Chinas Börsen Anleger im Boom-Reich nervös

Pekings restriktive Geld- und Fiskalpolitik schreckt Investoren ab. An den Märkten in Hongkong und Shanghai halten sie sich zurück. Aber schon flackert Hoffnung. auf

Anzeigetafel an der Börse in Quelle: dpa

Chinas Wirtschaft wächst weiter mit Raten nahe zehn Prozent. In großen Städten wie Peking, Shanghai oder Kanton, aber auch in den so genannten Metropolen zweiten Ranges wie Dalian oder Xi’An, wird Tag und Nacht gebuddelt, geschraubt und geschweißt. Überall entstehen neue Wohnungen, Schnellstraßen oder U-Bahnen. Nur: Die Aktienmärkte spiegeln die wirtschaftliche Dynamik in China nicht wider. Der Shanghai Composite Index hat seit Anfang Januar drei Prozent verloren. Der Hang Seng Index in Hongkong büßte im selben Zeitraum rund ein halbes Prozent ein.

Grund für die Vorsicht der Anleger ist Pekings straffe Geld- und Fiskalpolitik. Als Chinas Statistiker im vergangenen Jahr Monat für Monat höhere Inflationsraten vermelden mussten, zogen Zentralbank und Regierung die Zügel an. Elf Mal haben die Behörden die Mindestreservesätze für Chinas Banken angehoben; vier Mal haben sie die Zinsen erhöht. Die meisten Analysten rechnen für die kommenden Monate mit zwei weiteren Zinserhöhungen, denn die Verbraucherpreise steigen zunächst weiter. Zuletzt kletterten die Preise um 5,3 Prozent. Ähnlich kräftig dürften die Zuwächse auch im Mai und Juni sein. "Ein Tiger", der zurück in den Käfig gehöre, sei die Inflation, warnte Chinas Premier Wen Jiabao kürzlich. Mit nennenswerten Anstiegen der Aktienindizes ist somit nicht zu rechnen.

Ausgebremst

Nicht wenige Beobachter fürchten inzwischen sogar, Peking könnte mit seinen Bremsmanövern übers Ziel hinaus schießen und für eine harte Landung der überhitzten chinesischen Wirtschaft sorgen. Sorgenvolle Blicke richten sich vor allem auf den Immobilienmarkt. Seit die Regierung hier Restriktionen eingeführt hat, ist die Zahl der Verkäufe von Häusern und Wohnungen drastisch gesunken, die Preise sind aber vorerst noch stabil. Jetzt erwägt Peking, die Immobiliensteuer, die bisher für die Städte Shanghai und Chongqing galt, auf alle Städte auszudehnen. Ein solcher Schritt dürfte ebenfalls für gedämpfte Dynamik an den Aktienmärkten sorgen.

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