Branchentreff 'Super Return' Firmenjäger wollen Image aufpolieren

Bei ihrem Gipfeltreffen in Berlin finden Finanzinvestoren zu neuem Selbstbewusstsein – und legen sich zwecks Imagepflege schon mal passende Argumente für den Bundestagswahlkampf zurecht.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostiziert eine Belebung des Private-Equity-Geschäfts Quelle: dapd

Trotz der anhaltenden Eurokrise blicken internationale und deutsche Firmenkäufer bei ihrem Gipfeltreffen diese Woche in Berlin optimistischer in die Zukunft als in den vergangenen Jahren. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC prognostiziert auf Grundlage einer aktuellen Umfrage eine Belebung des Private-Equity-Geschäfts. Auch laut einer Erhebung durch die Unternehmensberatung Roland Berger wird der Anteil der mit privatem Beteiligungskapital finanzierten Unternehmensübernahmen an den gesamten M&A-Transaktionen in 2013 steigen. Vor allem in Deutschland wollen die Investoren ihr Engagement ausweiten und mehr Deals eintüten.

Aufsehen erregt hat bereits die international tätige Private-Equity-Gesellschaft Advent International durch die Übernahme des Einzelhandelskonzerns Douglas mit seinen Parfümerien und der Buchhandelskette Thalia. Der Megadeal Ende vergangenen Jahres hat andere Investoren in dem Glauben bestärkt, dass jetzt wieder große Übernahmen glücken können. Hierzulande populär ist auch das Investment von CVC Capital Partners in den Essener Spezialchemiekonzern Evonik. Der Investor sowie die RAG-Stiftung als Haupteigentümerin wollen das Unternehmen nach mehreren Anläufen in diesem Frühjahr endlich an die Börse bringen. Aus dem CVC-Portfolio steht auch der ebenfalls in Essen beheimatete Ablesedienst Ista zum Verkauf, der für Immobilieneigentümer Energie- und Nebenkosten erfasst. Außerdem suchen die Investoren Permira und KKR Käufer für ihre Aktienpakete an dem Münchner Medienkonzern Pro7Sat1.

Diese Unternehmen machten nach der IPO dicht
HessKaum vier Monate nach dem Börsengang ist der Leuchtenhersteller Hess pleite. "Die Hess AG ist zahlungsunfähig", stellte der neue Alleinvorstand Till Becker fest und kündigte den Gang zum Insolvenzgericht an. Verhandlungen mit dem Großaktionär, der Familie Hess, über eine Kapitalspritze waren ebenso gescheitert wie Gespräche mit neuen Investoren. Diese fürchten die Risiken von Klagen verärgerter Aktionäre, die seit Oktober fast ihren ganzen Einsatz verloren haben. Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler waren vor drei Wochen unter dem Verdacht der Bilanzfälschung geschasst worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei dem Unternehmen aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs durch falsche Angaben im Börsenprospekt. "Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- beziehungsweise Fremdkapitalzufuhr durch Investoren", teilte der Hersteller von Straßenlaternen mit. Mit dem Insolvenzantrag rund vier Monate nach der IPO stellt Hess einen traurigen Rekord auf. So schnell gingen nicht einmal die Unternehmen vom Neuen Markt pleite. Quelle: dpa
GigabellAm 11. August 1999 ging der Internet- und Telefonanbieter Gigabell mit Sitz in Frankfurt an die Börse. Der Emissionspreis der Aktie lag bei 38 Euro, nur wenig später war das Papier - der Dotcom-Euphorie sei Dank - mehr als 130 Euro wert. Dann geriet das Unternehmen ins Trudeln. Am 15. September 2000 meldete Gigabell Insolvenz an. Damit begann das Ende des Nemax und der deutschen Dotcom-Blase. Quelle: dpa
Biodata Information TechnologyAuch das in der IT-Sicherheit tätige Unternehmen Biodata hielt nicht viel länger durch. Der Anbieter von Verschlüsselungssoftware und Netzwerkkomponenten ging im Jahr 2000 an die Börse. Die Aktie, ausgegeben zu 45 Euro, erreichte schon am ersten Tag astronomische Höhen von 300 Euro und mehr. Der Höchstkurs lag bei 439 Euro. Nur hatten diese Summe nichts mit dem tatsächlichen Wert des Unternehmens zu tun, Biodata schrieb laufend Verluste. Im November 2001 meldete das Unternehmen dann Insolvenz an. Quelle: dpa
Kabel New Media1993 gründete Peter Kabel das Unternehmen Kabel New Media, mit dem er 1999 auch an die Börse ging. Das Beratungsunternehmen erlitt ein ganz ähnliches Schicksal wie andere im Nemax gelisteten Firmen und hinkte mit den tatsächlichen Umsätzen den Entwicklungen an der Börse hinterher. Die Folge: Im Juli 2001 stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag, am ersten September 2001 wurde das Verfahren eröffnet. Gegen Geschäftsführer Kabel ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels, der Kursmanipulation und Insolvenzverschleppung. Im Juni 2007 stellt das Amtsgericht Hamburg das Verfahren gegen Peter Kabel wegen gegen eine Geldauflage von rund 14.000 Euro ein. Quelle: dpa
Brain InternationalDas Softwareunternehmen Brain International ging im Jahr 2000 im Segment "Neuer Markt" an die Börse. Nur zwei Jahre später, am 30.8.2002 eröffnete das Amtsgericht Freiburg das Insolvenzverfahren für die drei Gesellschaften Brain International AG, Breisach, Brain Automotive Solutions GmbH und Brain Industries Solutions GmbH.
Ceyoniq Die Bielefelder Softwarefirma Ceyoniq hielt nach dem Börsengang noch gut vier Jahre durch: 1998 wagte das Unternehmen den Schritt aufs Parkett, 2001 rutschte es in die Verlustzone. Rund 90 Millionen Euro Miese machten die Bielefelder, wiesen aber sämtliche Pleitegerüchte von sich. Auch die Aktie ging auf Talfahrt - bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Jahr 2002 hatte das Papier bereits 98 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die Vorstände der Ceyoniq AG kamen wegen Betrugsverdachts vorübergehend in Untersuchungshaft.
ComroadAuch Bodo Schnabel, Gründer der Comroad AG, beendete seine Karriere am neuen Markt in einer Zelle. Das Unternehmen, das Navigationsgeräte herstellte, startete am 26. November 1999 erfolgreich am Neuen Markt in Frankfurt und gehörte bald zu den Topwerten im Nemax. Anfang 2002 wurde dann bekannt, dass Comroad im großen Stil Scheingeschäfte getätigt hatte - und das bereits seit 1998. Rund 95 Prozent der Umsätze waren erfunden. Im April 2002 wurde Comroad wegen Bankrotts geschlossen, Vorstandsvorsitzender Schnabel landete in Untersuchungshaft. Quelle: dpa

Ob sich CVC beim Evonik-Börsengang nur selbst die Taschen vollmacht oder ob auch die neuen Aktionäre profitieren werden, muss sich zeigen. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zeigt jedenfalls, dass von Finanzinvestoren an die Börse gebrachte Unternehmen den neuen Aktionären höhere Kursgewinne bescheren als IPOs, die von industriellen Alteigentümern durchgeführt werden. Wie die Wirtschaftsprüfer erklären, profitiert eine Aktie aus Sicht der Anleger davon, wenn ein Unternehmen von Finanzprofis auf den Kapitalmarkt vorbereitet werde, die bei solchen Transaktionen Routine besitzen. „Das in der Öffentlichkeit teilweise verbreitete Misstrauen gegenüber Private-Equity-Firmen lässt sich am Aktienmarkt nicht nachweisen“, sagt Nadja Picard, Partnerin und Kapitalmarktexpertin bei PwC.  

Finanzinvestoren besitzen in Deutschland ein schlechtes Image, weil sie ihre Deals vor allem in der Vergangenheit oft mit hohen Schulden finanziert haben, die sie dann den gekauften Unternehmen aufbürdeten. Rund 70 Milliarden Euro dieser Altkredite stehen nach dem Boom vor der Finanzkrise in den kommenden Jahren zur Rückzahlung oder Refinanzierung an. Zudem sorgt der Einstieg einer Investmentgesellschaft regelmäßig für Unruhe bei der Belegschaft, weil die neuen Eigentümer das Unternehmen auf Effizienz trimmen und Personalkosten sparen.

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