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Dax-Ausblick Die Angst vor der großen Korrektur

Nach der ersten verlustreichen Woche seit Ende August fragen sich die Anleger, ob jetzt die Korrektur kommt. Hinweise für den weiteren Börsentrend dürften wichtige Konjunkturdaten geben. Was die Börsenwoche bringt.

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Fragende Blicke in Frankfurt: Wie fallen die Konjunkturdaten in der nächsten Woche aus? Und wie werden die Märkte auf positive Zahlen reagieren? Quelle: Reuters

Von September bis November herrschte das gleiche Bild an den Börsen. Der Dax legte monatlich fast fünf Prozent zu und steigerte den Appetit der Investoren auf eine Jahresendrally im Dezember.  Doch als der Startschuss fiel, ging es auch richtig los: Nur bewegte sich der deutsche Leitindex in die andere Richtung – und fiel 9400 auf 9100 Zähler, die größte Korrektur seit Ende August 2013.

Zwei Tage Korrektur reichten aus, um die Kursgewinne der zwölf  vorangegangenen Tage auszuradieren. „Damit liefert die aktuelle Dax-Konstellation mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass Korrekturen im Vergleich zu Kursanstiegen sehr viel dynamischer von statten gehen“, meint Jörg Scherer, technischer Analyst bei der HSBC Trinkaus und Burkhard.

Nach den wechselhaften Kursen der vergangenen Handelswoche blicken die Anleger in der zweiten Adventswoche nach Einschätzung von Nord-LB-Analyst Tobias Basse nur eine echten Höhepunkt entgegen: Die Daten zur Umsatzentwicklung im wichtigen US-Einzelhandel. „Die Anleger werden versuchen, herauszufinden, wie es mit der US-Konjunktur 2014 weitergeht und wie lange die Notenbank noch Händchen halten muss.“

Dominierte am Markt bei positiven US-Konjunkturdaten zuletzt die Angst, dass die Fed bei ihren Fördermaßnahmen kürzer tritt, zeigte sich nach Veröffentlichung der spürbar verbesserten Arbeitsmarktzahlen am Freitag eine andere Interpretation: Die Daten könnten auch ein Beleg dafür sein, dass die US-Wirtschaft bald wieder robust genug sein könnte, um eine Kappung der Fed-Hilfen zu verkraften.

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    Vor diesem Hintergrund bleibt die Nervosität hoch. Die Analysten der Landesbank Berlin bleiben daher für die nächsten Wochen vorsichtig und wären von einem Rückgang auf die 9.000 Punkte nicht überrascht. „Mittelfristig sehen wir aber weiteres Aufwärtspotenzial - und den Dax in einem Jahr bei knapp 10.000 Punkten.“

    Laut Basse dürfte das Hauptaugenmerk bei den US-Einzelhandelszahlen, die am Donnerstag anstehen, der Entwicklung des Autoabsatzes gelten. „Das war in der Vergangenheit eine verlässliche Stütze für die US-Konjunktur“, sagt er.

    Die Analysten der Helaba rechnen damit, dass die Gesamtzahl, die die Pkw-Verkäufe einschließt, besser als von den Marktteilnehmern erwartet ausfällt. Daher ebbten die Spekulationen, die um die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed in diesem Jahr am 17. und 18. Dezember kreisen, sicher nicht ab.

    Zuletzt hielten verschiedene Daten vom US-Arbeitsmarkt sowie die EZB-Ratssitzung die Börsianer auf Trab. Dem Dax - und auch dem Dow-Jones-Index - ging nach der Herbstrally die Luft allmählich aus. Der Dow-Jones-Index schloss am Donnerstag mit 15.921 Zählern 1,6 Prozent niedriger. Seit fünf Tagen hat der Dow keinen Tagesgewinn mehr eingefahren.


    Hält der Dax die Rally bis zum Jahresultimo?

    Doch wie geht es weiter? Ist das Minus nur eine Zwischenkorrektur auf dem Weg zur Jahresendrally? Oder läutet der Monat Dezember eine Trendwende ein? Nach Meinung von Gianni Hirschmüller vom Forschungsinstitut Cognitrend sei vermutlich der Kapitalfluss aus dem Ausland abgebrochen.

    „Und da diese Investoren  schon lange auf den Dax vertrauen, liege es ebenfalls nahe, dass sie sich vor dem Jahresende ähnlich wie die  Privatanleger verhalten könnten und Gewinne sichern“. Nun bestehe die Gefahr, dass vor allem institutionelle Anleger versuchen, Rückschläge als Kaufgelegenheit betrachten. „Das wäre dann das Ende der Dax-Hausse.“

    Cognitrend erhebt wöchentlich im Auftrag der Börse Frankfurt die Markterwartungen der Teilnehmer und interpretiert die Ergebnisse unter Beachtung von Erkenntnissen aus der verhaltensorientierten Kapitalmarktanalyse, der Behavioral Finance.

    Vereinfacht gesagt: je euphorischer die Börsianer sind, desto größer ist die Gefahr eines Rückschlags, weil bereits viele Marktteilnehmer investiert sind und nicht mehr weiter kaufen können. Je pessimistischer die Stimmung ist, desto geringer ist die Zahl der investierten Anleger.

    Hirschmüller begründet seine Erwartung mit der weiterhin sorglosen Haltung der institutionellen Investoren. Deren Optimismus sei trotz der kräftigen Kursrückgänge der vergangenen Tage nur geringfügig zurückgegangen. Für sie kam der Rückgang aus heiterem Himmel, deswegen warte man ab.


    Kommt die Korrektur?

    Der Cognitrend-Direktor lobt in dem Zusammenhang ausdrücklich das Verhalten der Privatanleger. Die  hätten sich früher und intensiver mit der Dax-Hausse beschäftigt und hätten einfach Gewinne mitgenommen. Deren Optimismus sei auch im Gegensatz zu den Institutionellen Anlegern deutlich zurückgegangen.

    Im Bereich 8990/9000 Punkten entscheidet sich nach Meinung von Hirschmüller, ob es eine größere Korrektur wird.  Sollte diese Marke nicht halten, erwartet er einen schnellen, weiteren Dax-Rückgang in Richtung 8800.

    Auf der Unternehmensseite wird es in der neuen Woche eher vorweihnachtlich ruhig bleiben. Am Montag könnte der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit einer geplanten Umstrukturierung im Fokus stehen. Konzernchef Tom Enders könnte Insidern zufolge in der schwächelnden Rüstungssparte Tausende von Stellen streichen.

    Höhepunkt könnte zudem die Veröffentlichung der Zahlen zum Rumpfgeschäftsjahr der Metro sein, die am Donnerstag anstehen.

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