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Coinbase-Börsengang (K)ein Bitcoin-Investment für Jedermann

Sollten Anleger künftig auf Coinbase setzen? Oder profitiert die Krypto-Aktie nur von der aktuellen Bitcoin-Euphorie? Quelle: imago images

Die Kryptobörse Coinbase ist an die Börse gegangen, die Bewertung ist mit 100 Milliarden Dollar gigantisch, befeuert von der aktuellen Bitcoin-Rally. Langfristig allerdings könnte Coinbase überholt werden.

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Endlich eine Lösung für Jedermann? Wer in den vergangenen Wochen neidisch auf den immer weiter steigenden Bitcoin-Kurs schielte, voller Ärger, sich damals, als die Kryptowährung noch viel billiger war, kein Kryptogeld gekauft zu haben, der kann jetzt aufatmen. Statt direkt in Bitcoin zu investieren, können Anleger nun Aktien der Kryptobörse Coinbase kaufen (ISIN US19260Q1076).

Am Mittwoch startete die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen per Direktlisting an der US-Wachstumsbörse Nasdaq. Bei dieser Form des Börsengangs, die zuvor schon Palantir und Spotify gewählt haben, werden keine neuen Aktien über eine Kapitalerhöhung angeboten, sondern nur Aktien aus dem Bestand der Altaktionäre verkauft. Mit Coinbase kommt ein Schwergewicht an die Börse. Der Marktwert des Pioniers für den Kauf und Verkauf von Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten in den USA erreichte beim Börsenstart rund 100 Milliarden Dollar, die Aktien notierte mehr als 50 Prozent über dem Ausgabekurse. Im Dezember 2020, als sich die Börsenpläne konkretisierten, gingen die Schätzungen gegen acht Milliarden Dollar. So schnell kann es gehen. Der Höhenflug der Kryptowährungen macht‘s möglich. Seit November hat insbesondere der Bitcoin als älteste und dem Volumen nach größte Kryptowährung eine atemberaubende Rally hingelegt. Wer Anfang November Bitcoin gekauft hat, hat seinen Einsatz mittlerweile fast verfünffacht.

Das klingt, als sei ein Investment in Coinbase-Aktien eine gute Alternative, um vom Krypto-Hype zu profitieren. Sollten Anleger also künftig auf die Krypto-Aktie setzen? Oder profitiert Coinbase nur von der aktuellen Krypto-Euphorie und ist in Wirklichkeit, angesichts der enormen Bewertung, schon jetzt eine gigantische Blase?

Wer an Kryptobörsen denkt, kommt um Skandale und Pleiten nicht herum. Zum Beispiel im Fall der als Tauschplatz für Sammelkarten gegründeten Bitcoin-Börse Mt. Gox. In den Anfangsjahren des Bitcoins war Mt. Gox der wohl wichtigste Handelsplatz für die älteste Kryptowährung der Welt, 2014 allerdings musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, nachdem Nutzern hunderttausende Bitcoins durch Insider gestohlen wurden.

Auch andere Börsen liefern immer wieder Pannen und kuriose Anekdoten. So kamen etwa im Februar Kunden der philippinischen Krypto-Börse PDAX in den Genuss, Bitcoin für gerade mal 6000 Dollar kaufen zu können – zu einem Zeitpunkt, als der tatsächliche Preis längst bei mehr als 35.000 Dollar lag. Auch Verkäufe waren nur für 6000 Dollar möglich. Am Ende musste die Börse zwischenzeitlich offline gehen, um die Fehler zu beheben, die Transaktionen wurden rückgängig gemacht.

Coinbase dagegen gilt als professionellere Alternative. Selbst Tesla-Chef Elon Musk hat die Börse genutzt, um 1,5 Milliarden Dollar an Barmitteln in Bitcoin zu tauschen. Auf Coinbase handeln inzwischen 56 Millionen Nutzer aus annähernd 100 Ländern der Welt. Im ersten Quartal kamen 13 Millionen hinzu. Verdient habe man laut Unternehmensangaben im Auftaktquartal zwischen 730 und 800 Millionen Dollar, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr, bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar.

Das ist eine fette Marge. Verdient wird das Geld derzeit aber vor allem über Transaktionsgebühren, die Nutzer für den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen bezahlen. 2020 kamen gut 95 Prozent der Einnahmen aus dieser Quelle. Der Geschäftserfolg wird also maßgeblich vom Handelsvolumen und den Transaktionsgebühren bestimmt. Hier profitiert Coinbase von seiner Pionierstellung – und langt kräftig zu. So zahlt ein Kleinzocker für den Kauf von Bitcoin-Anteilen im Wert von 100 Dollar beim aktuellen Marktpreis etwa 3,50 Dollar Gebühr – und noch mehr, wenn er die Transaktion über eine Kreditkarte abgewickelt.



Sicher aber ist jetzt schon: Auf Dauer reicht das nicht. Die Gebühren werden fallen, weil immer mehr Wettbewerber in den Markt drängen und die Nutzer plötzlich merken, dass sie bei Coinbase kräftig geschröpft werden. Das passiert spätestens, wenn die aktuelle Kryptohausse in einer von Gier getriebenen spekulativen Blase endet, der Markt crasht und danach eine längere Pause einlegt – wie nach dem erstmaligen Überwinden der Marken von 1000 Dollar Ende 2013 und 10.000 Dollar nach Ende 2017.

Daher gilt die Empfehlung für Bitcoin-Anleger: Bei einer Trendbeschleunigung und Kursen oberhalb von 100.000 Dollar Bestände abbauen.

Schon heute sind Wettbewerber von Coinbase preiswerter: Die Konkurrenzplattform Kraken verlangt für einen Auftrag wie den oben genannten 1,50 Dollar und Bitstamp, ein weiterer Wettbewerber, gar nur 50 Cent. Um dauerhaft bestehen zu können, muss Coinbase das Geschäft breiter aufstellen, etwa als digitale Verwahrstelle für institutionelle Investoren. Immerhin ist der Anfang gemacht. So wickelt One River Digital, der digitale Ableger des US-Hedgefonds One River Asset Management, neben dem Handel auch die digitale Verwahrung seine Kryptowährungen über Coinbase ab.

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Trotzdem droht auch Coinbase ein Ende wie den einstigen Internetpionieren AOL und Altavista. Die landeten in der Versenkung, weil sie von innovativeren Rivalen überholt und abgehängt wurden. Neben dezentralen Kryptobörsen stehen heute zudem mächtige Konzerne mit tiefen Taschen und einer gigantischen Kundenbasis an der Seitenlinie oder schon mit einem Fuß im Markt, etwa die Zahlungsabwickler Paypal und Square. „Zettelten sie einen Preiskrieg an, wäre Coinbase am Boden“, befürchtet William Quigley. Der Mitgründer des auf Kryptoanlagen spezialisierten Investmentfirma Magnetic war der erste institutionelle Investor in Paypal und hat über 25 Jahre Erfahrung als Risikokapitalgeber im Technologiesektor.

Mehr zum Thema: In Deutschland werden immer mehr Unternehmen gegründet, deren Geschäftsmodelle auf der Blockchain basieren. Treiber ist dabei der Bitcoin. Ist der Preis der Krytowährung hoch, werden mehr Start-ups gegründet.

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