit weiterhin intakt. Dennoch könnte sich im Bereich 14.100 bis 14.500 ein breiterer Kursboden bilden. Sollte der Dax im Wochenverlauf abkippen, kommt es darauf an, dass die Notierungen sich oberhalb des Bereichs 13.000 bis 13.300 Punkten halten. Ansonsten wäre ein erneuter Rutsch nicht unwahrscheinlich. Angesichts der unübersichtlichen Lage halten wir in unseren Musterdepots weiterhin Pulver trocken und warten auf neue Impulse.

Hier geht's zum aktuellen Finanzbrief

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Woche.

Ihr

Jan-Lukas Schmitt

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