Chancen für Anleger Klimawandel an der Börse

Die Regierung hat endlich beschlossen, einige Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen, auch international nimmt die CO2-Debatte langsam Fahrt auf. Der Sinneswandel ist auch an der Börse angekommen.

Braunkohletagebau Garzweiler Quelle: dpa

Bislang stand „Decarb“ für eine Diät, bei der Brot, Nudeln und Bananen vom Speisezettel fliegen, weil sie als Dickmacher gelten. Nach dem G7-Gipfel in Elmau und mit der Umwelt-Enzyklika Laudato si des Papstes bekommt die Decarb-Debatte eine neue Bedeutung – mit ganz anderer Wucht.

Weltpolitiker und Vatikan wollen Ressourcenverbrauch und den Kohlendioxid-Ausstoß (englisch: „carbon dioxide“) auf Diät setzen, um die Erderwärmung aufzuhalten. Die Politik hat in der Klimadebatte schon diverse Anläufe genommen, jetzt verstärkt sie den Druck. Auch die Große Koalition hat am Mittwochabend endlich beschlossen, einige Braunkohlemeiler in Deutschland stillzulegen.

So sehen Obamas Pläne zur CO2-Reduzierung aus

Dass der Westen damit Ölexporteuren wie Russland schadet, ist dabei eine vermutlich nicht unwillkommene Nebenwirkung.

Für die USA gab deren Umweltbehörde EPA gerade eine Studie zum Klimawandel heraus. Ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen rechnet die Behörde in den USA ab 2050 mit Tausenden Toten durch Luftverschmutzung und Überschwemmungen. Sollte der Meeresspiegel ansteigen, drohten Schäden an den Küsten, die Immobilienvermögen in Billionenhöhe vernichten könnten.

Mit der Decarb-Debatte ist hoffentlich ein Sinneswandel verbunden, der dazu führt, dass der Planet nicht noch bis zum letzten Öltropfen ausgepresst wird und die Welt etwa auf Ölbohrungen im Polarmeer verzichten kann. Dass wäre in jedem Fall eine gesunde Entwicklung – selbst wenn sie zu spät kommt, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Viele halten das ohnehin für genauso unmöglich, wie die Kontinentalverschiebung zu stoppen.

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An den Börsen wurde bereits ein neues Zeitalter eingeläutet. Staatsfonds, Uni-Stiftungen und Versicherer ziehen sich aus Öl- und Kohleinvestments zurück, Nachhaltigkeitskonferenzen und -produkte gehören für große Fondshäuser zum guten Ton. Notierte der weltgrößte Kohleförderer, Peabody Energy aus den USA, vor vier Jahren noch bei umgerechnet 50 Euro, ist die Aktie heute mit 2,45 Euro auf dem Weg zum Pennystock. Die Versorger RWE und E.On, die stark auf Kohlekraftwerke setzen, haben ebenfalls nur noch ein Viertel ihres einstigen Werts. Der deutsche Vermögensverwalter Jochen Wermuth warnt, dass in den Bilanzen von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen gewaltige Wertberichtigungen anstehen, weil diese nach den Beschlüssen des G7-Gipfels nur noch etwa 20 Prozent der bilanzierten Vorkommen ausbeuten könnten. Verlieren Öl exportierende Länder ihr gutes Bonitätsrating, weil ihr Rohstoff an Bedeutung verliert, dürfte dies die Anleihemärkte erschüttern.

Für Anleger tun sich Chancen auf. Seit Monaten entwickeln sich Windkraftanlagen-Bauer wie Vestas, Gamesa oder Xinjiang Goldwind besser als die Weltbörsen, während die Ölförderer BP oder Royal Dutch Shell schlechter laufen. Das französische Fondshaus Amundi hat jetzt einen Indexfonds zum Thema aufgelegt. Die Unternehmen darin sollen nur halb so viel CO2 ausstoßen wie die im Welt-Aktienindex MSCI. Immer nachvollziehbar ist die Aktienauswahl allerdings nicht: Die größte Aktie im Fonds ist ausgerechnet vom US-Ölförderer ExxonMobil.

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