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"Dark Pools" Wie alternative Plattformen den Aktienhandel bedrohen

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Keine Handelsüberwachung an priv. Plattformen

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS

Kritiker stellen nicht nur die Technik, sondern auch die Moral an vielen Dark Pools infrage. Der Argwohn richtet sich insbesondere gegen die Systematischen Internalisierer (SI), also jene Plattformen, auf denen Banken Aktienaufträge verschiedener Kunden gegeneinander ausführen. Dieses „Matching“ verläuft aber offenbar nicht immer ganz reinlich, vermutet Christoph Boschan, Mitglied des Vorstands der Börse Stuttgart.

„Die Betreiber von SI führen Aktienorders oft gegen die eigenen Handelsbestände aus. Damit sind natürlich vehemente Interessenkonflikte verbunden“, sagt der Börsen-Manager. Eine Bank, die Aktien aus dem eigenen Bestand verkauft, wird dem Kunden wohl nicht immer die besten Konditionen bieten. Boschan ist freilich, wie er freimütig einräumt, Partei: Die Börse Stuttgart steht in Konkurrenz zu den Dark Pools, die angeblich Eigennutz mit Kundenwohl verwechseln. Doch auch unabhängige Experten und IR-Chefs von Großunternehmen hegen einen ähnlichen Verdacht wie Boschan – sie möchten sich damit allerdings nicht zitieren lassen.

Für Zündstoff sorgt ebenfalls, dass an manchem Dark Pool Informationen über geplante Block Trades zum Eigenhandel der Bank durchsickern, die diese Plattform betreibt. Wissen die Händler, dass ein Investor ein bestimmtes Aktienpaket erwerben will, können sie das Papier vorab mit Aussicht auf risikolose Kursgewinne kaufen. „Frontrunning“ heißt die verbotene Praxis.

Die einflussreichsten Investoren
Leon Black, Mitbegründer von Apollo Global Management, 62, ist wieder ganz oben: Ein Buchgewinn von 9,6 Milliarden Dollar mit den Anleihen des Chemieunternehmens Lyondell Basell Industries ist der größte, der jemals in der Private-Equity-Branche erreicht wurde. Um Kandidaten für die Rangliste ausfindig zu machen, griff Bloomberg auf das Wissen seiner Reporter in 146 Büros in der ganzen Welt zurück. Hilfe boten die Rankings zu einzelnen Themen, die das Jahr über von Bloomberg Markets aufgestellt und veröffentlicht worden sind. Quelle: rtr
Carl Icahn, Chairman bei Icahn Enterprises, 77, hat Dell aufgewühlt, Herbalife verteidigt und groß mit Netflix gewonnen. Über seine Macht lässt sich kaum streiten. Jetzt übt er Druck auf Apple aus, das Unternehmen möge seine Aktionäre belohnen. Quelle: rtr
Mary Erdoes, CEO bei JP Morgan, 46, sammelt Milliarden an Neugeldzuflüssen aus Asien und Europa ein. Sie führt die 2,2 Billionen Dollar schwere Asset-Management-Sparte der US-Großbank und hat diese zu einer führenden Kraft bei Investment- und Pensionsfonds gemacht. Quelle: www.commons.wikimedia.org
Daniel Loeb, Gründer von Third Point, 51, hat Yahoo-Chefin Marissa Mayer unterstützt und mit dem Unternehmen einen Gewinn von mindestens 655 Millionen Dollar eingefahren. Nun kann er sich rühmen, einer der erfolgreichsten Investoren zu sein. Sein nächstes Ziel ist die Film-Sparte von Sony - auch wenn Schauspieler George Clooney sagt, er „hat keine Ahnung von unserer Branche“. Quelle: dapd
Stephen Schwarzman, Mitbegründer der Blackstone Group Quelle: rtr
Helena Morrissey, CEO bei Newton Investment Management, 47, betreut über 50 Milliarden Pfund bei dem britischen Vermögensverwalter, einer Sparte der Bank New York Mellon. Sie setzt sich für geschlechtliche Gleichberechtigung ein. Ihr 30-Prozent-Klub will mehr weibliche Aufsichtsräte bei Unternehmen. Quelle: rtr
Larry Fink (dritter von rechts), Mitbegründer und CEO von Black Rock, 60, führt den größten Vermögensverwalter mit einem Anlagevolumen von 3,9 Billionen Dollar. Seine Gesellschaft hält Anteile an vielen Unternehmen, bei denen gerade etwas geschieht. Quelle: www.commons.wikimedia.org

In den USA musste sich bereits ein Dark Pool vor Gericht verantworten, weil dort Handelsdaten missbräuchlich im Eigenhandel verwendet worden sein sollen. Auch hierzulande sind die Fondsmanager auf der Hut. „Da wir auf der Anonymität unserer Orders bestehen, ziehen wir uns, wenn wir so etwas bemerken, sofort aus diesem Dark Pool zurück“, sagt Mast von AGI. Wie aber stellt er fest, dass Handelsdaten durchgesickert sind? „Ein Indiz sind verdächtige Marktbewegungen an den offiziellen Börsen, die kurz nach den Aktienorders zu beobachten sind“, sagt Mast.

Wo schon die Profis hinter jeder Ecke Dunkelmänner vermuten, sollten Privatanleger erst recht Vorsicht walten lassen. Privatanleger können kaum überprüfen, ob sie bei interner Verrechnung von Aufträgen im Dark Pool einer Bank nicht doch einen ungünstigeren Kurs bekommen haben als an der Börse. Die komplette Intransparenz an den Schattenbörsen lässt die ärgsten Verdächtigungen entstehen.

An den amtlichen Börsen gibt es Aufseher, die bei Störungen eingreifen sollen. „An den privaten Plattformen gibt es hingegen keine Handelsüberwachung, an die sich ein Investor wenden kann, wenn seine Order fehlerhaft ausgeführt wurde“, sagt Börsen-Vorstand Boschan.

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