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"Dark Pools" Wie alternative Plattformen den Aktienhandel bedrohen

Auf alternativen Plattformen, sogenannten "Dark Pools", handeln Banken abseits regulierter Börsen. Namen wie "Alpha X" oder "CrossFinder" klingen harmlos, aber der Handel dort hat fatale Folgen, vor allem für Anleger.

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Quelle: Marcel Stahn

In der Unterwelt der Finanzmärkte herrscht ewige Dunkelheit. „Dark Pools“ heißen die Plattformen, auf denen Banker, Fondsmanager und Spekulanten außerhalb der regulären Börsen mit Wertpapieren handeln. Jede größere Investmentbank hat so eine Plattform, Citigroup und Deutsche Bank betreiben zwei, die Schweizer UBS sogar deren drei. An der Börse bekommt es jeder mit, wenn zum Beispiel ein großer Investor aus einer Aktie aussteigt – spätestens dann, wenn der Kurs einbricht. Informationen darüber, was in dem Dark Pool passiert, haben nur die beiden Handelspartner und die Bank. Ob diese die Informationen dann später an der regulären Börse nutzen, ist kaum kontrollierbar. Dark Pools scheuen das Scheinwerferlicht. Journalisten sind nicht erwünscht. Es gibt auch keine Börsenpolizei, die darauf achtet, dass an den privaten, unregulierten Handelsplätzen alles mit rechten Dingen zugeht.

Christoph Mast und seine rund 20 Kollegen gehen regelmäßig in dieser finsteren Welt auf die Jagd. Der Leiter des Aktienhandels bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) will für Aktienpakete die besten Preise und für den Handel die niedrigsten Gebühren – egal, von wem.

Um sich im Börsen-Untergrund zurechtzufinden, nutzen Mast und sein Team ein ausgeklügeltes Computersystem, das wie ein Echolot Signale in die Dunkelheit sendet. „Dieser Smart Order Router findet für uns die richtigen Marktplätze – auch Dark Pools“, sagt Mast.

Welche Handelsplattformen es gibt

Dank der digitalen Navigation können die Händler Schattenwesen ausweichen, mit denen sie lieber nichts zu tun haben: Hochfrequenzhändler, die einen Deal oft nur vortäuschen, die Gegenseite dann aber ins Leere laufen lassen. Und Handelsplätze, deren Betreiber vor allem das eigene Wohl im Auge haben, die Interessenten dann eben doch nicht immer den besten verfügbaren Preis anbieten. „Ein wenig paranoid muss man als Händler in Dark Pools schon sein“, sagt Mast.

Fondsgesellschaften wie AGI sind mitverantwortlich dafür, dass der Aktienhandel immer stärker in Dark Pools und auf andere alternative Plattformen abwandert. Bei manchen Dax-Werten wird nur noch jede dritte Aktie an den offiziellen Börsen gehandelt. Je reger eine Aktie aber gehandelt wird, um so kleiner wird die Spanne zwischen den Kursen, zu denen sie angeboten und nachgefragt wird. Die Zersplitterung der Liquidität macht den Aktienhandel teurer und lässt die Kurse heftiger schwanken. Weil auf dem offiziellen Xetra-System der Deutschen Börse immer weniger Handel stattfindet, befürchten manche börsennotierte Unternehmen schon, dass sie aus dem Dax oder dem MDax fliegen könnten. Denn neben dem Börsenwert bestimmt vor allem der Handelsumsatz auf Xetra, ob eine Aktie einen der begehrten Index-Plätze bekommt.

Ermöglicht hat den Siegeszug der alternativen Plattformen und Dark Pools die EU-Kommission. Jetzt will sie die Geister, die sie einst gerufen, am liebsten wieder einfangen – sprich: die Liberalisierung des Aktienhandels wieder zurückdrehen.

Dark Pools verlangen geringere Gebühren

Anleger misstrauen Bankberatern
Eigenständigkeit erwünscht: 86 Prozent der Deutschen wollen ihr Geld möglichst ohne fremde Hilfe anlegen. Nur 14 Prozent wünschen sich eine persönliche Beratung durch eine Bank. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Finanzportals Financescout24 unter 1500 Nutzern hervor. Quelle: dpa
Hohes Maß an Selbstständigkeit: Bereits jetzt treffen 57 Prozent ihre Finanzentscheidungen größtenteils allein. Nur jeweils zwölf Prozent der Befragten suchen das Gespräch mit ihrer Bank oder einem unabhängigen Anlageberater. Nur gut ein Fünftel der Befragten hält überhaupt einen persönlichen Ansprechpartner für notwendig. Quelle: dpa
Bessere Vergleichbarkeit von Finanzprodukten: Die Anleger wünschen sich bessere Informationen für ihre Entscheidungen. An erster Stelle nennen sie mit 76 Prozent übersichtliche Vergleiche von Anlageformen, gefolgt von verständlichen Inhalten (66 Prozent) sowie individuellen, auf das persönliche Profil zugeschnittene Informationen (40 Prozent). Quelle: dpa
Mehr Durchblick: Um die besten Informations- und Beratungsquellen zu finden, legen Anleger Wert auf unabhängige, kompetente Beratung (65 Prozent). An zweiter Stelle kommt das Vertrauen in die Quelle (62 Prozent) sowie leicht verständliche Informationen (56 Prozent). Quelle: dpa
Geldanlage ist Vertrauenssache: Um ihr Geld eigenständig anzulegen, benötigen die Befragten vor allem Sicherheit, dass ihr Geld gut aufgehoben ist (72 Prozent). Auch hilfreiche Tools und Services (46 Prozent) stehen in der Gunst der Anleger ganz oben.
Online ist in: Das Internet ist das Medium der Wahl für Informationen zur Geldanlage. So nutzen 70 Prozent der Befragten Internetportale wie Handelsblatt Online, bevor sie Anlageentscheidungen treffen. Auf Platz 2 folgen Fachzeitschriften (43 Prozent). Platz 3 teilen sich die Verbraucherzeitschriften und Banken mit je 35 Prozent. Quelle: rtr
Der Traum vom entspannten Lebensabend: Als wichtigstes Motiv für die Geldanlage nennen zwei Drittel der Befragten die Altersvorsorge. Dabei schwindet das Vertrauen in die Lebensversicherung. Zwar haben rund 67 Prozent Erfahrungen mit solchen Policen, aber nur für 13 Prozent kommt diese auch künftig als Geldanlage in Frage. Quelle: dpa

Vor sechs Jahren trat in der EU die Finanzmarktrichtlinie Mifid in Kraft, die mehr Wettbewerb an den Finanzmärkten schaffen sollte. Aufgrund ihrer Monopolstellung hatten die amtlichen Börsen bis dahin schamlos bei den Gebühren zugelangt. Seit 2007 gibt es in der EU neben den Börsen drei Gruppen von konkurrierenden Handelsplätzen:

- Systematische Internalisierer (SI), auf denen Banken Aktienaufträge ihrer Kunden gegeneinander ausführen;

- Over-the-Counter-Plattformen (OTC), auf denen früher nur Banken miteinander handelten. Wenn hier jetzt auch Dritte mitmischen dürfen, werden diese Plattformen ebenfalls zu den Dark Pools gerechnet;

- Multilateral Trading Facilities (MTF), privatrechtlich organisierte elektronische Börsen wie Bats Chi-X und Turquoise.

SI- und OTC-Systeme werden zusammen als Dark Pools bezeichnet. Die verschiedenen Plattformen unterscheiden sich stark im Grad der Transparenz und Regulierung.

Von AGI über die Dekabank bis zu Union Investment sind nahezu alle großen Fondsgesellschaften Stammkunden der Schattenbörsen. „Dark Pools verlangen im Allgemeinen geringere Gebühren als die regulierten Börsen“, sagt AGI-Chefhändler Mast. Zudem bieten Schattenbörsen die Möglichkeit, diskret Block Trades abzuwickeln, also große Aktienpakete zu kaufen oder zu verkaufen. Genau dies geschieht oft bei großen Investmentfonds: Deren Händler verkaufen dann auf einen Schlag so viele Aktien eines Unternehmens, wie sonst an einem ganzen Tag an der Börse gehandelt werden. „Würde eine solche Order an den transparenten offiziellen Börsen ausgeführt, wären unvermeidlich Marktverwerfungen die Folge“, sagt Mast – der Fonds würde sich selbst seine Verkaufskurse drücken.

Kuriose Börsenpannen

Bei den Dax-Unternehmen wird heute im Schnitt nur noch jede zweite Aktie auf Xetra gehandelt. Rund 25 Prozent des Börsenumsatzes sind an Multilateral Trading Facilities abgeflossen, wie die Deutsche Börse ermittelt hat. Ein weiteres Viertel entfällt auf Dark Pools, also Systematische Internalisierer und OTC-Handel.

Bei vielen Börsengesellschaften spielt Xetra nur noch die zweite Geige. Beispielhaft zeigt dies der Autozulieferer Continental, wo pro Tag im Schnitt 1,6 Millionen Aktien den Besitzer wechseln. Hiervon entfallen nur noch 40 Prozent auf Xetra und andere amtliche Börsen. Noch ärger betroffen ist die Deutsche Post. „Der Handel mit unseren Aktien findet schätzungsweise nur noch zu einem Drittel auf Xetra statt“, sagt Martin Ziegenbalg, Leiter der Investor Relations (IR) des Logistikkonzerns.

Der Kaliproduzent K+S aus Kassel, die Marktforschungsfirma GfK aus Nürnberg und der Autozulieferer Norma aus dem hessischen Maintal – sie alle berichten, dass nur noch rund die Hälfte ihrer Aktien im amtlichen Handel umgeschlagen wird. Beim Duftstoffhersteller Symrise, in Holzminden an der Weser ansässig, ist die Xetra-Quote sogar auf rund ein Drittel gesunken. Rund ein Viertel des Handels wird über MTF abgewickelt. Den größten Anteil aber haben Dark Pools mit 40 Prozent.

Breite Spannen zwischen An- und Verkaufskursen

Wer am meisten Dividende zahlt
Platz 30: Commerzbank Vorstandsvorsitzender:                             Martin Blessing Dividendenrendite 2014:                          Keine Ausschüttung Dividende je Aktie:                                   0 Euro (2014)                                                                       0 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                           7 kaufen                                                                      16 halten                                                                      11 verkaufen Nettoergebnis:                                            20 Millionen Euro Dividendenausschüttung:                          0 Euro Hauptversammlung:                                   8. Mai 2014 Quelle: dpa
Platz 29: Thyssen Krupp  Vorstandsvorsitzender:                   Heinrich Hiesinger Dividendenrendite 2014:               Keine Ausschüttung Dividende je Aktie:                       0 Euro (2014)                                                            0 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 12 kaufen                                                            15 halten                                                            8 verkaufen Nettoergebnis:                                  -934 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               0 Euro Hauptversammlung:                        17. Januar 2014 Quelle: dpa
Platz 28: Lanxess  Vorstandsvorsitzender:                   Axel C. Heitmann Dividendenrendite 2014:               0,9 Prozent Dividende je Aktie:                       0,5 Euro (2014)                                                            1 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 16 kaufen                                                            14 halten                                                            7 verkaufen Nettoergebnis:                                  81 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               42 Millionen Euro Hauptversammlung:                        22. Mai 2014 Quelle: dpa
Platz 27: Beiersdorf  Vorstandsvorsitzender:                   Stefan F. Heidenreich Dividendenrendite 2014:               1,1 Prozent Dividende je Aktie:                       0,85 Euro (2014)                                                            0,7 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 13 kaufen                                                            12 halten                                                            14 verkaufen Nettoergebnis:                                  525 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               214 Millionen Euro Hauptversammlung:                        17. April 2014 Quelle: dpa
Platz 26: Fresenius  Vorstandsvorsitzender:                   Ulf M. Schneider Dividendenrendite 2014:               1,2 Prozent Dividende je Aktie:                       1,2 Euro (2014)                                                            1,1 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 21 kaufen                                                            8 halten                                                            1 verkaufen Nettoergebnis:                                  1014 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               159 Millionen Euro Hauptversammlung:                        16. Mai 2014 Quelle: dpa
Platz 25: Henkel  Vorstandsvorsitzender:                   Kasper Rorsted Dividendenrendite 2014:               1,3 Prozent Dividende je Aktie:                       1,03 Euro (2014)                                                            0,95 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 19 kaufen                                                            13 halten                                                            5 verkaufen Nettoergebnis:                                  1642 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               446 Millionen Euro Hauptversammlung:                        4. April 2014 Quelle: dapd
Platz 24: SAP  Vorstandsvorsitzender:                   Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe Dividendenrendite 2014:               1,5 Prozent Dividende je Aktie:                       0,9 Euro (2014)                                                            0,85 Euro (2013) Analystenempfehlungen:                 30 kaufen                                                            13 halten                                                            3 verkaufen Nettoergebnis:                                  3301 Millionen Euro Dividendenausschüttung:               1083 Millionen Euro Hauptversammlung:                        21. Mai 2014 Quelle: dpa

Finanzchefs fürchten Kontrollverlust. „Wir verspüren angesichts der Ausbreitung von Dark Pools ein starkes Unwohlsein“, sagt Bernhard Wolf, der die Investoren von GfK betreut. „Natürlich würden wir gern wissen, wer mit unseren Aktien handelt“, ergänzt Post-Manager Ziegenbalg. Bei den regulierten Börsen kann der IR-Chef Preise und Handelsvolumina ohne Zeitverzögerungen beobachten. So lässt sich etwa abschätzen, ob Großinvestoren bei der Post-Aktie ein- oder aussteigen wollen. „Bei den Dark Pools tappen wir da im Dunkeln“, sagt Ziegenbalg. Die Schattenbörsen veröffentlichen weder Kurse noch Handelsdaten.

„Eher intransparent ist für uns auch die Preisbildung an den Dark Pools“, bekennt Ziegenbalg. Offenbar orientieren sich viele Plattformen an den Kursnotierungen auf Xetra: Aktienaufträge werden oft zu den Mittelwerten der amtlichen Geld- und Briefkurse ausgeführt. „Genau wissen wir aber nicht, wie die Kurse an den Dark Pools zustande kommen“, sagt Ziegenbalg.

Sicher ist jedoch, dass die Qualität der Preisbildung leidet, je stärker sich die alternativen Handelsplätze ausbreiten. Die Aktie eines Dax-Unternehmens wird heute weltweit an Hunderten von Plattformen gehandelt. Käufer und Verkäufer müssen länger suchen, bis sie zueinander finden.

„Die Zersplitterung der Liquidität verteuert den Aktienhandel“, sagt Christoph Kaserer, Professor für Kapitalmärkte an der TU München. „Je geringer die Liquidität ist, desto größer sind die Spreads zwischen Geld- und Briefkursen.“

Wer die Märkte 2013 bewegt
Akira Amari, Wirtschaftsminister von Japan Amari, 64, bildet das Zentrum von Shinzo Abes radikalem Plan, die Wirtschaft anzutreiben. Er soll die Expansion fördern, eine Finanzierungslücke im Sozialversicherungssystem schließen und ein transpazifisches Handelsabkommen aushandeln. Quelle: rtr
Preet Bharara, Staatsanwalt der USA Bharara, 44, hat sich bei seinen Insiderhandel-Untersuchungen, die immer höhere Kreise in der Hedgefonds-Welt erreichten, nicht zurückgehalten. Er verklagte die Firma von Steven Cohen und nannte sie einen “Magneten für Markt-Betrüger”. Quelle: dpa
Mark Carney, Chef der britischen Zentralbank Carney ist der erste Ausländer an der Spitze der britischen Zentralbank seit ihrer Gründung 1694. Der 48-Jährige ließ sich von Kanadas Notenbank weglocken – mit besserer Bezahlung und Schmeicheleien. Er will die Finanzierungskosten drücken. Quelle: dpa
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (66), hat - wie versprochen - alles Notwendige zum Schutz des Euro unternommen. Die Euro-Zone ist im zweiten Quartal zum Wachstum zurückgekehrt. Und die Staatsanleihen angeschlagener Länder vollzogen eine Rally. Quelle: rtr
Jacob J. Lew, Finanzminister der USA Lew ist Nachfolger von Timothy F. Geithner. Der 58-Jährige hat die Republikaner gewarnt, dass die USA sich ihren Wohlstand nicht zusammensparen können. Der anstehende Streit in Washington zum Haushalt wird zeigen, wie gut er verhandeln kann. Quelle: AP
Ngozi Okonjo-Iweala, Finanzministerin von Nigeria Okonjo-Iweala ist ehemalige Vize-Präsidentin der Weltbank. 2012 galt die 59-Jährige als Kandidatin für den Chef-Posten. Der Job ging an Jim Yong Kim. Ihren Worten zufolge braucht Nigeria ein 13-Prozent-Wachstum, um Arbeitslosigkeit und Armut anzugehen Quelle: rtr
Raghuram Rajan, Chef der indischen Zentralbank Rajan, und einst Volkswirt an der Universität von Chicago, warnte schon 2005 davor, dass Innovationen die Finanzmärkte einem größeren Risiko aussetzen. Ein Jahr lang beriet der 50-Jährige das Finanzministerium, seit kurzem ist er Notenbank-Chef. Quelle: AP

Betroffen von breiten Spannen zwischen An- und Verkaufskursen sind vor allem kleinere Firmen im SDax und TecDax. Hält die Abwanderung aus Xetra an, leiden aber demnächst alle unter der Verteuerung des Aktienhandels. „Auch bei den Dax-Unternehmen könnte sich die Zersplitterung des Handels langfristig bemerkbar machen“, warnt Ziegenbalg.

Obendrein unterliegen Kurse stärkeren Schwankungen, wenn an den einzelnen Handelsplätzen jeweils nur noch eine begrenzte Anzahl von Aktien gehandelt wird. „Ab einem gewissen Punkt kann die Volatilität steigen“, sagt Kapitalmarktexperte Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut.

Die Börsenindizes, die die Deutsche Börse berechnet, verlieren mit der Zersplitterung des Handels an Aussagekraft. Wer in den Dax aufsteigen darf oder im MDax bleiben muss, hängt entscheidend davon ab, wie hoch der Handelsumsatz der Aktie ist. Bisher erfasst die Deutsche Börse nur die Käufe und Verkäufe auf Xetra – und ignoriert dabei die Tatsache, dass bei vielen Börsenunternehmen längst mehr Aktien an den inoffiziellen Handelsplätzen umgeschlagen werden als an den offiziellen. Anleger kann das bares Geld kosten, denn die Mitgliedschaft im Dax oder MDax „hat natürlich einen Einfluss auf den Börsenkurs“, sagt Ziegenbalg.

Flüchtige Liquidität des Hochfrequenzhandels

In diese US-Aktien investiert Buffett
Im vergangenen Quartal kaufte Warren Buffet im großen Stil Aktien. Die Strategie des Milliardärs, lieber Aktien und Unternehmen statt Anleihen zu kaufen, schob den Wert der Beteiligungen seiner Holding Berkshire Hathaway zuletzt über die Marke von hundert Milliarden Dollar. Die größte Posten in seinem Portfolio bilden nach wie vor die großen US-Konzernen. Die Top Ten seiner US-Beteiligungen. Quelle: rtr
Phillips 66Aktien des Rohölverarbeiters und Tankstellenbetreibers im Wert von 1,6 Milliarden Dollar liegen bei Warren Buffett im Bestand. Damit gehört dieses Investment noch eher zu den kleineren der Börsengurus. Quelle: rtr
Davita Healthcare Partners Zu den vergleichsweise kleineren Investments in Warren Buffetts Portfolio gehört auch das 1,8 Milliarden Dollar schwere Wertpapierpaket von Davita. Der Aktienkurs des Dialysespezialisten wuchs 2012 mehr als 45 Prozent. Der Marktwert des Konzerns liegt bei 11,9 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Direct TVEin zumindest hierzulande etwas weniger bekannter Posten in Buffetts Depot ist DirectTV. Der US-Fernsehsatellitenbetreiber und Programmanbieter bietet seinen Kunden digitale TV-Dienste in den Vereinigten Staaten und in Lateinamerika an. Die Marktkapitalisierung des weltweit führenden Pay-TV-Anbieters wird auf 32 Milliarden Euro taxiert. Buffett besitzt Aktien des Unternehmens im Gesamtwert von 2,3 Milliarden Euro. Quelle: rtr
U.S. BancorpDie Bank mit ihren 3000 Filialen, mehr als elf Millionen Kunden und einem Marktwert von 67 Milliarden Dollar ist auch weiterhin eine gute Geldanlage. Das scheint sich zumindest Warren Buffett zu denken. Der Großinvestor hält einen Anteil von 2,8 Milliarden Dollar. Quelle: AP
Wal MartEine zurückhaltende Kundschaft macht dem weltgrößten Einzelhandelskonzern derzeit das Leben schwer. Als Grund nannte der 241 Milliarden Dollar schwere Konzern eine höhere Einkommenssteuer auf dem wichtigen Heimatmarkt. Als Konsequenz kürzte Wal Mart die Prognose für das Gesamtjahr. Buffett scheint indes auf bessere Zeiten zu spekulieren. Sein Anteilspaket an dem Einzelhandelsriesen in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar lässt er unangetastet. Quelle: AP
Procter & GambleSchon seit einiger Zeit läuft es bei dem Konsumgüterhersteller nicht mehr richtig rund. Im Mai musste Bob MacDonald deshalb den Chefposten räumen. Seitdem versucht Alan George Lafley verloren gegangene Marktanteile wieder zurückzuerobern und den aktuellen Marktwert von 218 Milliarden Dollar zu steigern. Warren Buffett setzt trotz der schlechten Zeiten weiterhin auf P&G und hält Aktien im Wert von vier Milliarden Dollar. Quelle: dapd

Eine Gesellschaft, deren Aktien hauptsächlich auf Xetra gehandelt werden, kommt bei der Index-Berechnung natürlich besser weg als eine andere, wo der Aktienhandel größtenteils über alternative Plattformen läuft. „Dies reduziert unsere Chance auf einen Aufstieg in den MDax“, sagt Wolf von der GfK, die derzeit im SDax ist. Auch Finanzchefs, die nicht betroffen sind, fordern die Deutsche Börse auf, die Index-Berechnung zu überprüfen. „Bisher gibt es hierauf noch keine Antwort“, sagt Post-Manager Ziegenbalg.

Ganz unabhängig von der Index-Zugehörigkeit schreckt ein schrumpfender Xetra-Handel Investoren ab. Aktienfonds, Pensionskassen und Vermögensverwalter dürfen oft nur dann in Aktien investieren, wenn die Umsätze auf Xetra bestimmte Schwellenwerte erreichen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kundengelder in liquide Werte investiert werden, der Fondsmanager im Notfall also auch große Pakete schnell verkaufen kann.

Die Betreiber der Dark Pools, Banken wie Credit Suisse, Goldman Sachs und die Deutsche Bank, wollen jedoch nichts davon wissen, dass die Zersplitterung der Liquidität massive Probleme schafft. Sie verweisen darauf, dass die Handelsplätze dank Computertechnik weltweit vernetzt sind. In der Tat sind Hochfrequenzhändler gleichzeitig an zahlreichen Plattformen aktiv; mangelnde Liquidität kann dadurch ausgeglichen werden.

Welche Dax-Konzerne ihr Geld im Ausland verdienen
Platz 10 - BMW - Umsatzanteil im Ausland: 84,1 ProzentDeutschlands erfolgreichster Premiumautobauer ist lange über den Heimatmarkt hinaus gewachsen. Auf den wachsenden Märkten in China und den USA sehen die Münchener größere Potentiale. Nicht umsonst wurde das neue Elektroauto i3 parallel in London, New York und Shanghai präsentiert. Quelle: rtr
Platz 9 - K+S - Umsatzanteil im Ausland: 85,2 ProzentDer Salz- und Kaliproduzent bekam zuletzt die Folgen seiner internationalen Absatzmärkte zu spüren. Weil ein Kalikartell in Russland platzte, sackte der Kalipreis in den Keller - und mit ihm der Kurs der K+S-Aktie. Nun hat das Unternehmen sich einen Sparkurs auferlegt. Quelle: dpa
Platz 8- SAP - Umsatzanteil im Ausland: 85,3 ProzentIm Wettbewerb mit Oracle setzt der Softwarekonzern vor allem auf die Expansion in China. Bis 2015 will SAP darum zwei Milliarden Dollar in Übernahmen investieren. Der Anteil der Auslandsumsätze dürfte damit in den nächsten Jahren weiter steigen. Quelle: dpa
Platz 7- Siemens - Umsatzanteil im Ausland: 85,9 ProzentNeuer Chef, alte Probleme: Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser will das weit diversifizierte Portfolio des Industrieriesen wieder auf Rendite trimmen. Dafür wird auch der Vorstand kräftig umgebaut. Quelle: dpa
Platz 6- Merck - Umsatzanteil im Ausland: 86,8 ProzentDer Pharma- und Spezialchemiekonzern profitiert derzeit vor allem vom Boom der Tablets und Flachbildschirme. Die Nachfrage nach Flüssigkristallen hat deutlich zugelegt. Auch das Medikament Rebif gegen multiple Sklerose gehört international zu den Umsatztreibern. Quelle: dapd
Platz 5 - Bayer - Umsatzanteil im Ausland: 88,3 ProzentDer Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern bekommt derzeit den harten Wettbewerb auf dem internationalen Kunststoffmarkt zu spüren. In den nächsten vier Jahren will der Konzern darum bis zu 700 Arbeitsplätze in seiner Kunststoff-Sparte Material Science abbauen. Quelle: dpa
Platz 4 - Linde - Umsatzanteil im Ausland: 91,5 ProzentDas Geschäft des Industriegase-Herstellers ist international: Zuletzt zog Linde hat einen Millionenauftrag zur CO2-Aufarbeitung aus Saudi Arabien an Land. Auch der Ausbau des Medizingase-Geschäfts hat sich für die Münchener ausgezahlt und treibt den Umsatz im Ausland an. Quelle: dpa

„Doch die Liquidität, die der Hochfrequenzhandel schafft, ist äußerst flüchtig“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. Exakt aus diesem Grund sind Hochfrequenzhändler bei institutionellen Investoren unbeliebt. „Wenn wir die Wahl haben, an einem Dark Pool zu handeln, an dem keine Hochfrequenzhändler zugelassen sind, entscheiden wir uns im Regelfall für einen solchen Dark Pool“, sagt Chefhändler Mast von Allianz Global Investors.

Im Allgemeinen arbeiten Dark Pools und Hochfrequenzhändler aber Hand in Hand. Je mehr Schattenbörsen es gibt, desto lukrativer ist der Arbitrage-Handel, das Geschäftsmodell der Hochfrequenzhändler. Arbitrageure machen sich Kursdifferenzen etwa zwischen zwei verschiedenen Handelsplätzen zunutze. An einem wird billig gekauft, am anderen teurer verkauft, fast ohne Risiko. Um noch an den kleinsten Differenzen zu verdienen, setzen die mit automatischen Programmen arbeitenden Hochfrequenzhändler irrsinnige Volumina um. Eine kleine Computerpanne löst dann unter Umständen einen Flash Crash aus, wie am 6. Mai 2010 an der Wall Street.

An den amtlichen Börsen sind hierzulande längst Vola-Stopper installiert. Sie unterbrechen den Handel automatisch, wenn die Volatilität bestimmte Grenzen überschreitet. Damit ist die Gefahr eines Blitz-Crashs nahezu gebannt. Welche Sicherheitsvorkehrungen Dark Pools betreiben, ist unklar. „Wir haben hierzu keine Erkenntnisse“, sagt IR-Chef Ziegenbalg. „Ich weiß aber, dass diese Handelsplätze extrem komplex und technisch anspruchsvoll sind. Je komplexer aber etwas ist, desto leichter kann etwas schiefgehen.“

Keine Handelsüberwachung an priv. Plattformen

Wer die Börsen wackeln lässt
Ben Bernanke Quelle: AP
Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken. Quelle: REUTERS
William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen. Quelle: dapd
Charles Evans (Chicago Fed)Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000. Quelle: REUTERS
Eric Rosengren (Boston Fed)Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Esther George (Kansas City Fed)Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen. Quelle: REUTERS
James Bullard (St. Luis Fed)Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück. Quelle: REUTERS

Kritiker stellen nicht nur die Technik, sondern auch die Moral an vielen Dark Pools infrage. Der Argwohn richtet sich insbesondere gegen die Systematischen Internalisierer (SI), also jene Plattformen, auf denen Banken Aktienaufträge verschiedener Kunden gegeneinander ausführen. Dieses „Matching“ verläuft aber offenbar nicht immer ganz reinlich, vermutet Christoph Boschan, Mitglied des Vorstands der Börse Stuttgart.

„Die Betreiber von SI führen Aktienorders oft gegen die eigenen Handelsbestände aus. Damit sind natürlich vehemente Interessenkonflikte verbunden“, sagt der Börsen-Manager. Eine Bank, die Aktien aus dem eigenen Bestand verkauft, wird dem Kunden wohl nicht immer die besten Konditionen bieten. Boschan ist freilich, wie er freimütig einräumt, Partei: Die Börse Stuttgart steht in Konkurrenz zu den Dark Pools, die angeblich Eigennutz mit Kundenwohl verwechseln. Doch auch unabhängige Experten und IR-Chefs von Großunternehmen hegen einen ähnlichen Verdacht wie Boschan – sie möchten sich damit allerdings nicht zitieren lassen.

Für Zündstoff sorgt ebenfalls, dass an manchem Dark Pool Informationen über geplante Block Trades zum Eigenhandel der Bank durchsickern, die diese Plattform betreibt. Wissen die Händler, dass ein Investor ein bestimmtes Aktienpaket erwerben will, können sie das Papier vorab mit Aussicht auf risikolose Kursgewinne kaufen. „Frontrunning“ heißt die verbotene Praxis.

Die einflussreichsten Investoren
Leon Black, Mitbegründer von Apollo Global Management, 62, ist wieder ganz oben: Ein Buchgewinn von 9,6 Milliarden Dollar mit den Anleihen des Chemieunternehmens Lyondell Basell Industries ist der größte, der jemals in der Private-Equity-Branche erreicht wurde. Um Kandidaten für die Rangliste ausfindig zu machen, griff Bloomberg auf das Wissen seiner Reporter in 146 Büros in der ganzen Welt zurück. Hilfe boten die Rankings zu einzelnen Themen, die das Jahr über von Bloomberg Markets aufgestellt und veröffentlicht worden sind. Quelle: rtr
Carl Icahn, Chairman bei Icahn Enterprises, 77, hat Dell aufgewühlt, Herbalife verteidigt und groß mit Netflix gewonnen. Über seine Macht lässt sich kaum streiten. Jetzt übt er Druck auf Apple aus, das Unternehmen möge seine Aktionäre belohnen. Quelle: rtr
Mary Erdoes, CEO bei JP Morgan, 46, sammelt Milliarden an Neugeldzuflüssen aus Asien und Europa ein. Sie führt die 2,2 Billionen Dollar schwere Asset-Management-Sparte der US-Großbank und hat diese zu einer führenden Kraft bei Investment- und Pensionsfonds gemacht. Quelle: www.commons.wikimedia.org
Daniel Loeb, Gründer von Third Point, 51, hat Yahoo-Chefin Marissa Mayer unterstützt und mit dem Unternehmen einen Gewinn von mindestens 655 Millionen Dollar eingefahren. Nun kann er sich rühmen, einer der erfolgreichsten Investoren zu sein. Sein nächstes Ziel ist die Film-Sparte von Sony - auch wenn Schauspieler George Clooney sagt, er „hat keine Ahnung von unserer Branche“. Quelle: dapd
Stephen Schwarzman, Mitbegründer der Blackstone Group Quelle: rtr
Helena Morrissey, CEO bei Newton Investment Management, 47, betreut über 50 Milliarden Pfund bei dem britischen Vermögensverwalter, einer Sparte der Bank New York Mellon. Sie setzt sich für geschlechtliche Gleichberechtigung ein. Ihr 30-Prozent-Klub will mehr weibliche Aufsichtsräte bei Unternehmen. Quelle: rtr
Larry Fink (dritter von rechts), Mitbegründer und CEO von Black Rock, 60, führt den größten Vermögensverwalter mit einem Anlagevolumen von 3,9 Billionen Dollar. Seine Gesellschaft hält Anteile an vielen Unternehmen, bei denen gerade etwas geschieht. Quelle: www.commons.wikimedia.org

In den USA musste sich bereits ein Dark Pool vor Gericht verantworten, weil dort Handelsdaten missbräuchlich im Eigenhandel verwendet worden sein sollen. Auch hierzulande sind die Fondsmanager auf der Hut. „Da wir auf der Anonymität unserer Orders bestehen, ziehen wir uns, wenn wir so etwas bemerken, sofort aus diesem Dark Pool zurück“, sagt Mast von AGI. Wie aber stellt er fest, dass Handelsdaten durchgesickert sind? „Ein Indiz sind verdächtige Marktbewegungen an den offiziellen Börsen, die kurz nach den Aktienorders zu beobachten sind“, sagt Mast.

Wo schon die Profis hinter jeder Ecke Dunkelmänner vermuten, sollten Privatanleger erst recht Vorsicht walten lassen. Privatanleger können kaum überprüfen, ob sie bei interner Verrechnung von Aufträgen im Dark Pool einer Bank nicht doch einen ungünstigeren Kurs bekommen haben als an der Börse. Die komplette Intransparenz an den Schattenbörsen lässt die ärgsten Verdächtigungen entstehen.

An den amtlichen Börsen gibt es Aufseher, die bei Störungen eingreifen sollen. „An den privaten Plattformen gibt es hingegen keine Handelsüberwachung, an die sich ein Investor wenden kann, wenn seine Order fehlerhaft ausgeführt wurde“, sagt Börsen-Vorstand Boschan.

Regulierung durch Mifid II

Deutsche fürchten die Inflation
Die Deutschen sind fleißige Sparer. Nur verhalten sie sich bei der Geldanlage oftmals irrational. "Deutsche Haushalte wetten bei ihrer Geldanlage auf Deflation"– sagte Tobias Graf von Bernstorff, Leiter der Düsseldorfer Niederlassung des Bankhauses B. Metzler seel. Sohn & Co. Viele Deutsche legten ihr Vermögen überwiegend in Bargeld, Sichteinlagen und Anleihen an. In Aktien legen nur gut fünf Prozent der Deutschen an (direkt) beziehungsweise zehn Prozent, wenn man indirekte Investments über Fonds und Versicherungen miteinbezieht. Quelle: REUTERS
Dabei ist eine der größten Ängste der Deutschen die Preissteigung. Nur ihrer Anlagestrategie merkt man das nicht an. 75 Prozent haben ihr Geld schlicht auf der Bank liegen oder investieren in Anleihen. Kommt eine Inflation, wäre der Wert des Geldes futsch. Quelle: dpa
Auf den ersten Blick sei Inflation ein Krisenaspekt, von dem die Deutschen bisher weitgehend verschont geblieben seien. Die harmonisierte deutsche Inflationsrate sank seit Herbst 2011 von 2,9 Prozent auf 1,6 Prozent im September 2013. Die Ängste vor einer "Geldschwemme" scheinen somit weitgehend unbegründet. "Wir zweifeln jedoch daran, dass die niedrigen Raten der Vergangenheit auch für die Zukunft angenommen werden können", so von Bernstorff vom Bankhaus Metzler. Quelle: dpa
Das Wachstum des Kapitalstocks habe sich in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren infolge der geringen Investitionen verlangsamt, die Arbeitskräfte würden knapp, und die Löhne stiegen. Der Preisdruck zeichne sich bereits in der sogenannten Kerninflationsrate ab. Deshalb sollten Anleger ihr Geld aus dem Sparstrumpf holen und es lieber inflationssicher anlegen. Quelle: dpa
So ließe sich angesichts des erwarteten Weltwirtschaftswachstums besondere mit deutschen Aktien profitieren. "Die Bewertung deutscher Aktien ist nicht so hoch, wie der Indexstand glauben machen will. Denn beim DAX fließen die Dividendenzahlungen in die Indexberechnung mit ein, sodass er schneller steigt als ein ausschließlich auf Aktienkursentwicklung beruhender Index", erläutert Frank Naab, Leiter Portfoliomanagement Metzler Private Banking. "Auf reiner Kursbasis gerechnet liegt der DAX noch ca zehn Prozent unter seinem alten Höchststand von 2007 – und das bei vergleichbaren Nettoergebnissen der Unternehmen." Quelle: dpa
Daneben eigneten sich US-Aktien als defensives Basisinvestment. US-Titel seien mit einer Dividendenrendite von zwei Prozent und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,5 gegenüber ihren europäischen Pendants zwar ambitionierter bewertet, hierin drücke sich aber auch eine generelle Vorliebe der Anleger für US-Titel aus. Quelle: dpa
Rentenanleger stünden im Hinblick auf das aktuelle makroökonomische Umfeld dagegen vor einem Dilemma: Angesichts der historisch niedrigen Zinsen sei es kaum möglich, einen positiven Realzins zu erwirtschaften. Durch den Kauf langlaufender Anleihen ließe sich diesem Problem der Realzinsfalle zwar mit höheren Laufzeitenprämien und so mit einer insgesamt höheren Rendite begegnen, jedoch seien gerade Anleihen mit langer Laufzeit im Falle steigender Zinsen besonders von Kursverlusten bedroht. Quelle: dpa

„Privatanleger sollten sich an die regulierten Börsen halten“, empfiehlt daher Fey vom Aktieninstitut. Dies ist leichter gesagt als getan. Viele Banken und Online-Broker verfolgen eine „Best Execution Policy“: Sie führen Kundenaufträge, wenn der Kunde nichts anderes fordert, an jenem Handelsplatz aus, an dem ihrer Ansicht nach die besten Konditionen geboten werden. Den Privatanlegern ist oft gar nicht bewusst, dass ihre Order womöglich in einem Dark Pool landet. Wer dies verhindern will, müsste der Bank gegenüber ausdrücklich erklären, dass sein Auftrag nur auf Xetra oder einem anderen Handelsplatz seiner Wahl ausgeführt werden soll.

Sechs Jahre nach Inkrafttreten der Finanzmarktrichtlinie Mifid keimt bei vielen Experten der Verdacht, dass die Liberalisierung der Finanzmärkte entschieden zu weit ging. „Eigentlich müsste der gesamte Aktienhandel zurück an die regulierten Börsen“, fordert Bank-Professor Burghof von der Universität Hohenheim. Ausnahmen seien explizit zu begründen. „Hierzu könnte die diskrete Abwicklung von Großaufträgen gehören, um Marktverwerfungen zu vermeiden“, sagt Burghof. Dark Pools sollten sich also wieder auf jene Aufgabe beschränken, für die sie ursprünglich geschaffen wurden: die kursschonende Abwicklung von Block Trades.

In Australien und Kanada haben die Gesetzgeber den Schattenhandel bereits stark eingedämmt – mit der Folge, dass der Handel an Dark Pools drastisch zurückging. Ähnlich plant die EU im Rahmen von Mifid II eine schärfere Regulierung der privaten Handelsplätze. Auch die USA wollen mehr Transparenz an den Dark Pools schaffen. „Die Gesetzesinitiative in den USA geht in die gleiche Richtung wie der Vorschlag der EU-Kommission“, sagt Professor Kaserer von der TU München.

Dies ist ein gutes Zeichen: Angesichts der Vernetzung der Kapitalmärkte lassen sich die Dark Pools nur bändigen, wenn alle großen Industrienationen am gleichen Strang ziehen. „Wir begrüßen den Vorstoß im Rahmen von Mifid II, die Transparenz im Dark-Pool-Handel zu erhöhen“, sagt Magdalena Moll, Leiterin der Investor Relations beim Chemiekonzern BASF.

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Kern der EU-Reform ist die Schaffung einer neuen Kategorie von Handelsplätzen, den „Organized Trading Facilities“ (OTF). Hierin sollen die bisherigen Dark Pools weitgehend aufgehen. „Die OTF sollen so konzipiert sein, dass sie möglichst vielen Marktteilnehmern offenstehen“, sagt Professor Kaserer.

Noch aber ist nicht klar, wie transparent die OTF wirklich sein werden. Sie sollen ja die Block Trades übernehmen, die ein Minimum an Verschwiegenheit verlangen. Zudem machen Großbanken, die Dark Pools betreiben, massiv Front gegen die Reform: Im EU-Parlament wurden bereits zwei alternative Vorschläge eingebracht, die Insidern zufolge von der Banken-Lobby beeinflusst wurden. Es bleibt also noch abzuwarten, ob das Regelwerk Mifid II, das frühestens 2015 in Kraft tritt, tatsächlich Licht in die finstere Unterwelt der Finanzmärkte bringt.

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