Dax-Ausblick Die Sorgen für Anleger kehren schnell wieder zurück

Dem Schlussspurt zum Quartalsende zum Trotz: Handelsstreit und Konjunkturdaten dürften die Aktienmärkte in der neuen Woche wieder belasten.

Die Entspannung auf dem Parkett dürfte nur von kurzer Dauer sein. Quelle: Reuters

FrankfurtAls wollten Anleger noch rasch alles ausmerzen: Der deutliche Anstieg der führenden Aktienindizes am allerletzten Handelstag des Quartals konnte die schwache Gesamtbilanz allerdings nicht mehr wettmachen.

Der deutsche Leitindex Dax stieg am letzten Handelstag des ersten Quartals um kräftige 1,3 Prozent auf 12.096 Punkte. Trotz des Schlussspurts bleibt unterm Strich ein Minus von 6,4 Prozent auf Quartalssicht. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 legte etwa ein Prozent zu, womit im ersten Jahresviertel ein Minus von vier Prozent bleibt.

Und ihre Sorgen dürften Investoren auch beim Start in den April wieder einholen: Denn der von US-Präsident Donald Trump entfachte Streit um Importzölle mit China hängt wie ein Damoklesschwert über den Finanzmärkten. Nicht nur das: Auch der Facebook-Datenskandal und schwächer erwartete Konjunktursignale bieten Diskussionsstoff.

„Es ist nur extrem schwer abschätzbar, mit welcher Dynamik sich daraus ein Handelskrieg mit realwirtschaftlichen Folgen entwickeln könnte“, meinen die Strategen von M.M. Warburg über den Handelsstreit. „Präsident Trump bleibt eine Unsicherheitskomponente“, konstatiert auch Christian Kahler, Aktienstratege der DZ Bank. Insbesondere bestehe das Risiko eines sich intensivierenden Handelskrieges, der auch die Etablierung neuer Zölle seitens China und Europa erfordern würde – was bisher allerdings nicht passiert sei.

Damit nicht genug: Mit den Sorgen um Technologieunternehmen angesichts des Facebook-Datenskandals stehe nun „der nächste Belastungsfaktor im Raum“, meint Christian Apelt von der Helaba. „Auch ohne neue Zuspitzung bei den Handelsstreitigkeiten wird vorerst kaum eine wirkliche Entspannung an den Finanzmärkten einkehren.“

Die neue Handelswoche ist wegen der Osterfeiertage ebenfalls verkürzt: am Ostermontag bleiben die Börsen unter anderem in Frankfurt, Zürich und London geschlossen. In den USA beginnt das neue Börsenquartal dagegen schon am Montag.

Sehr wichtig ist nach Ansicht von Strategen, dass das Fundament der Börsen mit starken Wirtschaftsdaten solide bleibt. Vor allem die USA müssten überzeugen, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Strategen rechnen mit etwas schwächeren Frühindikatoren, den ISM-Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen.

Besonderes Augenmerk wird auch auf dem Arbeitsmarktbericht für März liegen. Im Februar entstanden mit 313.000 neuen Jobs deutlich mehr als von Analysten erwartet. Die Daten und besonders die Statistik zur Lohnentwicklung gelten als entscheidend für die weitere Zinsentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Nach der Zinserhöhung in der vorigen Woche hatte der neue Fed-Chef Jerome Powell noch zwei weitere Schritte in Aussicht gestellt.

In der Eurozone stehen neben den deutschen Auftragseingängen und der Industrieproduktion insbesondere die Inflationsdaten im Blick der Investoren. Der Rücksetzer bei der Teuerung dürfte ein Ende finden und der Trend wieder nach oben weisen, meint Apelt.

Die Inflation war mit 1,1 Prozent im Februar noch weit von der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent entfernt, für März rechnen Experten im Durchschnitt mit 1,4 Prozent. Der Preisdruck ist trotz der lockeren Geldpolitik der EZB weiterhin geringer als es den Notenbankern lieb wäre.

Bestimmend hierfür sind Witterungs- und Kalendereffekte sowie der Anstieg der Energiepreise. Zuletzt ist der Ölpreis angesichts gestiegener Nachfrage und unter anderem ein sich wieder verschlechterndes Verhältnis der USA zum Ölproduzenten Iran deutlich geklettert: Der Preis für die Nordseeölsorte Brent legte allein im März rund fünf Prozent zu auf gut 70 US-Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Ölpreis um rund ein Drittel.

Zu beobachten bleibt nach Ansicht von Kahler von der DZ Bank, wie sich die schrittweise Entwöhnungskur der Notenbanken von der ultraexpansiven Geldpolitik auf die Aktienmärkte auswirken wird. Im Durchschnitt seien die US-Unternehmen sehr hoch verschuldet, die europäischen weniger, betont er: Aber solange die Zinsen insgesamt auf niedrigen Niveaus verharren und die Konjunktur brummt, blieben Aktien attraktiv, weil die Unternehmensgewinne fundamental treiben. „Erst wenn die Notenbanken mit den Zinsanhebungen übertreiben, droht Gefahr, dass der Konjunkturaufschwung abgewürgt wird“ – und die Aktienmärkte als Folge der Notenbankpolitik in den Baissemodus wechselten.

Bei den Unternehmen stehen nur noch wenige FirmenbeDe rrichte an. Autohersteller Daimler lädt am Donnerstag zur Hauptversammlung. Die Aktionäre dürften über den geplanten Umbau des Konzerns diskutieren wollen. Nach Berichten über einen bevorstehenden Führungswechsel werden Investoren auch die Deutsche Bank im Blick behalten. Konzernchef John Cryan hatte die Spekulationen über seine Ablösung zuletzt versucht zu entkräften.
Mit Material von Reuters

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