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Britische Buchmacher Wetten auf das Euro-Aus

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Überquellende Abschusslisten

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

Zuletzt kündigte US-Manager Paul Sinclair an, seinen gut 450 Millionen Dollar schweren Fonds Expo Capital Management dichtzumachen. Sinclair verbuchte Verluste, politische Entscheidungen hätten seine Aktien im Nachhinein negativ beeinflusst. „Ich kann mir keinen Vorteil erarbeiten mit Blick auf die griechischen Wahlen, das spanische Bankensystem oder was die Europäische Zentralbank, der Internationale Währungsfonds, Angela Merkel oder die Federal Reserve tun werden“, erklärte er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Wer noch im Geschäft ist, tappt weiter im Dunkeln. Die meisten Investoren wissen eher, was sie nicht mehr kaufen wollen, als umgekehrt. Auf den öffentlich vorgetragenen Abschusslisten landen jetzt immer häufiger Staatsanleihen aus Spanien und Italien. Die beiden Länder, erinnert Chris Iggo, Chefanleger für Anleihen bei Axa Investment Managers, machten rund 30 Prozent des Staatsanleihemarktes der Euro-Zone aus. „Sofern diese und andere Peripheriemärkte für Investoren weiterhin tabu sind – wohin soll das Geld dann fließen?“, fragt er rhetorisch.

Doppelt so hoher Zins

Für spanische und italienische Staatsanleihen wird es eng. Die Spanier konnten am Donnerstag der vergangenen Woche zwar 2,22 Milliarden Euro leihen, müssen aber für zweijährige Papiere mit 4,7 Prozent im Schnitt mehr als doppelt so viel Rendite bieten wie in der letzten vergleichbaren Auktion im März.

Investoren beschäftigen sich jetzt mit der Frage, ob ihnen mit den spanischen Papieren ein ähnliches Schicksal droht wie mit griechischen. „Die Politiker“, sagte ein hochrangiger Frankfurter Investmentbanker nach der Griechen-Wahl, „haben einen Kardinalfehler gemacht, als sie private Gläubiger am griechischen Schuldenschnitt beteiligt haben, die EZB aber ausgenommen wurde.“ Weil die Zentralbank keine Verluste machen sollte, mussten private Investoren deutlich mehr Geld abschreiben als erwartet. Je mehr Staatsanleihen die EZB nun von Spanien und Italien kauft, desto gefährlicher wird es für Private, am Ende wieder schlechter dazustehen.

Die Furcht vor dem Auseinanderbrechen der Euro-Zone bewegt den Dax Quelle: Intrade, Thomson Reuters

Griechen setzen auf Austritt

So wie der Investmentbanker trauen viele Investoren der Politik nicht mehr über den Weg – und meiden Papiere aus Krisenstaaten. Das steigert die Chance auf Staatsbankrotte – und damit auf ein Euro-Aus. Dieses von Dax-Investoren eher gefürchtete Szenario (siehe Chart) wiederum zieht reinrassige Zocker an. Wenn schon wetten, dann richtig, so ihr Kalkül. Die Plattform bieten ihnen die britischen Buchmacher, die seit jeher Wetten zu allen nur denkbaren Themen annehmen.

Selbst der mit allen Wassern gewaschene britische Wettanbieter William Hill hat seine Griechen-Exit („Grexit“)-Wette allerdings erst nach der Wahl in Griechenland wieder aufgenommen. Er wollte sich am Euro nicht die Finger verbrennen. Es wäre dumm, hieß es, eine Wette auf den Euro-Exit während der Wahl aufrecht zu halten, wenn die Griechen über die Auszählung der Stimmen viel besser Bescheid wüssten als der Wettanbieter. Denn hätte die Partei Syriza gewonnen, wäre das Land kaum mehr im Euro zu halten gewesen, weil der Chef des radikalen Linksbündnisses, Alexis Tsipras, die Sparauflagen kündigen wollte.

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