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Chinas Kühlschrankriese Warum die Haier-Aktien in Frankfurt besonders billig starten

Der Sitz des Board of Directors der Haier Electronics Group in Qingdao. Quelle: imago

Chinas Kühlschrankriese Haier bietet seine Aktien in Frankfurt jetzt viel billiger an als in der Heimat. Was steckt dahinter?

Der Name Haier ist bei den meisten deutschen Konsumenten noch nahezu unbekannt, schließlich denkt man hierzulande beim Thema Haushaltsgeräte zuerst an Bosch, Siemens oder Miele. Doch ist das Großunternehmen aus der chinesischen Bierstadt Qingdao mit mehr als 13,3 Prozent Marktanteil Weltmarktführer beim Verkauf von Hausgeräten und hat 2016 die Hausgerätesparte des US-Traditionskonzerns General Electric geschluckt.

Der nun in Frankfurt erfolgende Börsengang von Qingdao Haier soll unter anderem dazu dienen, den Namen Haier bei der deutschen und europäischen Kundschaft bekannter zu machen. Für 1,05 Euro bietet das Unternehmen seine extra für den deutschen Markt neu herausgegebenen D-Aktien an. Der Angebotspreis liegt damit am unteren Ende der angekündigten Spanne von 1,00 bis 1,50 Euro je Aktie, in der Anleger und Investoren zeichnen konnten.

Haier wird mit etwa 278 Millionen Euro daher deutlich weniger einsammeln als die 457 Millionen Euro, die maximal angepeilt waren. Am kommenden Mittwoch soll die Haier-Aktie ihre Erstnotiz in Frankfurt feiern.

Um einen Börsenneuling handelt es sich bei dem Unternehmen allerdings nicht. Qingdao Haier, Spezialist für Kühl- und Gefrierschränke sowie Klimaanlagen notiert bereits seit 1993 an der Börse in Shanghai. Nicht zu verwechseln ist das Unternehmen mit seiner Schwester Haier Electronics, die Waschmaschinen herstellt und an der Börse von Hongkong gelistet ist.

Für Anleger und Investoren interessant ist ein Vergleich mit dem Preis der in Shanghai gehandelten A-Aktien von Haier. Auf die für chinesische Anleger bestimmten A-Aktien werden auch nach dem Börsengang mit mehr als 95 Prozent der Löwenanteil des Kapitals entfallen. Jedoch verbrieft laut Wertpapierprospekt eine chinesische A-Aktie den gleichen Anteil am Kapital und Stimmrecht wie eine der für Frankfurt bestimmten D-Aktien. Zudem sind die deutschen Aktien für das Jahr 2018 voll dividendenberechtigt.

Trotzdem kostet eine Haier-Aktie in China rund 60 Prozent mehr als der nun ausgerufene Angebotspreis für die D-Aktie von 1,05 Euro. So lag der Haier-Kurs an der Börse Shanghai am Freitag bei umgerechnet 1,68 Euro. Der Preisnachlass für die neu ausgegebenen Frankfurter Haier-Aktien beträgt also 37,5 Prozent.

Eine Haier-Sprecherin begründet den deutlichen Abschlag damit, dass es sich bei den Frankfurter Aktien um ein zweites öffentliches Angebot handelt und wies auch auf die allgemeine Marktlage hin. Die Börsen sind derzeit sowohl in China als auch in Deutschland gereizt, weil beide Länder mit ihren exportorientierten Volkswirtschaften besonders unter dem heraufziehenden Handelskrieg mit den USA leiden dürften.

Ein weiterer Grund für den Preisunterschied könnte jedoch auch darin liegen, dass deutsche und europäische Investoren und Anleger chinesischen Unternehmen wie Haier weniger Vertrauen entgegenbringen. Das hat mit der immer wieder beklagten mangelnden Rechtssicherheit in China zu tun sowie mit den rabiaten Geschäftspraktiken der Chinesen. Auch könnten hier die desaströsen Erfahrungen eine Rolle spielen, die Frankfurter Anleger bisher mit China-Aktien gemacht haben. In den Jahren bis 2012 hatten etwa 20 chinesische Mittelständler in Frankfurt rund 300 Millionen Euro eingesammelt, von denen mittlerweile kaum noch etwas übrig ist. Bei dieser ersten Welle handelte es sich aber vor allem um Unternehmen ohne internationales Profil, die noch keine Börsenerfahrung hatten.

Mit dem Großunternehmen Haier soll das nun anders werden. Die deutsch-chinesische Börse Ceinex will gezielt große und etablierte chinesische Unternehmen nach Frankfurt holen, die ihre Börsenreife in China bereits bewiesen haben und deren Management streng kontrolliert wird. Haier macht hier den Anfang und soll auch als Eisbrecher dienen. Denn bisher hat noch kein anderes chinesisches Unternehmen ein Aktiendebüt an der Ceinex gewagt.

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