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Datenskandal Aufwind für Facebook-Aktie durch Zuckerbergs Kongressaussage

Mark Zuckerberg musste bei der Anhörung im US-Senat zum Datenskandal um Cambridge Analytica kaum Federn lassen. Quelle: REUTERS

Mit Mark Zuckerbergs Aussage im US-Kongress zum jüngsten Datenskandal um Facebook hat die Aktie des Internetkonzerns einen Schub bekommen.

Die Aussage des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress hat der Facebook-Aktie gut getan. Nach der Aussage stieg sie im Verlauf des Tages um 4,5 Prozent auf 165,04 Dollar - dem größten Prozentzuwachs in fast zwei Jahren. Ein gutes Zeichen für den Facebook-Chef.

Denn Zuckerberg galt lange als jemand, der nicht so gut mit dem Druck kontroverser Fragen in der Öffentlichkeit klarkommt. Als Beispiel dafür oft bemüht wird sein Auftritt auf der Konferenz des Technologieblogs „All Things D“ vor acht Jahren. Damals lief ihm der Schweiß das Gesicht herunter, bis er schließlich den Kapuzenpulli ablegen musste. Doch seitdem brachte Zuckerberg Facebook an die Börse, sammelte Erfahrung als Konzernlenker, wurde zweifacher Vater und steuert das Online-Netzwerk durch die wohl schwerste Krise. Am Dienstag zeigte er, dass er US-Politikern ganz gut standhalten kann.

Zwar war Zuckerberg zunächst sichtlich nervös, seine Stimme zitterte leicht als er abermals Fehler einräumte und sich entschuldigte, aber mit der Zeit wurde er zunehmend mutiger, widersprach Senatoren und fiel ihnen zum Teil auch ins Wort. Dabei wiederholte er gebetsmühlenartig, dass Facebook keine Nutzerinformationen verkaufe, sondern Werbekunden nur selbst den Zugang zu Mitgliedern ermögliche - und die Daten den Nutzern gehörten. Dieses Verhalten wurde zumindest an der Börse anschließend positiv bewertet - eine wichtige Entwicklung für die Facebook-Aktie.

Denn seit Bekanntwerden des Skandals im vergangenen Monat liegt der Aktienpreis noch rund elf Prozent niedriger als zuvor. Hintergrund sind Befürchtungen, dass das soziale Netzwerk künftig strengeren Richtlinien ausgesetzt werden könnte. Die Aktie verbesserte sich auch, weil sich die Stimmung an der gesamten Wall Street am Dienstag aufhellte. Grund waren Anzeichen, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China sich etwas entspannen könnte. Zuckerberg musste vor den US-Senatoren Rede und Antwort stehen, weil die Analysefirma Cambridge Analytica mutmaßlich Daten von mehr als 80 Millionen Facebook-Nutzern zur Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl 2016 abgriff. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde - der Daten-Zugriff für App-Entwickler ließ das von 2007 bis 2014 zu. Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt. Es sei ein Fehler gewesen, die Nutzer nicht schon damals zu unterrichten und Cambridge Analytica nicht von der Plattform zu verbannen, sagte Zuckerberg.

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