Dax-Ausblick Die Märkte zittern vor der Fed-Entscheidung

Börsianer haben den Termin lang herbeigesehnt, am Mittwoch ist es soweit: Die US-Notenbank verkündet, ob sie nach Jahren die Leitzinsen erhöhen wird. Die Entscheidung wird die Finanzmärkte beeinflussen. So oder so.

Anleger setzen auf eine Zinswende. Quelle: dpa

Zum Wochenausklang ging es beim Dax noch einmal kräftig abwärts. Am Freitag verlor das Barometer fast 260 Punkte und verabschiedete sich 2,44 Prozent schwächer aus dem Handel. Ein Grund: Die Internationale Energieagentur geht von einem weiterhin starken Überangebot an Öl aus. Auf Wochensicht hat der Dax ganze 3,7 Prozent verloren. Doch Anleger dürften dies jetzt schnell abhaken.

Ab sofort interessiert die große Linie. Und die wird am Mittwoch entscheidend geprägt. Dann spricht die US-Notenbankchefin Janet Yellen. Finanzexperten erwarten, dass sie die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise bekanntgeben wird. Es wäre ein historischer Tag. Die Entscheidung wird die Finanzmärkte stark beeinflussen.

Was Analysten für das Anlagejahr 2016 erwarten
Deutsche Bank Quelle: REUTERS
Deka BankDie Fondsspezialisten der Sparkassen erwarten, dass der Goldpreis im kommenden Jahr deutlich unter die kritische Marke von 1000 Dollar fallen wird. S&P 500: 2000 Punkte Nikkei: 17000 Punkte Gold: 960 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre: 1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,9 Prozent Quelle: dpa
PostbankIm Gegensatz zur Deka Bank ist die Postbank beim Goldpreis etwas optimistischer. Ein möglicher Impuls kommt von der Schmucknachfrage, da die Konjunktur in Indien zuletzt deutlich besser lief als erwartet. S&P 500: 2250 Punkte Nikkei: 21750 Punkte Gold: 1100 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10 Jahre: 1,0 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,75 Prozent Quelle: dpa
Berenberg BankDeutschlands älteste Privatbank ist im Vergleich zur Konkurrenz vergleichsweise optimistisch, was den Euro angeht. S&P 500: 2200 Punkte Gold: 1150 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1,15 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,8 Prozent Quelle: obs
SantanderS&P 500: 2250 Punkte Gold: 1050 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10-jährige: 0,9 Prozent US-Treasury Rendite 10-jährige: 2,75 Prozent Quelle: AP
Credit Suisse Quelle: REUTERS
Commerzbank Quelle: dpa
JP Morgan Chase Quelle: dpa
Fidelity Quelle: AP
Hauptsitz des Bankhauses M.M.Warburg & CO Quelle: obs
DZ Bank Quelle: dapd
BlackRock Quelle: dpa
Konsum Quelle: dpa
Deutsche Asset & Wealth Management Quelle: dpa
Mine Quelle: dpa

Gegenwärtig herrscht unter den Marktbeobachtern eine Mehrheitsmeinung. Die besagt: Dem erwarteten ersten Schritt der US-Notenbank werden sich weitere moderate Erhöhungen anschließen. Das sollte den Dollar stärken. Gleichzeitig verfolgt die Europäische Zentralbank einen entgegengesetzten geldpolitischen Kurs, sie ist weiter auf Lockerung fixiert. Daher dürfte der Euro schwach bleiben.

Bei anhaltend niedriger Inflation ist das ein recht gutes Umfeld für Aktien. Aus der Sicht internationaler Investoren bleibt die Eurozone dabei eine attraktive Region. „Aktien der Eurozone bleiben das Anlagesegment mit dem attraktivsten Risiko-Rendite-Profil“, urteilt beispielsweise Benjamin Melman, Leiter der Vermögensstrukturierung bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Europa vor der Wall Street

Außerhalb des eigenen Kontinents regt sich ebenfalls Interesse für die Alte Welt. So erkennt beispielsweise Wahid Chammas, Fondsmanager beim US-Vermögensverwalter Janus Capital, Chancen in Europa. Seiner Meinung nach beginnen die geldpolitischen Lockerungen der EZB zu wirken. Ohnehin seien europäische Aktien interessanter als die an der Wall Street. Sie sind laut Chammas preiswerter und locken mit höheren Dividendenrenditen.

Wenn Strategen auf der Aktienseite abweichende Vorlieben haben, dann liegen die fast durchweg in den Industrieländern. Das bestätigte gerade eine Umfrage des Fondshauses Universal-Investment unter unabhängigen Vermögensverwaltern. Die Befragten empfehlen, den Aktienanteil fast ausschließlich in Europa und Deutschland sowie den USA zu investieren.

Völlig unpopulär sind dagegen Aktien aus den Schwellenländern. Nach vier enttäuschenden Jahren an diesen Märkten und dem Crash in China in diesem Jahr haben sich viele Investoren zurückgezogen. Die Analysten der Bank Citi bringen das Urteil der Anlegergemeinde noch einmal auf den Punkt: „Das traditionelle Wachstumsmodell der Emerging Markets scheint hoffnungslos zerbrochen zu sein.“

Bei solchen Hinweisen machen Analysten gerne einen Querverweis auf die erwartete Entscheidung der US-Notenbank am Mittwoch. Sollte die Zinserhöhung eine echte Zinswende nach oben einleiten, wären auch viele Unternehmen aus den Schwellenländern gefährdet. Denn die haben sich in den vergangenen Jahren kräftig in US-Dollar verschuldet. Steigende Zinsen würden den Dollar weiter stärken und die Last dieser Verbindlichkeiten erhöhen.

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Trotz eines grundlegenden Optimismus bleibt das kommende Jahr mit Blick auf einige besondere Herausforderungen wenig kalkulierbar. „Steht das Geldanlagejahr 2016 im Zeichen der globalisierten Risiken?“, fragt beispielsweise Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.

Er denkt dabei nicht nur an die Konjunktur, China und die Geldpolitik. Er nennt ausdrücklich auch Terroranschläge und geopolitische Risiken wie die Ukraine-Krise oder die Flüchtlingsbewegung. Bei allen diesen Fragezeichen kommt jedoch auch Targobank-Mann Lang zu dem Schluss: Aktien sind die bevorzugte Vermögensform für 2016.

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