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Coronavirus Asiatische Börsen taumeln nach Virusausbruch

Chinesische Fachleute haben die bisherigen Erwartungen zum Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie in der Volksrepublik zum Wochenauftakt korrigiert. Er wird nun später erwartet. Quelle: imago images

Das Coronavirus ergreift am ersten Handelstag nach den Feiertagen Asiens Aktienmärkte. Um die Panik in den Handelshäusern zu bremsen, setzt Chinas Zentralbank auf Wirtschaftsmaßnahmen und warnt vor Irrationalität.

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Am ersten Handelstag nach den Feiertagen um das asiatische Mondneujahrsfest (seit dem 23. Januar wurde nicht gehandelt) sind die Börsen infolge der sich verschärfenden Auswirkungen des Coronavirus auf die chinesische Wirtschaft abgestürzt. Die Investoren trennten sich als Reaktion auf die wachsende Angst vor der Ausbreitung des neuen Virus von riskanten Vermögenswerten. Infolgedessen stürzten die Kurse stürzten, mehr als 400 Milliarden Dollar Aktienwert wurden vernichtet.

Um eine Panik an den Handelshäusern abzuwenden, setzte die chinesische Regierung auf eine Reihe von Wirtschaftsmaßnahmen, einschließlich der unerwarteten Senkung des Leitzinses. Zusätzlich pumpte die People's Bank of China (PBOC) insgesamt 1,2 Billionen Yuan (173,81 Milliarden Dollar) in die Geldmärkte. Über sogenannte Repo-Geschäfte würde den Märkten am Montag Liquidität im Wert von 1,2 Billionen Yuan zugeschossen, teilte die chinesische Zentralbank auf ihrer Website mit. Damit werde die Gesamtliquidität im Bankensystem um 900 Milliarden Yuan höher liegen als im Vorjahreszeitraum.

Erst am Samstag hatten die Notenbanker mitgeteilt, dass sie mit verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen die Wirtschaft des Landes stützen und vom Virenausbruch betroffene Unternehmen helfen wollen. Analysten hatten die Liquiditätsbewegung zu einem späteren Zeitpunkt erwartet, wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus deutlicher sind. „Es ist eine klare Botschaft, dass sie wachstumsfördernde Maßnahmen ergreifen und den Markt beruhigen wollen“, sagte Mayank Mishra, Makrostratege bei der Standard Chartered Bank in Singapur. „Aber niemand weiß wirklich, wie viel schlimmer das werden wird.“

Zum Wochenauftakt versuchte die Zentralbank zu beruhigen: Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf Chinas Wirtschaft seien nur begrenzt und temporär, hieß es in der hauseigenen Zeitung der People's Bank of China. Die Finanzmärkte würden sich langfristig wieder normalisieren, heißt es in einem Kommentar der „Financial News“. Die gesunde langfristige wirtschaftliche Basis werde durch den Ausbruch des Virus nicht verändert. Die Aktienmärkte seien wegen einiger irrationaler Faktoren eingebrochen, heißt es weiter. Als Beispiel werden durch einen „Herdentrieb“ ausgelöste Panikverkäufe genannt.

In Tokio schloss der Leitindex Nikkei 225 am Montag mit einem Minus von 1,01 Prozent bei 22.971,94 Punkten. Der Hang Seng in Hongkong notierte dagegen zuletzt etwas fester mit plus 0,16 Prozent auf 26.354,81 Punkten. In Hongkong war bereits in der letzten Woche gehandelt worden. Die Börse in Shanghai lag 8,1 Prozent im Minus. Der Shanghai Composite Index fiel am Montag um 7,72 Prozent, während der Component Index im südchinesischen Shenzhen um 8,45 Prozent absackte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,6 Prozent.

Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen gab um 7,88 Prozent auf 3688,36 Punkte nach. „Die Ansteckungswelle innerhalb Chinas scheint ihren Höhepunkt noch nicht erreicht zu haben“, hieß es in einem Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg. Aus Sicht von Portfoliomanager Andrew Harmstone von Morgan-Stanley ist damit für Investoren erst mal weitere Zurückhaltung angezeigt: „Noch ist nicht der richtige Zeitpunkt, um wieder einzusteigen“, sagte der Experte der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Panikverkäufe dürften demnach noch zunehmen.

Erste Umfragen deuten bereits an, dass die Coronavirus-Epidemie Chinas Wirtschaft bereits im Januar negativ beeinflusst hat. Einer privaten Umfrage zufolge ist die Industrie der Volksrepublik im Januar wohl so langsam wie seit fünf Monaten nicht mehr gewachsen. Der Caixin/Markit Index (PMI) verringerte sich von 51,5 im Dezember auf 51,1 und verfehlte damit die Erwartungen. Analysten hatten mit einem Wert von 51,3 gerechnet. Er blieb damit aber über der Schwelle von 50, die Wachstum signalisiert. Laut der privaten Konjunkturumfrage liegen die Gründe im Abrutschen der Exportaufträge nach drei Monaten Expansion in die Kontraktion und im Rückgang der Auftragseingänge.

Die Ergebnisse, die sich vor allem auf kleine und exportorientierte Unternehmen konzentrieren, waren etwas optimistischer als die Ergebnisse einer am Freitag veröffentlichten offiziellen Umfrage, die zeigte, dass das Wachstum ins Stocken geraten war. In dem Ergebnis der Caixin-Umfrage spiegelt sich noch nicht der Ausbruch des Corona-Virus in China wider, der in der vergangenen Woche zu landesweiten Verkehrsbeschränkungen und Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit geführt hat, die bereits den Reise-, Tourismus- und Einzelhandelssektor betreffen und das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten schwer belasten könnte. „Kurzfristig wird auch Chinas Wirtschaft von der neuen Lungenentzündungsepidemie betroffen sein“ und wird mehr staatliche Unterstützung benötigen, sagte Zhengsheng Zhong, Direktor für makroökonomische Analysen bei der CEBM Group zu den neuesten Zahlen.

Während des Sars-Ausbruchs in den Jahren 2002/2003 fiel Chinas Wirtschaftswachstum innerhalb weniger Monate um zwei Prozentpunkte, aber erholte sich schnell, sobald die Krankheit unter Kontrolle gebracht war. Sowohl die chinesische Nachfrage als auch die Weltwirtschaft waren jedoch im Allgemeinen stabiler.

Opec will Mitte der Woche über Folgen des Coronavirus beraten

Die Ölförderländer wollen diese Woche über die Folgen der Verbreitung des Coronavirus beraten. Das Treffen sei für Dienstag und Mittwoch in Wien geplant, verlautet aus Kreisen der Opec+, also den Förderländern, die nicht in der Opec sind. Es werde wahrscheinlich darüber gesprochen, ob die gegenwärtigen Förderquoten über März hinaus verlängert oder gedrosselt werden sollen.

Die Lage in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei hat sich derweil nicht verbessert. Sie sei weiter „ernst und schwierig“, sagt Vize-Gouverneurin Xiao Juhua auf einer Pressekonferenz. Allein in Hubei sind dem staatlichen Fernsehen zufolge am Sonntag 56 weitere Todesfälle durch das Coronavirus registriert worden. Die Gesamtzahl betrage damit 350 in der Region um die Millionenstadt Wuhan. Es seien zudem 2103 neue Erkrankungen hingekommen. Montagmorgen waren weltweit mehr als 17.300 Infizierte mit dem Coronavirus gemeldet worden. Die Zahl der Erkrankten in Deutschland liegt früheren Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zufolge weiter bei zehn.

Höhepunkt der Epidemie in China doch erst später als bisher erwartet

Ein Abschwung der Erkrankungswelle rückt derweil in weitere Ferne: Chinesische Fachleute haben die bisherigen Erwartungen zum Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie in der Volksrepublik infolge der Erkrankungssituation zum Wochenauftakt korrigieren müssen. „Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in zehn Tagen bis zwei Wochen erwartet wird“, sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan, nach Angaben chinesischer Staatsmedien vom Montag. Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden. „Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen.“

Damit korrigierte der bekannte Experte seine bisherige Vorhersage von vor einer Woche, als er den Höhepunkt noch für Ende dieser Woche vorhergesagt hatte. Warum er den Zeitpunkt jetzt doch weiter in die Zukunft verschieben musste, sagte Zhong Nanshan nicht. Obwohl die Ausbreitung des neuartigen Erregers zunimmt und das Virus bereits in jeder Provinz und Region Chinas nachgewiesen ist, rechnet er nach eigenen Worten nicht mit einem „nationalen Ausbruch“. „Es könnte eher nur ein partieller Ausbruch sein“, sagte Zhong Nanshan.

Der Experte verwies auf radikale Maßnahmen wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für mehr als 50 Millionen Menschen in Zentralchina, verlängerte Ferien, Fieberkontrollen, abgesagte Veranstaltungen und persönliche Vorsichtsmaßnahmen, die bei den Bemühungen helfen dürften.

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