WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Curevac, Trivago & Co. Sitz in Holland, Millionen aus den USA

Gefragt ist ein Firmensitz in Amsterdam vor allem bei Wachstumsunternehmen, die an der US-Börse Nasdaq Investoren anwerben wollen. Quelle: imago images

Amsterdam punktet im Wettbewerb der europäischen Börsen auch mit lockerer Regulierung. Für Aktionäre ist die nicht immer ein Vorteil.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Londons Finanzbranche leidet unter dem Brexit und die Niederländer nutzen ihre Chance. Indem sie Unternehmen anziehen, zum Beispiel. Gefragt ist ein Firmensitz in Amsterdam vor allem bei Wachstumsunternehmen, die an der US-Börse Nasdaq Investoren anwerben wollen. Letzter prominenter Fall war der von SAP-Gründer Dietmar Hopp finanzierte Impfstoffhersteller Curevac, an dem auch der Bund beteiligt ist. Firmen wie Curevac lassen ihr Geschäft in Deutschland, verlegen ihren Sitz formal in die Niederlande und lassen sich dann in den USA an der Börse listen.

Denselben Weg gingen schon die deutschen Biotechwerte Qiagen, Affimed Therapeutics und im vergangenen Jahr Centogene. Auch das Düsseldorfer Reiseportal Trivago nahm seinen formalen Sitz in den Niederlanden und suchte dann Geldgeber in den USA.

Warum Unternehmen die Nasdaq wählen, ist klar: In den USA gibt es mehr Risikokapital, gerade für Biotechs zahlen Investoren mehr. Aber warum der Firmensitz in den Niederlanden? Weil das lockere niederländische Aktienrecht Großaktionären mehr Freiheiten lässt: „Unternehmen mit rechtlichem Sitz in Deutschland sind restriktiveren gesellschaftsrechtlichen Regelungen unterworfen,“ sagt Kapitalmarktrechtler Henning Bloss, Partner der Kanzlei Covington & Burling in Frankfurt.

Schnell einen Großinvestor reinholen und dem für 100 Millionen neue Aktien zum Vorzugspreis verkaufen – das geht nach niederländischem Recht, aber nach deutschem Recht nicht. „Sie dürfen bei einer Kapitalerhöhung, wenn Drittinvestoren neue Aktien zu Vorzugskonditionen bekommen sollen, nur in engen Grenzen neue Aktien ausgeben,“ sagt Bloss.

Werden die bisherigen Aktionäre ausgeschlossen, dürfen Unternehmen das Kapital nur um maximal zehn Prozent erhöhen, und das nur zu einem Preis nahe am Börsenkurs. „Biotechs sind sehr kapitalintensive Unternehmen, die immer neue Finanzierungsrunden brauchen,“ sagt Bloss. „Ein Abschlag von weniger als zehn Prozent zum Börsenkurs ist aber oft zu wenig, um neue Investoren anzulocken. Gerade US-Investoren erwarten da einen höheren Discount.“ Diese Beschränkungen seien der Hauptgrund für Unternehmen, sich einen Sitz in den Niederlanden zu suchen.



„Die Niederländer sind hier flexibler, sehr umtriebig und gut darin, ihren Finanzplatz attraktiver zu machen,“ sagt Bloss: „Für den Finanzplatz Deutschland ist es ein Verlust, dass einige Unternehmen abwandern, für Bestandsaktionäre, die nicht beliebig verwässert werden können, ist der Schutz dagegen sinnvoll.“ So bleiben auch Kleinaktionäre auch nach Kapitalerhöhungen im Spiel, selbst wenn neue Aktien zu sehr günstigen Kursen platziert werden – und sie behalten ihren angemessenen Anteil an den künftigen Gewinnen.

Mehr zum Thema: London gehört zu den wichtigsten Finanzplätzen der Welt. Doch seit dem Brexit verliert die City Teile ihres Geschäfts. Frankfurt sah sich als Gewinnerin – muss aber plötzlich gegen Amsterdam kämpfen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%