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Chartgespräch „Der Dax wird aufs Neue fallen“

Der Dax legt am Montag weiter zu. Doch Charttechniker Klaus Deppermann warnt vor einem erneuten Einbruch. Signale dafür gebe es in Hülle und Fülle. Eine Wende sieht der Experte erst unter 5.000 Punkten.

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Experten befürchten, dass die Talfahrt des Dax noch lange nicht vorüber ist. Quelle: dpa

Düsseldorf Der Dax fällt, wenn sich Anleger keine Impulse mehr von der Politik zur Lösung der Schuldenkrise erhoffen, so wie am Donnerstag. Er steigt, wenn die Politik wider Erwarten doch liefert, so wie am Freitag. Sind in solchen Zeiten überhaupt Prognosen möglich, die auf einer Interpretation der Kurscharts beruhen?

"Kurzfristig nein", sagt Klaus Deppermann von der BHF-Bank, "doch politische Börsen haben kurze Beine." Insofern ist eine Prognose doch möglich. Über den Tag hinaus orientieren sich die Kurse nicht an Beschlüssen der Politik, die morgen ohnehin überholt sind.

Doch vielleicht wäre es besser gewesen, auf eine Prognose zu verzichten. Denn Deppermann ist pessimistisch. Er sieht die Börsen nach der kurzen Rally von Freitag neuerlich fallen. "Der Dax und weltweit fast alle anderen Börsenindizes befinden sich seit März auf Talfahrt. Es gibt keine Anzeichen für ein Ende." So gebe es bislang keinerlei Anzeichen auf einen Ausverkauf, einen Sell-Out - das heißt rasant fallende Kurse bei hohen Umsätzen.

"Eine Talfahrt endet fast nie mit niedrigen Umsätzen." Erst wenn jeder Verkaufswillige seine Order erfolgreich platziert habe, bestehe eine gute Chance für ein Ende der Talfahrt. Der Experte sieht den Dax sehr bald wieder fallen und eine Wende "erst im August oder spätestens im September mit Kursen knapp unter 5000 Punkten". Das Abwärtspotenzial beträgt demnach weitere 20 Prozent. Neben den geringen Umsätzen stimmen den Experten die miserable Verfassung vieler anderer Aktienindizes pessimistisch.

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    Sorge um Rohstoffpreise

    Der CAC 40 in Frankreich, der FTSE in Großbritannien, der Euro Stoxx 50 in der Euro-Zone und der MSCI World mahnten zur Vorsicht. "Überall haben sich Abwärtstrends etabliert." Am ehesten lässt sich der Dax-Kursindex mit diesen Indizes vergleichen. Hier werden die Dividenden nicht eingerechnet. Der Dax-Kursindex notiert auch nach der Rally am Freitag deutlich unter der 200-Tage-Linie, dem Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. Auch das ist ein Signal für den intakten Abwärtstrend.

    Vor allem der Aktien-Weltindex sei in einer bedrohlichen Situation. Hier hat sich über mehrere Jahre hinweg eine mehrfache Kursspitze herausgebildet. Das heißt, Kurshochs endeten auf Höhe oder unter den vergangenen Kursspitzen. Dies deutet auf erhöhte Abgabebereitschaft und wenig Kaufinteresse hin.

    Darüber hinaus sorgen Deppermann die rapide sinkenden Rohstoffpreise. Sie sind für ihn ein zuverlässiger Frühindikator. Der Ölpreis ist seit März um 30 Prozent und damit stärker als der Dax gefallen, der es in der Spitze nur auf ein Minus von 15 Prozent bringt. Die schwachen Edelmetalle wie Gold und Silber müssten erst nach oben durchstarten, ehe die Börsen für eine Wende reif seien. Die weit verbreitete Vorstellung, wonach der Goldpreis steigt, wenn Aktien fallen und dann sinkt, wenn Aktien zulegen, sei ein Irrglaube.

    Keine Vorhersage indes ohne Einschränkung: Sollte sich die Rally vom Freitag in der neuen Woche nachhaltig fortsetzen, würde Deppermann seine Prognose wohl revidieren. Denn dann hätten politische Börsen diesmal doch längere Beine. Es gilt aber auch: "Je schneller der neuerliche Erholungsversuch vom Freitag verpufft, desto rasanter wird anschließend die Talfahrt sein."

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