Dax-Ausblick Die Zuversicht kehrt zurück an den Aktienmarkt

Am Markt scheint die Phase der Unruhe überstanden zu sein. In der neuen Woche zeigt sich, ob sich Konjunkturoptimismus oder Inflationsangst durchsetzt.

The German share price index, DAX board, is seen at the stock exchange in Frankfurt, Germany, February 5, 2018. REUTERS/Staff/Remote Quelle: Reuters

FrankfurtAlles wirkt wieder friedlich am Aktienmarkt: Investoren haben offenbar ihre Zinssorgen zum Ende der Woche abgeschüttelt und sich von guten Firmenzahlen wieder zu Käufen inspirieren lassen. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Freitag um knapp ein Prozent 12.452 Punkte.

Damit schaffte das wichtigste deutsche Börsenbarometer nach zwei desaströsen Wochen mit Einbußen von bis zu 1600 Punkten ein Wochenplus von fast drei Prozent. Der führende US-Index Dow Jones legte am Freitag angesichts der Anklagen gegen 13 Russen wegen versuchter Wahlbeeinflussung der US-Wahl zwar nur leicht zu auf 25.219 Punkte. Doch über die Woche kletterte die New Yorker Benchmark um mehr als vier Prozent – der größte Anstieg seit dem Wahlsieg von Donald Trump im November 2016.

Bei Investoren setzt sich offenbar zunehmend die Meinung durch, dass Aktien mit weiter anziehender Konjunktur noch Potenzial haben. Und das trotz steigender Zinsen und obwohl Ökonomen eine Beschleunigung der geldpolitischen Straffung durch die Fed erwarten.

Auch einige Strategen äußern sich zuversichtlich. „Nach der jüngsten Korrektur erscheinen die Aktienmärkte weltweit bereit für eine Fortsetzung ihrer Rally“, sagt Luca Paolini vom Schweizer Vermögensverwalter Pictet. Und Christian Heger, Chef-Anlagestratege für Deutschland bei der Vermögensverwaltung der Großbank HSBC meint, „dass die Zinsen längerfristig das Ende des Börsenaufschwungs einläuten können, es jetzt dazu aber noch zu früh ist“.

Für andere Experten gelten hingegen weitere Turbulenzen als wahrscheinlich. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die Korrekturphase bei Aktien noch nicht ausgestanden ist“, meint Claudia Windt von der Helaba. „Es sollte schon zu denken geben, dass die letzten Auslöser, Inflationssorgen und Überhitzungstendenzen innerhalb der US-Wirtschaft, nun beiseite gewischt und sogar als Ausdruck einer starken Wirtschaft interpretiert werden.“

Schon in der kommenden Woche dürften die Themen Inflation und US-Zinsen wie auch die Konjunktur wieder in den Blick der Investoren rücken. Besonders gespannt sind Anleger, Strategen und Ökonomen auf den ersten großen Auftritt des neuen US-Notenbankchefs Jerome Powell am Freitag. Sie erhoffen sich von dem turnusgemäßen Auftritt vor dem US-Kongress Hinweise auf die Geldpolitik der Fed. Besonders interessiert sie die Frage, wie Powell eine Überhitzung der weltgrößten Volkswirtschaft verhindern will.

Wie es insgesamt um die Stimmung der Börsianer bestellt ist, dürfte der ZEW-Index am Dienstag zeigen. Einen Tag später folgen die Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland und die Euro-Zone.

Am Donnerstag steht dann der viel beachtete Ifo-Index auf der Agenda, der die Stimmung in den Chef-Etagen der Firmen misst. „Alles andere als ein Rückgang der Einkaufsmanager-Indizes im Euro-Raum und des Ifo-Geschäftsklimas in Deutschland wären eine Überraschung“, prognostiziert Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Ein Ende des Konjunkturaufschwungs im Euro-Raum bedeutet das laut Weil aber nicht. Dieser geriete nur bei Zinserhöhungen der EZB in Gefahr, die vorerst allerdings nicht in Sicht seien.

Deutsche Anleger werden in der neuen Woche zahlreiche Firmenbilanzen genau prüfen. Allein etwa ein halbes Dutzend Dax-Konzerne legt Zahlen vor. Hierzu gehören die Deutsche Telekom, ProSiebenSat.1 und Henkel, die ihre Bücher allesamt am Donnerstag öffnen. Aus dem Ausland kommen Geschäftszahlen des US-Einzelhändlers Wal-Mart am Dienstag, der britischen Lloyds Bank am Mittwoch und Berkshire Hathaway am Freitag, der Investment-Gesellschaft des Börsengurus Warren Buffett.

Spannend wird es auch beim Thema Cyber-Devisen. Am Dienstag beginnt der Vorverkauf für die erste staatliche Kryptowährung, den venezolanischen Petro. Sie soll mit Ölreserven des südamerikanischen Landes besichert werden und Venezuela aus seiner Wirtschaftskrise helfen. Staatspräsident Nicolas Maduro will den Petro zum Preis eines Fasses US-Rohöl – also etwa 60 Dollar – verkaufen. Regierungsberater plädieren jedoch für einen Abschlag von 60 Prozent.

mit Reuters

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